Formel-E-Test von Porsche im Video: Gen4 verblüfft in Monza mit F2-Rundenzeit & 320 km/h
Tobias Wirtz
Monza in Pista (Instagram)
Der neue Porsche 975 RSE sorgt bei Formel-E-Testfahrten in Monza für Aufsehen: Der Gen4-Bolide soll rund 320 km/h erreicht und eine Rundenzeit auf Formel-2-Niveau gefahren sein - auf gebrauchten Reifen und ohne Qualifying-Simulation. Auch bei Regen beeindruckte das Fahrzeug. Zahlreiche Videos zeigen den enormen Leistungssprung der Formel E.
Erstmals in der Geschichte der Formel E hat ein Rennwagen der Elektrorennserie seine Runden auf dem Autodromo Nazionale Monza gedreht. Am vergangenen Wochenende (17. und 18. Oktober) absolvierte Porsche dort einen zweitägigen Privattest mit dem neuen 975 RSE. Die langen Geraden und harten Bremszonen des italienischen Hochgeschwindigkeitskurses boten dem Hersteller ideale Bedingungen, um die Leistungsfähigkeit des neuen Gen4-Fahrzeugs zu untersuchen.
Am Samstag waren zunächst die beiden Porsche-Werksfahrer Nico Müller und Pascal Wehrlein bei trockenen Bedingungen unterwegs. Am Sonntag kam zusätzlich Pepe Marti vom Porsche-Kundenteam Cupra Kiro zum Einsatz. Nach nächtlichen Regenfällen fanden die Testfahrten am zweiten Tag teilweise auf nasser Strecke statt.
Porsche Gen4 soll Monza in rund 1:32 Minuten umrundet haben
Besonders bemerkenswert sind die inzwischen bekannt gewordenen Leistungsdaten. Wie RacingNews365 und FE Notebook unter Berufung auf Quellen aus dem Testumfeld berichten, soll der Porsche 975 RSE bereits am ersten Testtag eine Rundenzeit im Bereich von 1:32 Minuten erzielt haben.
Die Runde wurde demnach auf gebrauchten Reifen gefahren, als die Abstimmung des Fahrzeugs noch nicht vollständig optimiert war. Eine gezielte Qualifying-Simulation auf frischen Reifen stand offenbar nicht auf dem Testprogramm. Eine zuvor im Simulator gefahrene Runde ließ sogar eine noch schnellere Zeit erwarten.
Zum Vergleich: Die Pole-Position-Zeit von Kush Maini in der Formel 2 beim Italien-Wochenende 2024 lag bei 1:32,717 Minuten. Sollte sich die inoffizielle Zeit des Porsche bestätigen, wäre der Gen4-Rennwagen damit bereits in einem vergleichbaren oder sogar schnelleren Bereich unterwegs gewesen.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Porsche hat keine offiziellen Rundenzeiten veröffentlicht. Die Angaben stammen aus Medienberichten und erlauben noch keine abschließende Einordnung der Leistungsfähigkeit. Auch die jeweiligen Strecken- und Witterungsbedingungen sowie die Reifen unterscheiden sich zwischen den Rennserien.
Mehr als 300 km/h: Monza als Härtetest für Aerodynamik und Bremsen
Nicht nur die Rundenzeit sorgte für Aufmerksamkeit. Auf den langen Geraden erreichte der Porsche nach Informationen aus dem Testumfeld Geschwindigkeiten im Bereich von 320 km/h, ohne das volle Potenzial auszuschöpfen. Auf der Strecke sollen sogar noch höhere Geschwindigkeiten möglich gewesen sein.
Im Mittelpunkt der Testfahrten standen vor allem die Aerodynamik und das Bremsverhalten des neuen Fahrzeugs. Monza eignet sich dafür besonders gut: Auf die langen Highspeed-Passagen folgen einige der härtesten Bremszonen im internationalen Motorsport.
Beim Gen4 kommt hinzu, dass ein wesentlicher Teil der Verzögerung über die Energierückgewinnung erfolgt. Die Abstimmung zwischen Rekuperation, mechanischer Bremsanlage und permanentem Allradantrieb stellt die Ingenieure damit vor neue Herausforderungen.
Die neue Fahrzeuggeneration verfügt über bis zu 600 kW Leistung, was rund 816 PS entspricht. Im normalen Rennbetrieb sind maximal 450 kW vorgesehen. Außerdem erzeugen die neuen Fahrzeuge deutlich mehr aerodynamischen Abtrieb als ihre Vorgänger.
Wie sich dieser Leistungssprung auf der Strecke auswirkt, zeigen zahlreiche Videos, die Zuschauer während der beiden Testtage in Monza aufgenommen und in den sozialen Medien veröffentlicht haben.
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Nico Müller begeistert von der Ascari-Kurvenkombination
Besonders eindrucksvoll zeigte sich das Fahrverhalten des neuen Porsche offenbar in der Variante Ascari. Die schnelle Kurvenkombination mit ihren Richtungswechseln und der anschließenden Beschleunigungsphase stellte einen der Höhepunkte der Testfahrten dar.
Nico Müller äußerte sich gegenüber FE Notebook positiv überrascht darüber, wie sich der Gen4-Rennwagen auf der ungewöhnlich schnellen Strecke fahren ließ. Besonders beeindruckt habe ihn die Kombination aus der harten Bremszone vor Ascari und der anschließenden Beschleunigung durch die weiteren Kurven. Dank des Allradantriebs und der hohen Motorleistung habe sich das Fahrzeug am Kurvenausgang sehr schnell angefühlt. Gleichzeitig habe es trotz seiner Bewegungen auf der Strecke bereits beachtlichen aerodynamischen Abtrieb erzeugt.
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Bridgestone Typhoon überzeugt bei Regen in Monza
Am zweiten Testtag standen andere Bedingungen auf dem Programm. Nach Regenfällen in der Nacht war die Strecke am Sonntag nass beziehungsweise feucht. Unter anderem nutzte Pepe Marti die Gelegenheit, mit dem Porsche 975 RSE Erfahrungen auf dem neuen Bridgestone-Typhoon-Reifen zu sammeln.
Der speziell für starken Regen entwickelte Reifen ist eine der Neuerungen, die Bridgestone zum Beginn der Gen4-Ära in die Formel E einbringt. Bislang verfügte die Rennserie lediglich über einen Allwetterreifen, der sowohl bei trockenen als auch bei nassen Bedingungen eingesetzt wurde.
Die ersten Eindrücke aus Monza fallen offenbar vielversprechend aus. Ein Beobachter vor Ort sprach gegenüber FE Notebook von einem außergewöhnlich hohen Gripniveau. Besonders die Kombination aus permanentem Allradantrieb und den neuen Regenreifen soll für beeindruckende Fahreigenschaften gesorgt haben.
Die Fahrten bei Nässe zählten offenbar zu den Höhepunkten des Testwochenendes. Größere technische Schwierigkeiten soll es während der beiden Testtage nicht gegeben haben.
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Auch Jake Hughes bei Porsche-Testfahrten vor Ort
Neben den drei eingesetzten Fahrern war auch Jake Hughes in Monza anwesend. Der Neuzugang von Cupra Kiro sollte allerdings nicht selbst ins Lenkrad greifen. Vielmehr soll der Brite die Gelegenheit genutzt haben, sich mit dem Porsche 975 RSE vertraut zu machen und Mitglieder seines neuen Teams kennenzulernen. Cupra Kiro wird auch in der Gen4-Ära mit Porsche-Technik antreten.
Für Porsche war der Test in Monza ein weiterer wichtiger Schritt bei der Entwicklung seines neuen Formel-E-Rennwagens. Im November stehen die nächsten gemeinsamen Gen4-Testfahrten im spanischen Jarama auf dem Programm. Den zuvor vorgesehenen Testtag in Valencia will Porsche nach Informationen von FE Notebook auslassen.
Auch wenn die inoffiziellen Rundenzeiten noch mit Vorsicht zu genießen sind, machen die Aufnahmen aus Monza bereits deutlich, wie groß der Leistungssprung der Formel E zur kommenden Saison ausfallen wird. Gerade auf schnellen permanenten Rennstrecken scheint die neue Fahrzeuggeneration ihr Potenzial wesentlich deutlicher entfalten zu können als ihre Vorgänger.
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