Formel-E-Gen4 im Windschatten-Test: Enges Hinterherfahren überrascht Porsche
Tobias Wirtz
Porsche
Mehr Abtrieb könnte beim Gen4 eigentlich das enge Hinterherfahren erschweren. Doch erste Mehrwagen-Tests haben Porsche positiv überrascht: Selbst auf einer Strecke, auf der Probleme zu erwarten gewesen wären, habe das Fahren dicht hintereinander "super ausgesehen". Porsche-Formel-E-Chef Florian Modlinger hofft nun auf spannendes Racing. Ganz verschwinden dürfte Pack-Racing damit allerdings nicht.
Bereits im Januar gab es bei gemeinsamen Testfahrten der Formel-E-Hersteller erste Simulationen von Rennsituationen. Dabei wurde unter anderem erprobt, wie sich die deutlich stärker auf aerodynamischen Abtrieb ausgelegten Gen4-Autos im engen Hinterherfahren verhalten. Für Porsche fiel der erste Eindruck deutlich besser aus als erwartet.
"Was mich nach den ersten Tests sehr positiv stimmt: Wenn das Abtriebslevel steigt, überlegt man natürlich auch immer, wie dicht man wirklich hinterherfahren kann", beschreibt Porsche-Formel-E-Gesamtprojektleiter Florian Modlinger im Rahmen eines Interviews mit e-Formel.de für Episode 400 des Podcasts ePod. "Das haben wir mit ein paar Autos auf einer Strecke probiert, wo man eigentlich denken würde, dass es kritisch wird, dicht am Vordermann dranzubleiben. Aber das hat super ausgesehen." Ein Video von den damaligen Testfahrten in Almeria zeigt mehrere Gen4-Fahrzeuge dicht hintereinander auf der Strecke.
Así han rodado los Gen4 estos días en Almería estos días en el segundo test privado de la Formula E ⚡
— Fer Salinas 🏎️ (@fersalinas_13) January 16, 2026
Al parecer se trata de Nico Müller y Andrè Lotterer.
¿Ustedes saben quién es el tercero? 👀 #ABBFIAFormulaE
📹: James Rossiter pic.twitter.com/9K8dhFdKkC
Sollte sich das auch auf anderen Kursen bewahrheiten, sieht Modlinger durchaus positive Auswirkungen auf die Rennen. "Ich hoffe, dass das auf allen Strecken so umgesetzt werden kann. Dann wird es spannendes Racing geben."
Für Modlinger hängt gutes Gen4-Racing allerdings nicht allein vom Auto ab. Auch das sportliche Format und die Streckenlayouts müssten zur neuen Fahrzeuggeneration passen. "Am technischen Produkt wird es definitiv nicht scheitern. Drumherum müssen das Sportliche, das Kommerzielle, die Streckenauswahl und die Streckenlayouts passen. Es wird auch auf Strecken, auf denen wir jetzt schon gefahren sind, Änderungen geben müssen, damit es zum Gen4-Fahrzeug passt."
Das vollständige Gespräch mit Florian Modlinger ist in Episode 400 des e-Formel.de-Podcasts ePod zu hören.
Pack-Racing könnte auch mit Gen4 bleiben
Ob die in der Gen3-Ära häufig vorgekommenen Peloton-Rennen, bei denen das gesamte Feld dicht beisammen lag und die Fahrer möglichst viel Windschatten zum Energiesparen nutzten, damit wirklich der Vergangenheit angehören, ist allerdings unklar. Die bisherigen Simulationen der Formel E zeigen, dass es Pack-Racing auch mit Gen4 weiterhin geben könnte.
"Unsere Simulationen zeigen, dass Pack-Racing auch mit Gen4 möglich sein könnte. Aber es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen", erklärte Formel-E-Mitgründer Alberto Longo beim Saisonfinale in London. Das neue Gen4-Reglement gebe der FIA dabei die Flexibilität, diesen Effekt bis zu einem gewissen Grad zu begrenzen. Longo selbst sieht diese Art des Rennens ohnehin nicht grundsätzlich negativ: "Aus meiner Sicht sorgt dieses Pack-Racing, über das sich manche Leute beschweren, für fantastische Rennen."
Wie stark sich dieser Effekt im echten Gen4-Rennbetrieb tatsächlich ausprägen wird, könnte sich bei den gemeinsamen Vorsaison-Testfahrten in Madrid erstmals deutlicher zeigen. Vom 16. bis 20. November treffen dort erstmals alle Teams mit ihren Gen4-Fahrzeugen beim offiziellen Test aufeinander. Voraussichtlich soll dabei erneut eine Rennsimulation durchgeführt werden.
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