Formel E will weiterhin in Tempelhof fahren: "Wir werden Berlin definitiv nicht verlassen, bevor der Vertrag ausläuft"
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Wird die Formel E auch weiterhin auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin-Tempelhof gastieren? Ein Medienbericht über Gespräche mit den Verantwortlichen des Norisring-Rennens in Nürnberg ließ Zweifel daran aufkommen, dass die Elektrorennserie auch in der Gen4-Ära mit einem Rennen in der deutschen Hauptstadt plant. Formel-E-Mitbegründer und Chief Championship Officer Alberto Longo stellt nun seine Sicht der Dinge dar.
Berlin nimmt eine ganz besondere Rolle für die Formel E ein: 24 Rennen hat die Elektroserie in der ehemals geteilten Stadt ausgetragen, mehr als in jeder anderen Stadt. Allein 23 Rennen davon fanden auf dem Vorfeld des am 30. Oktober 2008 geschlossenen Flughafens statt. Großen Anteil daran haben die Tatsachen, dass die Formel E in jeder ihrer bislang zwölf Saisons in Berlin zu Gast war und zudem während der Covid-19-Pandemie sechs Rennen in neun Tagen auf dem Areal austrug, um die Saison 2020 zu beenden.
"Freuen uns darauf, hier noch 20 oder 30 Jahre zu sein"
"Wir lieben diese Stadt", beschreibt Longo im Exklusiv-Interview mit e-Formel.de. "Im Grunde ist das der Ort auf der Welt, an dem wir am häufigsten gefahren sind – und das wird wahrscheinlich auch noch viele, viele Jahre so bleiben. Deshalb freuen wir uns darauf, hier noch 20 oder 30 Jahre zu sein. Das ist definitiv der Ort, an dem wir sein wollen."
2024 gaben die Formel E und die Stadt Berlin eine Vertragsverlängerung bekannt: Bis mindestens 2027 soll die Elektroserie nach dem aktuell gültigen Kontrakt in der Bundeshauptstadt bleiben, es gibt zudem eine Option über eine Verlängerung um drei weitere Jahre.
"Wir haben einen langfristigen Vertrag mit Tempelhof unterzeichnet und gehen natürlich davon aus, ihn vollständig zu erfüllen", so Longo weiter. "Ich weiß nicht, welche Pläne man dort (in Berlin) hat, aber unser Plan ist ganz klar, hier zu bleiben."
"Wir stehen zu dem Vertrag, den wir unterschrieben haben. Deshalb werden wir Berlin definitiv nicht verlassen, bevor dieser Vertrag ausläuft", fährt er fort. "Das heißt aber nicht, dass wir uns keine Vorschläge anhören, die uns andere Städte in Deutschland möglicherweise machen. Was es irgendwann bedeuten könnte, ist, dass wir mehr als ein Rennen in Deutschland austragen - das ist eine andere Geschichte. Aber fairerweise muss man sagen: Wir bleiben ganz sicher in Berlin, weil wir einen langfristigen Vertrag haben."
"Führen aktuell weltweit 83 konkrete Gespräche"
Für Longo ist es jedoch wichtig, auch einen Plan B zu haben, sollte man sich in Berlin eines Tages gegen die Formel E entscheiden. Außerdem bringt er die Option ins Spiel, zukünftig mehr als einen E-Prix in Deutschland auszutragen, immerhin gilt der deutsche Markt für die beteiligten Hersteller als sehr wichtig. Darüber hinaus steigt mit Opel zur kommenden Saison eine weitere deutsche Marke in die Elektroserie ein.
"Wir sind als Unternehmen dafür bekannt, zu nichts Nein zu sagen", erklärt Longo. "Aktuell führen wir weltweit 83 konkrete Gespräche mit verschiedenen Städten. Gibt es neben Tempelhof weitere Gespräche in Deutschland? Natürlich. Bedeutet das, dass wir dreimal in Deutschland fahren werden? Wahrscheinlich nicht. Zweimal? Möglicherweise. Es ist unsere Aufgabe, die Formel E in noch mehr Städte auf der Welt zu bringen."
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