Formel E

Formel-E-Test für Romain Grosjean war bereits von Mahindra geplant: "Er war ganz sicher daran interessiert"

Timo Pape

Timo Pape

Romain-Grosjean-Haas-2018

Der ehemalige Formel-1-Fahrer Romain Grosjean hatte die Formel E als mögliche Fortsetzung seiner Karriere auf dem Zettel. Vor gut anderthalb Jahren versuchte sich der Franzose im Simulator von Mahindra Racing und sollte zudem einen Streckentest bekommen. Verschiedene Umstände sorgten jedoch dafür, dass "einer der besten Rennfahrer der Welt" nicht in der Elektro-Meisterschaft landete, sondern in der IndyCar-Serie…

"Er war daran interessiert, ganz sicher", erinnert sich Frederic Espinos gegenüber 'The Race'. Der damalige Formel-E-Sportdirektor und heutige ABT-Sportchef hatte den Kontakt zwischen seinem alten Freund Grosjean und Mahindra-Teamchef Dilbagh Gill hergestellt. Der Inder bestätigt bei 'The Race': "Wir haben uns unterhalten. Es war zu diesem Zeitpunkt sehr informell, und es ging tatsächlich so weiter. Ich denke, dass es zumindest eine Überlegung für ihn nach der Formel 1 war."

Zwar sei nicht über alle Einzelheiten diskutiert worden, "aber es war auf jeden Fall ein Plan, an dem wir interessiert gewesen wären, wenn die Sterne günstig gestanden hätten", so Gill. Er hätte sich Grosjean durchaus als eine "mögliche Zukunft" für Mahindra vorstellen können. "In der siebten Saison (2021) hätten wir ihn eher als Simulator-, Test- und Entwicklungsfahrer sowie als Markenbotschafter gesehen. In der achten Saison wäre er womöglich gefahren, wenn alles gut gelaufen wäre."

So kam es im Oktober 2020 tatsächlich zu einem Besuch Grosjeans im Mahindra-Werk im britischen Banbury. "Er hat ein paar Simulationen gemacht und schien sich mit allem wohlzufühlen. Er hat sich gut geschlagen, und die Ingenieure waren beeindruckt. Er schien sehr interessiert zu sein", denkt Gill zurück.

"Es ging ihm im Grunde darum herauszufinden, ob die Formel E für ihn von Interesse ist. Das war, bevor er mit der Formel 1 aufhörte, aber da wusste er natürlich schon, dass er nirgendwo einen Platz (in der F1) bekommen würde. Er mochte Straßenkurse sehr gern und hatte das Gefühl, dort gute Ergebnisse erzielen zu können. Sogar die Belastung und die Ausgewogenheit des Kalenders mit dem Familienleben usw. waren für ihn recht interessant", so Gill. "Wir sprachen auch über einen Test auf der Strecke."

Bahrain-Crash & IndyCar kommen Formel E in die Quere

Dann erlitt Grosjean seinen schweren Unfall beim Formel-1-Grand-Prix in Bahrain, dem er gerade so mit dem Leben entkam. "Das Timing war schwierig, und der Unfall wirkte sich natürlich auch ein wenig aus, weil die Formel E in der regulären Nebensaison beginnt", erinnert sich Gill. Damals waren die Verbrennungen an Grosjeans Händen noch nicht verheilt gewesen.

Außerdem entwickelten sich seine Verhandlungen mit der IndyCar-Serie weiter und kamen schließlich zu einem erfolgreichen Abschluss. Selbst als Grosjean im April 2021 in St. Petersburg sein Debüt gab, bestand bei ihm offenbar immer noch ein gewisses Interesse an der Formel E.

Mahindra plante daher, ihm einen Test im spanischen Calafat zu ermöglichen. Dazu sollte es letztlich aber nicht mehr kommen: "Er hat nur diesen Simulations-Tag mit uns in Banbury gemacht, er saß nie im Auto", sagt Gill.

Espinos hätte den Deal gern vermittelt - wohl wissend um das kommunikative Potenzial eines Grosjean-Transfers in die Formel E. "Meiner Meinung nach ist Romain einer der besten Fahrer der Welt, und es wäre eine tolle Geschichte gewesen", hadert der damalige Sportchef der Elektroserie. "Aber wie wir gesehen haben, ist er sehr wohl in der Lage, auch anderswo große Geschichten für sich und seine Fans zu schreiben."

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