Formel E

Gespräche mit Herstellern: Formel E plant neue Support-Rennserie

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Das vorzeitige Ende der Rahmenserie Jaguar I-Pace eTrophy war eine schlechte Nachricht für alle Besucher eines E-Prix - zumindest wenn in Zukunft wieder Publikum an den Rennstrecken zugelassen werden sollte. Die Formel E prüft daher die Optionen für eine neue Supportserie. Für die kommende Saison, die am 16. Januar 2021 in Santiago beginnen wird, ist es jedoch bereits zu spät - die Bemühungen konzentrieren sich wohl eher auf die Saison 2022/23.

75 Minuten Freies Training, danach vier Qualifying-Gruppen mit je sechs Minuten Streckenzeit, das Super-Pole-Einzelzeitfahren der schnellsten Sechs und zum Abschluss ein Rennen über 45 Minuten - die Zeit, in der Fans auf der Rennstrecke Action geboten bekommen, ist bei einem Formel-E-Rennen überschaubar. Daran können auch Demo-Runs oder etwa "Taxifahrten" des Safety-Cars mit prominenten Renngästen nichts ändern. Trotz der unübersehbaren Probleme der Jaguar I-Pace eTrophy bekamen die Zuschauer zumindest etwas mehr Motorsport für ihr Geld.

Laut 'The Race' finden bereits Gespräche mit mindestens zwei interessierten Herstellern statt, die darauf abzielen, eine Nachwuchs-Rennserie für die Formel E zu etablieren. Neben einem neu zu entwickelnden Elektrorennwagen wird dabei auch in Erwägung gezogen, den dann bereits überholten Gen2-Formel-E-Boliden einzusetzen. Da die aktuellen Fahrzeuge jedoch noch bis einschließlich der achten Formel-E-Saison eingesetzt werden, dürfte diese Option erst für die Saison 2022/23 umsetzbar sein, wenn in der Formel E das neue Gen3-Fahrzeug eingeführt wird.

Hersteller müssten der Nutzung von Gen2-Fahrzeugen zustimmen

Ein potenzieller Knackpunkt für die Wiederverwendung der Gen2-Fahrzeuge dürfte juristischer Natur sein. Im Gegensatz zu den Gen1-Modellen handelt es sich dabei um geistiges Eigentum der Hersteller. Für jede neue Rennserie wären sowohl die ausdrückliche Freigabe der Hersteller als auch Vereinbarungen erforderlich, damit die Autos zur Nutzung freigegeben werden können.

Der Direktor der FIA-Abteilung für innovative Motorsportprojekte, Frederic Bertrand, erklärte bereits im Juli, dass eine neue Support-Rennserie wünschenswert wäre: "Selbst wenn sich die Formel E zu einer Weltmeisterschaft entwickelt, ist es immer noch ein Projekt, bei dem wir zahlreiche Anstrengungen unternehmen und Ausbildungsmaßnahmen durchführen müssen, um sicher zu sein, dass wir diesen Trend der Weiterentwicklung und Verbesserung in den nächsten Saisons beibehalten."

"Zukünftige Generation von Fahrern besser auf die Formel E vorbereiten"

"Ziel Nummer 1 ist es, die Formel E weiterzuentwickeln", so Bertrand weiter. "Aber ich denke, es ist für die Formel E und die FIA wichtig, darüber nachzudenken, wie man zusätzlich zur Formel E Streckenzeit vergeben kann. Interessant wäre es, etwas einzurichten, das aus Sicht der FIA dazu beiträgt, die Fahrer oder die zukünftige Generation von Fahrern besser auf die Formel E vorzubereiten."

"Wir könnten uns möglicherweise vorstellen, eine weitere Serie zu schaffen. Durch die Einführung kleinerer Kategorien, die in der Lage sind, die gesamte Meisterschaft oder einen Teil davon (im Rahmen der Formel E) zu fahren, könnten wir die Fahrer besser vorbereiten." Aktuell sind für Nachwuchsfahrer die Optionen im elektrischen Motorsport überschaubar. Neben Elektrokarts - mit der DEKM gab es die erste Rennserie übrigens in Deutschland - gibt es lediglich die Electric Racing Academy (ERA), die ab 2021 an den Start gehen soll. Das Nachwuchsprojekt "Formulino E" wurde 2018 wegen Finanzierungsproblemen eingestellt.

Kommentar von Timo Pape: Nötiger Schritt auf dem Weg zur elektrischen "Königsklasse"

Die Formel E braucht eine neue Rahmenserie, das steht für mich fest. Nicht nur, um den Zuschauern mehr Unterhaltung zu bieten, sondern auch, um sich selbst weiter aufzuwerten. Wenn im Vorprogramm Nachwuchspiloten in vollelektrischen Formelsport-Fahrzeugen ihr Bestes geben, um eines Tages in die Formel E aufzusteigen, dürfte die Relevanz des Hauptrennens nicht für die Fahrer, sondern auch für das Publikum zunehmen.

Zudem verfolgt die Formel E von Anfang an das Ziel, zur "Königsklasse" des elektrischen Motorsports zu werden, also ein Äquivalent der Formel 1. Diese besitzt mit der Formel 2 und Formel 3 allerdings gleich zwei reguläre Nachwuchskategorien, in denen sich die besten jungen Piloten messen und für höhere Aufgaben qualifizieren können. Hinzu kommen diverse andere Formelsport-Serien weltweit, die im elektrischen Motorsport bislang fehlen.

Doch gerade im E-Motorsport ist Erfahrung wichtiger als sonst wo, denn das taktische Fahren mit Blick auf Energie- und Batteriemanagement will geübt sein. Will sich ein Team aktuell nach einem neuen Fahrer umsehen, sind die Optionen überschaubar: Häufig kommen nur Fahrer mit Formel-E-Erfahrung infrage - und die besten von ihnen fahren noch in der Formel E für andere Teams.

Ich könnte mir zum Beispiel auch einen Porsche-Taycan-Cup vorstellen. Gerade mit Blick auf die Leistung wäre das reizvoll. Die Jaguar I-Pace eTrophy hat jedoch gezeigt, dass die engen Straßenkurse der Formel E für klobige Straßenfahrzeuge eher ungeeignet sind und gerade bei einem identischen Leistungslevel kaum Überholmanöver erlauben. Aus mehreren Gründen wäre deshalb eine Monoposto-Nachwuchsserie sinnvoller. Und warum eigentlich nicht erst mal die alten Gen1-Autos nehmen? Vielleicht weil manche Fahrzeuge bereits an Privatleute versteigert worden sind...

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1 Kommentare

Sio_x ·

Ich finde ja, man sollte das freigeben. Also Serientechnik, gegen Serientechnik. Hersteller sollten das frei wählen dürfen, solange es in jedem Serienfahrtzeug oder in spätestens 3 Jahren in der Serie zugänglich ist. Die Events sollten trotzdem auf Kursen wie bei der Formel E laufen, mit einem Unterschied. Mindestens 2x im Jahr, sollte ein Kurs dabei sein, der auch Langstrecke alias Landstraße, später auch Autobahn beinhaltet. Auch wenn man dabei keine großen Zuschauer-Events erwarten darf.

Das macht es für den normalen Ottoverbraucher auch fassbar. Nehmen wir die Formel 1. Extrem hohe Wirkungsgrade, bei extrem niedriger Serientauglichkeit. Sowas darf dem E-Sport nicht passieren.

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