Formel E

Formel-E-Starterfeld für Gen4 komplett: Fusion steigt mit Porsche ein, Phil Charles wird Teamchef

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Porsche-Gen4-Test-side-view

Das Formel-E-Starterfeld für die Gen4-Ära ist offenbar komplett: Fusion Formula E soll als zwölftes Team einsteigen und zwei Porsche 975 RSE einsetzen. Damit wäre Porsche künftig mit sechs Fahrzeugen vertreten. Nach Informationen von e-Formel.de übernimmt Ex-DS-Penske-Technikchef Phil Charles die Teamleitung. Hinter dem Projekt steht laut FE Notebook unter anderem ein Investor, der auch am Nachwuchsteam von Formel-1-Weltmeister Lando Norris beteiligt ist.

Lange war unklar, was aus den beiden zusätzlichen Porsche-Fahrzeugen für die kommende Formel-E-Saison werden würde. Nachdem der deutsche Hersteller seine ursprünglichen Pläne für ein zweites Werksteam aufgegeben hatte, bewarb sich kurzfristig ein bislang unbekanntes Kundenteam unter dem vorläufigen Namen "New Co Formula E Team" um einen Startplatz.

Nun scheint die Zukunft des Projekts geklärt: Wie FE Notebook berichtet, soll das neue Team unter dem Namen Fusion Formula E an den Start gehen. Die erforderlichen Unterlagen seien fristgerecht eingereicht und von der Formel E sowie der FIA geprüft worden. Damit würde die vollelektrische Rennserie in Saison 13 erstmals seit 2021 wieder mit zwölf Teams und insgesamt 24 Fahrzeugen antreten.

Investoren mit Verbindung zu Lando Norris

Hinter Fusion Formula E steht dem Bericht zufolge unter anderem der Unternehmer Dan Richards. Er ist Gründer, Direktor und Mehrheitsgesellschafter des neu registrierten Unternehmens, das erst in der vergangenen Woche in Großbritannien angemeldet wurde. Die Registrierung erfolgte über Büros auf Jersey, als Holdinggesellschaft wird SAJ Finance Limited genannt.

Richards gehört auch zu den wichtigsten Investoren von LN4 Fusion, einem im vergangenen Monat vorgestellten Projekt, das vom Formel-1-Piloten Lando Norris mitgegründet wurde.

Nach Informationen von FE Notebook war eine mögliche Beteiligung des McLaren-Piloten am Formel-E-Team zuvor zwar diskutiert worden, entsprechende Überlegungen sollen jedoch bereits Ende September weitgehend verworfen worden sein. Neben Richards sollen weitere Minderheitsgesellschafter an Fusion Formula E beteiligt sein.

Phil Charles wird Teamchef des neuen Porsche-Kundenteams

Eine zentrale Rolle beim Aufbau des neuen Rennstalls spielt Phil Charles. Der Brite arbeitete in der Formel E bereits in leitenden technischen Positionen für Jaguar und DS Penske. Ende August verließ er das französisch-amerikanische Team und war seither gemeinsam mit Porsche daran beteiligt, die beiden zusätzlichen Gen4-Fahrzeuge auf die Strecke zu bringen.

Charles soll nun als Teamchef von Fusion Formula E fungieren und den Rennstall von einem neuen Standort in Oxfordshire aus leiten. Die Vorbereitungen laufen bereits seit mehreren Wochen. Zuletzt suchte Charles über LinkedIn unter anderem Renningenieure, Systemingenieure und Strategieingenieure für kurzfristige Anstellungen.

Die Zeit drängt allerdings: Bereits im November stehen die offiziellen Formel-E-Testfahrten auf dem Circuito del Jarama in Spanien an. Bis dahin muss das neue Team nicht nur seine personellen Strukturen aufbauen, sondern auch die beiden Porsche-Rennwagen einsatzbereit bekommen. Dabei soll der Hersteller aus Weissach Unterstützung leisten.

Die endgültige Vereinbarung zwischen den Beteiligten wurde laut dem Bericht erst in der vergangenen Woche unterzeichnet.

Ayhancan Güven Favorit auf eines der beiden Cockpits

Noch offen ist, welche beiden Fahrer für Fusion Formula E antreten werden. Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt Porsche-Werksfahrer Ayhancan Güven, der bereits seit einiger Zeit mit einem Wechsel in die Formel E in Verbindung gebracht wird.

Allerdings muss der Türke noch die erforderlichen Punkte für die e-Lizenz sammeln, um in der Weltmeisterschaft starten zu dürfen. Dies dürfte jedoch schwierig werden, da er in der Langstrecken-Weltmeisterschaft keine Chance mehr auf einen der beiden ersten Plätze hat, die ihm genügend Superlizenzpunkte einbringen würden.

"Ich kann dazu nicht viel sagen, aber grundsätzlich ist das weiterhin der Plan, in der Formel E zu fahren", erklärte Güven gegenüber FE Notebook. "Darauf arbeite ich hin. Ich versuche einfach, dem Plan zu folgen, und gebe in den Bereichen mein Bestes, die ich beeinflussen kann. Den Rest werden wir sehen."

Auch David Beckmann könnte für eines der beiden Cockpits infrage kommen. Der Deutsche bestritt die Saison 2024/25 für das Porsche-Kundenteam Cupra Kiro, verlor sein Stammcockpit jedoch anschließend wieder.

Weitere mögliche Kandidaten sind Joel Eriksson, der Envision Racing nach der vergangenen Saison verlassen musste, sowie Cian Shields. Letzterer sammelte bereits bei einem Formel-E-Test für Cupra Kiro Erfahrungen, soll sich inzwischen allerdings auf ein Engagement in der European Le Mans Series festgelegt haben.

Darüber hinaus nennt FE Notebook die Nachwuchsfahrer Joshua Dürksen und Nikita Bedrin als mögliche Optionen. Bedrin verfügt durch seine frühere Tätigkeit als Test- und Simulatorfahrer bei DS Penske bereits über Verbindungen zu Phil Charles.

Eine Entscheidung über die Fahrerbesetzung wird voraussichtlich erst nach den Testfahrten in Jarama fallen.

6 Porsche-Fahrzeuge in der Formel E

Mit dem Einstieg von Fusion Formula E würde Porsche sein ursprüngliches Ziel erreichen, in der Gen4-Ära insgesamt sechs Fahrzeuge auf die Strecke zu bringen. Für das Werksteam werden weiterhin Pascal Wehrlein und Nico Müller antreten, während Cupra Kiro auf Pepe Martí und Jake Hughes setzt.

Anders als ursprünglich geplant wären die beiden zusätzlichen Porsche 975 RSE allerdings keine Werksautos, sondern würden von einem eigenständigen Kundenteam eingesetzt.

Für die Formel E wäre der Einstieg ein wichtiger Erfolg: Nach mehreren Jahren mit lediglich elf Teams wäre das Starterfeld zum Beginn der Gen4-Ära wieder vollständig besetzt. Die neue Fahrzeuggeneration mit bis zu 600 kW Leistung und permanentem Allradantrieb feiert im Dezember beim Saisonauftakt in Jeddah ihr Renndebüt.

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