Formel E

Gen3-Enthüllung & Vorboten des Titelkampfs: Die Formel-E-Vorschau auf den Monaco E-Prix 2022

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Mit stolzen 28 Überholmanövern unter den Top-6-Fahrern zählte der Monaco E-Prix 2021 zu den spannendsten Formel-E-Rennen des letzten Jahres. Der spektakuläre erste E-Prix auf dem vollständigen F1-Kurs schraubt die Erwartungen für den Monaco-Lauf 2022 hoch, zumal das anstehende Rennwochenende dank der Enthüllung des Gen3-Autos ohnehin ein besonderes wird. Was du sonst noch über Zeitplan, TV-Übertragung und Favoriten wissen musst, erfährst du in unserer XXL-Vorschau.

Beim Gedanken an die legendäre Grand-Prix-Strecke im Fürstentum Monaco schlägt das Herz vieler Motorsportfans höher. Seit 1929 finden auf den Straßen an der Cote d'Azur Autorennen statt, 2015 gastierte schließlich erstmals die Formel E im Hafen des Stadtstaates. Beim Wechsel auf das "traditionelle" Layout in der Saison 2021 konnte sich DS-Techeetah-Fahrer Antonio Felix da Costa nach einem mitreißenden Rennen als Sieger feiern lassen und sprang ausgelassen vom 10-Meter-Turm ins Becken des berühmten Schwimmbads.

Der Erfolg des Vorjahres dürfte das chinesisch-französische Team, das mit den ersten fünf Rennen der Saison mäßig zufrieden ist, auch 2022 beflügeln. Mit Porsche, Jaguar, Envision und den nie zu unterschätzenden Werks- und Kunden-Mercedes ist DS' Konkurrenz jedoch ausgesprochen groß.

Stadt, Land, Fluss

Viele der "Reichen und Schönen" dieser Welt haben Monaco schon vor mehreren Jahrzehnten als Wahlheimat auserkoren, denn im winzigen Stadtstaat an der französischen Riviera gibt es keine Einkommens- oder Erbschaftssteuer. Mit seinem Casino, dem Jachthafen und der Mittelmeer-Atmosphäre zählt Monaco wohl aber auch so zu den glamourösesten Austragungsorten der gesamten Formel-E-Saison.

Mit einer Fläche von rund zwei Quadratkilometern gilt das Fürstentum als zweitkleinster Staat der Erde. Einzig der Vatikan ist kleiner. Seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte Monaco im Jahr 1489, wenngleich Frankreich die volle Souveränität des Fürsten erst ab 1861 anerkannte. Heute haben rund 39.000 Menschen ihren Hauptwohnsitz in der Stadt.

Rückspiegel | Was seit dem Rom E-Prix passierte

Nach der langen Pause zwischen Mexiko und Italien geht es in der Formel-E-Saison 2022 nun Schlag auf Schlag. In der dreiwöchigen Unterbrechung seit dem Rom E-Prix richtete sich der Blick vieler Akteur:innen in der Elektroserie auf die öffentliche Präsentation des Gen3-Autos, das am Donnerstagabend vorgestellt werden soll. Porsche-Fahrer Andre Lotterer rechnet damit, dass das überarbeitete Chassis "interessante Lackierungen" zulassen wird.

Wenige Tage nach dem Rom E-Prix übernahm der Automobilhersteller Nissan die vollständige Kontrolle über das Rennteam e.dams. Der Verkauf der e.dams-Anteile wurde in den vergangenen Monaten von den Geschwistern Gregory und Olivier Driot koordiniert, die dem japanischen Autobauer nun die Geschicke des Teams ihres 2019 verstorbenen Vaters und Teamgründers Jean-Paul Driot überließen.

Zeitplan | Das Formel-E-Rennen in Monaco

Wer sich über die frühe Startzeit des Rom E-Prix Anfang April ärgerte, dem wird es in Monaco mit Blick auf den Zeitplan nicht anders gehen: Das Rennen beginnt abermals um 15:00 Uhr, die Trainings und das Qualifying werden entsprechend früher ausgetragen. Anders als in Italien findet die Formel-E-Veranstaltung im Fürstentum jedoch ausschließlich an einem Tag statt.

Session Uhrzeit
1. Freies Training 07:30 Uhr
2. Freies Training 09:10 Uhr
Qualifikation 10:45 Uhr
Rennen 15:00 Uhr

Strecke | Legendäres F1-Layout wird elektrisiert

Im vergangenen Jahr verabschiedete sich die Formel E von der Kurzanbindung, die sie in den ersten Jahren in Monaco nutzte, und wechselte auf eine minimal veränderte Version der berüchtigten Formel-1-Strecke. 2022 entfällt auch die kleine Adaption der Hafenschikane, bei der die Kurven 10/11 im Vorjahr etwas verengt wurden. Fortan teilen sich die F1 und Formel E also alle Kurven des 3,337 Kilometer langen Kurses.

Der kürzlich neu asphaltierte Circuit de Monaco zeichnet sich durch die großen Höhenunterschiede von 42 Metern auf einer Runde aus. Spektakulär ist zudem die Durchquerung des Tunnels sowie die Jachthafen-Passage (Kurven 10 bis 18). Die Attack-Zone befindet sich wie im Vorjahr in Kurve 4.

TV & Livestream | Der Monaco E-Prix der Formel E

ProSieben zeigt den Monaco E-Prix der Formel E im deutschsprachigen Free-TV. Die aus dem "ran racing"-Studio in Unterföhring koordinierte Übertragung beginnt wie üblich mit einem Vorlauf von einer halben Stunde, startet also schon um 14:30 Uhr. Zuvor zeigt ProSieben Maxx die Qualifikation live im Fernsehen.

Auf e-Formel.de kannst du alle Freien Trainings in einem kostenfreien Livestream schauen. Wir begleiten jede Session des Wochenendes außerdem in unserem Liveticker, der sich ideal als Lösung für unterwegs oder für zusätzliche Informationen aus dem Teamfunk anbietet.

>>> ausführliche TV- & Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in Monaco

In Deutschland und Österreich bietet auch der Pay-TV-Sender Eurosport 2 (alternativ via Eurosport Player) eine deutschsprachige Übertragung des Rennens an. Fans aus Österreich können den E-Prix allerdings auch über ORF Sport+ verfolgen. In der Schweiz läuft das Rennen bei Eurosport 1, darüber hinaus bietet auch MySports One eine kostenpflichtige Übertragung an.

Qualifying-Gruppen | Übersicht für den Monaco E-Prix

In der Formel E findet die Qualifikation in zwei Abschnitten statt: Gruppenphase und K.-o.-Phase. Für das Gruppen-Qualifying wird das Fahrerfeld zunächst in zwei Hälften geteilt, wobei alle Fahrer auf den ungeraden Meisterschaftsrängen (Plätze 1, 3, 5, 7 usw.) in Gruppe A antreten, die Fahrer auf den geraden Rängen in Gruppe B.

Die vier Piloten, die nach jeweils zwölf Minuten die schnellsten Rundenzeiten in ihrer Gruppe fahren konnten, ziehen anschließend ins Viertelfinale ein, wo sie sich fortan um die besten Startplätze duellieren. Für den Rom E-Prix ergibt sich die folgende Zusammenstellung für die Qualifying-Gruppen.

Wettervorhersage | Graues Trübsal im Fürstentum

Während in Deutschland Frühlingsstimmung herrscht, steht Monaco seit mehreren Tagen unter dem Einfluss eines Tiefdruckgebiets. Dies könnte sich am kommenden Wochenende jedoch ändern: Am Rennsamstag werden derzeit 13 Sonnenstunden erwartet (Stand: Mittwochmorgen). Die Temperaturen könnten dabei auf bis zu 18 Grad Celsius steigen, die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 30 Prozent. Erst am Sonntag soll es zuziehen. Doch an der Küste kann das Wetter bekanntlich schnell umschwenken...

Fast Facts | Monaco

  • Monaco ist der Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt der Welt. Jede:r Einwohner:in stehen durchschnittlich 190.000 US-Dollar pro Jahr zur Verfügung (Stand: 2019). In Deutschland sind es vergleichsweise nur etwa 46.000 US-Dollar jährlich.
  • In dieser Saison gastiert die Formel E in Monaco und Indonesien - zwei Länder, die fast die gleiche, rot-weiße Flagge nutzen. Die monegassische Flagge ist jedoch etwas schmaler als die indonesische.
  • Fälschlicherweise wird die Formel-E-Rennstrecke oft im Bezirk Monte-Carlo verortet. Zwar liegen große Teile der Piste tatsächlich im Quartier mit der berühmten Spielbank. Die Kurven 1 sowie 10 bis 19 befinden sich allerdings im Bezirk La Condamine.
  • Um den Berufsverkehr in Monaco möglichst wenig zu beeinträchtigen, sperrt die Formel E die öffentlichen Straßen erst am Rennsamstag ab. Die Teams müssen somit unter anderem die obligatorische Streckenbegehung im fließenden Verkehr absolvieren und auf einen Shakedown am Freitag verzichten.
  • Beim Monaco E-Prix 2021 gab es insgesamt 142 Positionswechsel, allein 28 davon innerhalb der Top 6. Die Führung wechselte damit in einem einzigen Rennen häufiger als bei allen Formel-1-Rennen seit 2013.

Video: Die Höhepunkte des Monaco E-Prix 2021

Prognose | Jaguar, Porsche, Mercedes, DS - oder jemand ganz anderes?

Ein Blick in die Geschichtsbücher des Monaco E-Prix könnte den Verdacht nahelegen, dass DS Techeetah als Mitfavorit ins Fürstentum reist. Die beiden letzten Ausgaben des Rennens, 2019 und 2021, gewannen die Schwarz-Goldenen: Antonio Felix da Costa und Jean-Eric Vergne waren jeweils einmal siegreich. Zweifelsohne zählt DS auch in dieser Saison zu den Topteams, zumal Vergne als WM-Führender anreist. Doch die Konkurrenz des Rennstalls ist größer denn je.

Schließlich konnten im vergangenen Jahr auch die Virgin- (inzwischen: Envision) und Jaguar-Fahrer Robin Frijns und Mitch Evans um den Sieg kämpfen. Ihre Performance im letzten Rennen, dem Rom E-Prix, lässt darauf schließen, dass auch in Monaco mit ihnen zu rechnen sein dürfte. Gleichermaßen zählen auch Mercedes und sein Kundenteam Venturi zum Favoritenkreis, auch wenn die "Silberpfeile" ihr herausragendes Tempo vom Saisonstart in Saudi-Arabien zuletzt nicht replizieren konnten.

Kurzum: In der Formel E ist und bleibt es unmöglich, klare Favoriten zu benennen. Eine wichtige Rolle wird in Monaco sicherlich die Qualifikation spielen, in der kleinste Zeitdifferenzen große Unterschiede bei der Startposition machen können. Gewiss ist Überholen in Monaco in der Formel E nicht unmöglich. Selbstverständlich wollen alle Fahrer aber dennoch möglichst weit vorn starten, um einen Angriff auf die Spitzenpositionen zu unternehmen. Freuen wir uns auf ein spannendes Wochenende in Monaco!

Übrigens: Auch in dieser Saison haben unsere Leser:innen eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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