Formel E

Formel E vor Rückkehr nach Italien? Auch Neapel ist eine Option

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Die Formel E treibt ihre Rückkehr nach Italien offenbar konkret voran. Das machte Mitgründer und Chief Championship Officer Alberto Longo in einer Medienrunde deutlich, an der auch e-Formel.de teilnahm. Dabei sprach er ungewöhnlich offen über die Pläne der Serie und über die Lehren aus dem bisherigen Italien-Kapitel.

Nach dem Ende des Rom E-Prix 2023 versuchte die Formel E im folgenden Jahr den Schritt auf die permanente Rennstrecke Misano World Circuit Marco Simoncelli. Allerdings war die Formel E weder mit der Action auf der Strecke noch mit dem Zuschauerinteresse zufrieden, sodass Italien seitdem aus dem Rennkalender verschwunden ist. Die Verantwortlichen arbeiten jedoch daran, dies zu ändern.

"Nach Italien zurückzukehren ist für die Meisterschaft seit ein paar Jahren zu einer Top-Priorität geworden", antwortete Longo auf die Frage eines italienischen Kollegen. Zugleich machte er klar, dass die Formel E beim nächsten Anlauf deutlich höhere Ansprüche an Standort, Atmosphäre und Außenwirkung stellt als zuletzt.

Besonders interessant aus italienischer Sicht: Auch Neapel spielt in den Überlegungen eine Rolle. Longo bestätigte, dass die Formel E mit mehreren Städten in Italien spricht, darunter auch mit der süditalienischen Metropole.

Longo übt deutliche Kritik an Misano

In der Medienrunde wurde Longo bei der Bewertung des bisherigen Italien-Kapitels sehr klar. "Ich will ganz offen und ehrlich sein: So positiv uns Jarama überrascht hat, so negativ hat uns Misano überrascht. Misano hat einfach nicht gezeigt, wozu wir eigentlich in der Lage sind." Zwar schloss Longo auch eine Rückkehr auf die Strecke nicht komplett aus. "Für Gen4 könnte Misano eine gute Strecke sein", erklärte er. Viel wichtiger sei für die Formel E aber etwas anderes: "Wir brauchen diese Leidenschaft. Wir müssen an einen Ort gehen, an dem sich die Menschen vom ersten Moment an mitgenommen fühlen."

Genau darin liegt offenbar der Kern der neuen Italien-Strategie. "Wenn wir das nächste Mal nach Italien kommen, und das wird sehr bald passieren, dann muss das eine Veranstaltung für die Massen werden", so Longo. "So, wie wir es gerade in Spanien spüren, so wie wir es inzwischen fast überall erleben, wo wir hinkommen: Genau das müssen wir auch in Italien haben."

Die Formel E sucht also nicht einfach irgendeinen Austragungsort, sondern eine Bühne, die sportlich und atmosphärisch zum eigenen Anspruch passt. "Wir suchen einen ganz besonderen Austragungsort, eine sehr gute Location, auf der wir die Leistungsfähigkeit dieser Autos zeigen können, und dazu noch die Begeisterung der Menschen in Italien", beschrieb Longo weiter.

Neapel ist eine von mehreren diskutierten Städten

Auf die konkrete Frage nach Neapel blieb Longo vorsichtig. "In Italien sprechen wir mit verschiedenen Städten, und Neapel ist eine davon. Mit ihnen sind wir im Gespräch", bestätigte er. Allzu konkret wollte er dabei allerdings nicht werden. "Wir sprechen derzeit weltweit mit 106 Städten, Neapel ist also eine davon." Trotzdem ist die Aussage bemerkenswert, weil sie zeigt, dass die Formel E bei ihrer Italien-Rückkehr längst nicht mehr nur allgemein plant.

Warum die Umsetzung trotzdem schwierig ist, erklärte Longo ebenfalls offen. "Es ist schwierig, wenn man auf einem Stadtkurs in der Nähe der Stadt oder mitten in der Stadt fahren will, ohne die Anwohner zu stark zu beeinträchtigen", erklärte er. "Man braucht genug Streckenlänge, genug Streckenbreite, und allein schon den Platz für die Boxenanlagen zu finden, ist eine riesige Herausforderung."

An der grundsätzlichen Stoßrichtung ändert das nichts. "Wie gesagt: Italien ist eine Top-Priorität für die Formel E", betonte Longo. "Und ich hoffe, dass wir bald zurück sein werden." Damit machte Longo die Stoßrichtung der Serie noch einmal unmissverständlich klar: Eine Rückkehr nach Italien steht für die Formel E weit oben auf der Agenda.

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