Formel E

Formel E: Teams bereiten sich auf Fahrer-Mindestgewicht vor

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

In ihrer kommenden siebten Saison führt die Formel E ein Mindestgewicht für alle Fahrer ein. Ein Pilot muss ab Januar inklusive seines Sitzes und der Sicherheitsausrüstung bestehend aus Helm und HANS-System (Nackenschutz) mindestens 80 kg auf die Waage bringen. Hierfür werden derzeit neue Sitze entwickelt, die ein Ballastgewicht aufnehmen können, sollte der Fahrer unterhalb des Mindestgewichtes liegen.

Bislang hatten leichte Fahrer in der Formel E einen Vorteil: Wenn das Fahrzeug inklusive des Fahrers unter dem Mindestgewicht lag, konnte das Team die Differenz durch Ballastgewichte an günstigen Stellen ausgleichen. Der Ballast wurde möglichst weit unten - je nach Wunsch entweder vorne oder hinten - angeordnet. Somit wurde der Schwerpunkt des Wagens abgesenkt und eine bessere Balance erreicht. Die Folge: Wenn ein Fahrer etwas schwerer war, war die Optimierung der Balance nicht in gleichem Maße möglich.

Zur neuen Saison tritt eine Änderung von Artikel 5 des Technischen Reglements der Rennserie in Kraft, der sich auf das Gewicht des Fahrzeugs bezieht. Damit zieht die Formel E nach - bereits zur Saison 2019 hatte die Formel 1 eine gleichlautende Regelung eingeführt, die unmittelbar darauf auch für die Elektro-Rennserie diskutiert wurde. Zuvor hatte es Beschwerden gegeben, besonders von größeren Fahrern, die dazu gezwungen waren, ihr Gewicht so sehr zu reduzieren, dass es ungesunde Ausmaße annahm.

Gewichtsverlust bei Mortara "macht krank"

Im Frühjahr sagte Edoardo Mortara bei 'The Race', dass die extreme Diät und der Gewichtsverlust ihn "immer krank macht, wenn man so wenig Körperfett hat. Im Grunde genommen ist auch die Haut so leicht, dass man dann, wenn man hohe oder sehr niedrige Temperaturen hat, nicht wirklich durch die Haut isoliert ist."

Nissan-Fahrer Oliver Rowland, ebenfalls einer der schwereren Piloten, begrüßt die neue Regelung: "Ich hatte Glück, denn wir haben bezüglich des Gewichtes ein recht gutes Auto. Aber ich kenne einige Fahrer, die Probleme hatten", so der Brite. "Wenn du 65 bis 70 kg wiegst, kannst du das Gewicht dorthin packen, wo du willst. Du kannst das Auto ausbalancieren, indem du den Ballast nach vorne oder hinten packst. Wir hatten diese Möglichkeit nie, da wir nicht in der Lage waren, fünf Kilogramm nach vorne oder hinten zu packen, um die Balance zu verbessern. Wir mussten eine andere Lösung finden."

Roger Griffiths, Teamchef von BMW i Andretti Motorsport, hält die neue Regelung für eine gute Lösung: "Abhängig davon, wie viel dein Fahrer wiegt, wird die Regel etwas ändern. Aber sie wird auch für mehr Chancengleichheit sorgen. Wenn man jetzt beispielsweise Antonio Felix da Costa nimmt, der 65 oder an einem guten Tag vielleicht auch nur 63 kg wiegt, hat das einen Einfluss, weil er mit Sitz nun 80 kg wiegen muss", so der Brite, der das Team auch in der Sportlichen Arbeitsgruppe der Formel E vertritt. "Früher konnte man mehr Gewicht auf die Vorder- oder Hinterachse legen, je nachdem, was man machen wollte."

BMW-Teamchef Griffiths: Änderung wird sich "auf jedes Team auswirken"

"Ich denke, es wird sich auf jedes Team auf unterschiedliche Weise auswirken", so Griffiths weiter. "Die Flexibilität, die einige Teams (bei der Gewichtsverteilung) bislang hatten, wird es nicht mehr geben. Also sollte es ein bisschen mehr Chancengleichheit geben."

Das Gewicht des Sitzes - inklusive Ballast - muss der FIA beim Saisonauftakt in Santiago de Chile am 16. Januar 2021 gemeldet werden. Dieses Referenzgewicht kann während der Saison jederzeit geändert werden, wenn der Technische Delegierte der FIA dies für notwendig erachtet.

Durch die neue Regel ändert sich auch die reglementseitig vorgeschriebene Gewichtsverteilung der Boliden: Statt zwischen 37,5 und 39,5 Prozent muss auf der Vorderachse nun 40,5 bis 42,5 Prozent des Fahrzeuggewichtes liegen - dies jedoch erstmals inklusive Fahrer. Dafür wird bereits bei der Homologation der Fahrzeuge ein 80 kg schwerer Referenzfahrer "von der FIA berücksichtigt".

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

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