Formel E

Formel E zu Gast im Fürstentum: Die XXL-Vorschau auf den Monaco E-Prix 2021

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Yachts-Monaco-Mountains

Alle zwei Jahre trägt die Formel E in Monaco einen E-Prix aus - in dieser Saison ist es wieder soweit. Nur zwei Wochen vor dem Großen Preis der Formel 1 elektrifizieren Hersteller wie Audi, Porsche, BMW, Mercedes oder Jaguar die Straßen an der Cote d'Azur. Eine Besonderheit in dieser Saison: Erstmals wird die Elektrorennserie eine nahezu identische Variante der vollständigen Grand-Prix-Strecke nutzen.

Bei der letzten Ausgabe des Monaco E-Prix im Jahr 2019 fuhr die Formel E noch auf einer Kurzanbindung. Dabei bogen die Piloten in der ersten Kurve scharf nach rechts ab, steuerten frontal auf den Ausgang des Tunnels zu und nutzten die Hafen-Schikane als 180-Grad-Kehre. In diesem Jahr umfasst der Formel-E-Kurs erstmals auch berühmte Kurven wie Casino, Mirabeau, Grand Hotel und Portier.

Im Vergleich zu Kursen wie in Rom oder Paris dürfte der "Circuit de Monaco" für die Formel E zu den weitläufigeren Strecken des Rennkalenders zählen. Anders als in Serien wie der Formel 1, Formel 2 oder dem Porsche Supercup sind also durchaus einige Überholmanöver zu erwarten - insbesondere mit Blick auf unterschiedliche Energiemanagement-Strategien und Attack-Mode. Alles, was du vor dem Monaco E-Prix 2021 wissen musst, erfährst du in unserer großen Vorschau.

Stadt, Land, Fluss

Monaco liegt unweit der französischen Stadt Nizza an der Cote d'Azur. Bereits vor 5.000 Jahren könnte das Gebiet des heutigen Stadtstaates besiedelt gewesen sein. Im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte wechselte die Herrschaft über Monaco mehrmals, ehe Frankreich im Jahr 1861 die volle Unabhängigkeit Monacos anerkannte. Seither wird die Stadt als konstitutionelle Monarchie von einem Fürsten regiert.

Da Monaco keine Einkommens- und Erbschaftssteuern erhebt, entwickelte sich die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten zu einem bedeutenden Finanzplatz. Nach dem Vatikan ist Monaco das zweitkleinste Land der Erde: Auf nur zwei Quadratkilometern Fläche wohnen etwas weniger als 38.000 Menschen. Die Formel-E-Strecke liegt zum Teil im Port-Hercule-Yachthafen, wo ein Liegeplatz bis zu 900 Euro pro Tag kosten kann.

Rückspiegel | Was seit dem Valencia E-Prix passierte

Die Formel-E-Schlagzeilen nach dem Valencia E-Prix wurden von einem Thema bestimmt: Das "Energie-Chaos" beim Samstagsrennen. Inzwischen dürfte Einigkeit darüber herrschen, dass die Rennleitung die bestehende Regel zum Energieabzug tatsächlich korrekt angewendet hat. Unklar ist noch, ob sie auf die Reduktion in der Schlussphase des Rennens hätte verzichten sollen. Wie die FIA das Thema anschließend kommuniziert hat, steht abermals auf einer anderen Seite...

In Vancouver stimmte der Stadtrat indes für einen Antrag, der eine Bewerbung um einen Platz im Formel-E-Kalender vorsieht. Geht es nach den Ratsmitgliedern, könnte die Elektrorennserie bereits im Juli 2022 an die kanadische Westküste reisen.

In der Londoner Formel-E-Zentrale nehmen die Pläne für das Gen3-Fahrzeug, das ab der Saison 2022/23 von allen Teams eingesetzt werden soll, immer mehr Gestalt an. Die offizielle Präsentation eines ersten Showcars ist laut Serienchef Reigle bereits im Herbst dieses Jahres geplant.

Zeitplan | Das Formel-E-Rennen in Monaco

Da die öffentlichen Straßen in Monaco so lange wie möglich geöffnet bleiben sollen, muss die Formel E in Monaco auf ihren obligatorischen "Shakedown" verzichten. Die Teams und Fahrer bekommen somit erst im 1. Freien Training die Gelegenheit, den Kurs zu inspizieren (abgesehen von der Streckenbegehung im laufenden Straßenverkehr). Der E-Prix ist in dieser Saison das einzige Event, das nicht als "Double-Header" ausgetragen wird. Alle Sessions finden somit am Samstag statt.

Session Uhrzeit
1. Freies Training 08:00-08:45 Uhr
2. Freies Training 10:15-10:45 Uhr
Qualifikation 12:00-13:00 Uhr
Rennen 16:03 Uhr

 

Strecke | Zum 1. Mal auf der "großen" Rennstrecke

Speziell seit der Einführung des Gen2-Fahrzeugmodells wuchs im Fahrerlager die Kritik an der "Kurzanbindung", auf die die Formel E in den Jahren 2015, 2017 und 2019 in Monaco vertraute. Nach monatelangem Ringen um den Wechsel auf den Grand-Prix-Kurs gab die Serie vor einigen Wochen schließlich gemeinsam mit der FIA und dem Automobilverband von Monaco (ACM) bekannt, dass sie in diesem Jahr tatsächlich auf eine Variante der "großen Rennstrecke" wechseln wird.

Zum ersten Mal passiert die Formel E somit auch die berühmten Kurven Massenet, Casino, Mirabeau, die Grand-Hotel-Kehre und Portier. Der berüchtigte Tunnel führt die Piloten schließlich zurück in Richtung des aus den vergangenen Jahren bekannten Layouts, bei dem sich die Formel E das finale Streckendrittel mit der Formel 1 teilte. Im Gegensatz zur "Königsklasse" adaptiert die Elektrorennserie den Kurvenradius der Hafen-Schikane (Kurve 11) leicht, sodass die Strecke im Vergleich zur Formel 1 etwa zehn Meter kürzer ist (3,318 Kilometer). Die Attack-Zone befindet sich unweit des Casino-Vorplatzes in Kurve 4.

Anmerkung: Eine frühere Version dieses Artikels beschrieb geplante Anpassungen in Kurve 1 und einen alternativen Attack-Zone-Standort. Zum Veröffentlichungszeitpunkt war dies der offizielle Stand - inzwischen hat die Formel E jedoch die zunächst angekündigten Modifikationen zurückgenommen.

TV & Livestream | Der Monaco E-Prix der Formel E

In diesem Jahr strahlt die Sendergruppe ProSiebenSat.1 alle Rennen der Formel E im deutschen Free-TV aus. Auch den Monaco E-Prix können Formel-E-Fans im Programm von "ran racing" bei Sat.1 verfolgen. Abermals begleitet von Hauptkommentator Eddie Mielke, TV-Experte Daniel Abt, Moderatorin Andrea Kaiser und dem gewohnten Vor-Ort-Team um Matthias Killing und Christan Danner.

Die Übertragung beginnt eine halbe Stunde vor Rennbeginn mit Vorberichten. Die Trainings und das Qualifying kannst du wie üblich im kostenfreien Livestream auf unserer Webseite verfolgen. Außerdem begleiten wir den gesamten Renntag des Monaco E-Prix in einem Live-Ticker.

>>> ausführliche TV- & Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in Monaco

Fans in Österreich können die Formel E bei Eurosport 1 oder ORF eins verfolgen. Wegen der Übertragung des F1-Qualifyings in Spanien startet die Übertragung des ORF jedoch voraussichtlich mit einer Verzögerung von rund 15 Minuten.

In der Schweiz zeigen die kostenpflichtigen Sender Eurosport 2 und MySports One das Rennen live. Eurosport 1 überträgt - übrigens auch in Deutschland und Österreich - am Dienstagabend eine Free-TV-Wiederholung des Monaco E-Prix.

Qualifying-Gruppen | Übersicht für den Monaco E-Prix

In der Formel E werden die Fahrer für das Qualifying in Sechsergruppen eingeteilt. Die Rennserie verfolgt damit das Ziel, allen Piloten (zumindest in der Theorie) die Gelegenheit zu einer "freien Runde" auf den oftmals engen Straßenkursen zu geben.

Die Aufteilung der Gruppen erfolgt anhand der aktuellen Zwischenstände in der Fahrermeisterschaft: Die besten sechs Fahrer starten in Gruppe 1, ihre nächsten Verfolger in Gruppe 2 und so weiter. Für den Monaco E-Prix ergeben sich die folgenden Gruppen.

Wettervorhersage | Gutes Wetter an der Cote d'Azur

Die Teams der Formel E können sich auf einige sommerliche Tage an der Mittelmeerküste einstellen. Dank bis zu sieben Sonnenstunden könnten die Temperaturen beim Rennstart rund 21 Grad Celsius betragen. Oder in anderen Worten: bestes Rennsportwetter in Monaco!

Fast Facts | Monaco

  • Insgesamt 42 Meter liegen zwischen dem höchsten (Casino) und niedrigsten (Rascasse) Punkt der Strecke in Monaco - der größte Höhenunterschied einer Strecke im aktuellen Formel-E-Kalender.
  • Monaco ist nur 2,02 Quadratkilometer groß. Das gesamte Staatsgebiet ist damit kleiner als der ehemalige Berliner Flughafen Tempelhof, auf dessen Vorfeld jährlich die Strecke für den Berlin E-Prix aufgebaut wird.
  • Nyck de Vries, Stoffel Vandoorne (beide Mercedes) und Pascal Wehrlein (Porsche) könnten es am Wochenende zum zehnten Mal in ihrer Formel-E-Karriere in eine Super-Pole-Session schaffen.
  • Unfälle sind in Monaco so gut wie garantiert: Bei allen Ausgaben des Monaco E-Prix gab es mindestens eine Safety-Car- oder Full-Course-Yellow-Phase. Besonders spektakulär war der Auslöser der ersten "Rennneutralisierung" im Jahr 2015, als Bruno Senna (Mahindra) am Heck von Daniel Abts Fahrzeug aufstieg und einige Meter durch die Luft flog. Beide Fahrer blieben unverletzt.
  • Um den Formel-E-Kurs von Monaco einmal mit Pokerchips aus dem Casino von Monte-Carlo zu umrunden, bräuchte man 85.128 durchschnittlich große Exemplare der sogenannten Jetons.

Video: Eine virtuelle Runde auf dem Grand-Prix-Kurs in Monaco

 

Prognose | Die Formel E auf dem Olymp des Motorsports

Nur wenige Dinge bringen im Motorsport so viel Prestige mit sich wie ein Rennsieg auf den Straßen von Monaco. In der Formel E haben bislang lediglich zwei Fahrer einen E-Prix im Fürstentum gewonnen - und beide haben auch in diesem Jahr gute Chancen.

Sebastien Buemi gewann die ersten zwei Ausgaben des Rennens in den Jahren 2015 und 2017, konnte seit dem New York City E-Prix vor zwei Jahren jedoch keinen Formel-E-Lauf mehr auf Platz 1 beenden. Zuletzt gab bei Nissan Buemis Teamkollege Oliver Rowland klar das Tempo vor. Könnte es dieses Mal für Buemi klappen?

Auch DS-Techeetah-Fahrer Jean-Eric Vergne gewann bereits in Monaco (2019). Dass er in diesem Jahr siegreich sein kann, zeigte er bereits Mitte April beim Rom E-Prix. Dennoch: Vergne konnte in den vergangenen Wochen nicht das vollständige Potenzial seines Fahrzeugs ausreizen. Der Franzose wird - wie übrigens auch sein in dieser Saison noch siegloser Teamkollege Antonio Felix da Costa - hochmotiviert sein, um in den Kampf um den Sieg einzugreifen.

Doch es gibt noch zahlreiche weitere Kandidaten. Maximilian Günther (BMW), der vor wenigen Monaten eine neue Wohnung in Monaco bezog, hat nach seinem durchwachsenen Valencia-Wochenende in Qualifying-Gruppe 4 durchaus gute Chancen auf eine hervorragende Startposition, von der er sich an die Spitze arbeiten könnte. Dasselbe gilt für Lucas di Grassi (Audi).

Selbstverständlich sollten die Teams jedoch auch die zwei Mercedes-Piloten Nyck de Vries und Stoffel Vandoorne nicht außer Acht lassen. In vier von sechs Qualifying-Sessions der Saison sicherte sich mindestens einer der zwei "Silberpfeil"-Piloten einen Platz in der Super-Pole. Trotz des Nachteils durch Qualifying-Gruppe 1 wäre es unvernünftig, die zwei Meisterschaftsführenden nicht zu den Topkandidaten auf ein gutes Ergebnis zu zählen.

Eine wichtige Komponente des Rennens dürften außerdem Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen werden. Bislang musste bei jeder Ausgabe des Monaco E-Prix das Rennen mindestens einmal neutralisiert werden. Dies hat nicht nur mit Blick auf den obligatorischen Energieabzug große Relevanz, sondern auch auf das Abstandsmanagement des Führenden. Sollte das Safety-Car das Feld zusammenstauchen, lohnt es sich für das Führungsfahrzeug nicht, zuvor Energie aufzuwenden, um die Führung auszubauen. Sicherlich dürfen wir uns somit auf ein enges Rennen gefasst machen, bei dem erst in den letzten fünf Minuten des E-Prix die Entscheidung um den Sieg fallen könnte.

e-Formel.de begleitet den Monaco E-Prix 2021 wie gewohnt in aller Ausführlichkeit für dich - unter anderem mit Livestreams zum Training und Qualifying. Neben Berichten, Analysen und aktuellen Meldungen von der Rennstrecke bieten wir auch dieses Jahr für alle Trainings, Qualifyings und Rennen unseren beliebten LGT Formel E Live-Ticker an, in dem wir dich mit Echtzeit-Updates aus Monaco versorgen.

Übrigens: Auch in diesem Jahr haben unsere Leser eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis Freitag Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

Rückblick: Das passierte beim Monaco E-Prix 2019

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