Formel E

Gefahr vor Wettrüsten: Formel E wird Entwicklungsplan nicht für Hersteller ändern

Timo Pape

Timo Pape

Fluch oder Segen? Das überwältigende Herstellerinteresse hat die Formel E in den vergangenen Monaten in die bel Étage des Motorsports erhoben. Die Elektroserie wächst und gedeiht. Gleichzeitig fürchten einige, dass die großen Autobauer das Entwicklungsbudget in den kommenden Jahren signifikant in die Höhe treiben könnten. Schließlich will ein Hersteller am liebsten alle Komponenten selbst entwickeln, um seine Kompetenz im Wettbewerb zu demonstrieren.

Ein gewisser Autogigant habe bereits Lobbyarbeit geleistet, um mehr Entwicklungsfreiheiten zu schaffen, erinnert sich Virgin-Teamchef Alex Tai bei 'Motorsport.com'. "Letztes Jahr in Berlin hatten wir ein Meeting, und einer der Hersteller sagte: 'Wir wollen einsteigen, und wir wollen alles selbst entwickeln.' Sie hatten diese Machester-United-Herangehensweise, mehr als alle anderen auszugeben und dann zu dominieren. Wir alle haben gesagt: 'Auf gar keinen Fall'."

Logisch, dass sich Privatteams wie Virgin, Venturi oder auch Dragon auf die Hinterbeine stellen, wenn die "Großen" politischen Druck ausüben. Zu ihrem Schutz - und dem der gesamten Meisterschaft - hat Formel-E-Boss Alejandro Agag schon von Jahren Mechanismen entwickelt, die einem Wettrüsten entgegenwirken sollen. "Ich habe keinerlei Sorge dabei, dass die ganzen Hersteller einsteigen. Es ermutigt mich viel mehr, denn sie sind eine unglaubliche Bereicherung für diese Meisterschaft", sagt der Spanier ebenfalls gegenüber 'Motorsport.com'.

Auch in absehbarer Zeit sollen die Hersteller nicht die politische Oberhand gewinnen, wie es zum Beispiel in der DTM immer wieder der Fall ist. "Als wir uns am Tag null zusammengesetzten, haben wir die Formel E genau für diese Situation (dass große Hersteller einsteigen) entwickelt. Unsere Strukturen und Regeln sind so aufgebaut, dass sich jeder innerhalb dieses Rahmens wohlfühlen kann und wir kein Aufrüsten sehen werden. Wir werden keine Abweichungen von diesem Rahmen dulden - von niemandem. Entweder akzeptiert man die Regeln, oder man bleibt fern", stellt Agag klar.

Bis auf die oben erwähnte Aussage in Berlin haben die meisten Autobauer offenbar ohnehin Interesse an einer gesunden Formel E: "Die Hersteller sagen uns ja selbst, dass wir nichts verändern sollen und dass sie es mögen, so wie es ist: 'Lasst die Kosten nicht explodieren, und behaltet die Regel bei, dass wir Privatteams einen Antriebsstrang zu einem festgesetzten Preis zur Verfügung stellen müssen'", zitiert Agag.

Genau diese Regel ist in den Augen von Virgin-Teamchef Tai eine Art Versicherung für die Formel E: "Die Hersteller können entwickeln und Geld ausgeben, so viel sie wollen. Aber ich muss in der Lage sein, diese Entwicklungen zu einem überschaubaren Preis kaufen zu können. So bleiben wir als (Privat-) Team wettbewerbsfähig."

Tai führt aus: "Unabhängige Teams können in der Formel E Geld verdienen. Die Hersteller können gleichzeitig auf dem für sie richtigen Niveau investieren, hunderte Millionen ausgeben und bekämen trotzdem immer noch eine fantastische Rendite. Die fundamentalen Mechanismen in der Formel E sind wirkungsvoll, und das wissen wir alle."

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