Formel E

Große Emotionen bei Felix da Costa nach 1. Formel-E-Sieg mit Porsche: "Musste an verstorbenen Ingenieur denken"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Einige Tage nach seinem Formel-E-Rennsieg in Kapstadt blickt Antonio Felix da Costa mit 'e-Formel.de' zurück auf seinen ersten Erfolg mit Porsche. Der Portugiese dankt seinem Ex-Teamkollegen Jean-Eric Vergne für den gegenseitigen Respekt und erklärt, weshalb er nach dem Rennen an einen verstorbenen Ingenieur von DS denken musste.

Mit einem der sehenswertesten Überholmanöver der Formel-E-Geschichte besiegelte Antonio Felix da Costa beim Kapstadt E-Prix seinen ersten Rennsieg für Porsche. Im Sommer hatte der Portugiese seinen bisherigen Rennstall DS Automobiles verlassen, um mit dem Team aus Weissach einen neuerlichen Angriff auf den Elektro-Titel zu unternehmen.

Die Ironie, dass er dank des Mut-Manövers in Südafrika ausgerechnet seinen ehemaligen DS-Teampartner Jean-Eric Vergne hinter sich ließ, blieb auch für Felix da Costa selbst nicht unbemerkt. "Es war unglaublich eng", erinnert sich der Portugiese in einer virtuellen Medienrunde an die entscheidende Szene des E-Prix. "Links war die Mauer, rechts war er, und ich fuhr auf einem Stück Asphalt, das am ganzen Wochenende noch kein Auto gesehen hatte. Damit da nichts passierte, mussten die Sterne richtig stehen!"

"JEV kennt mich zwar gut, aber nicht mein Auto & Team"

Im Positionskampf, vermutet der 31-Jährige, habe ihm auch seine Vorerfahrung mit dem DS-Team geholfen. "Ich weiß, welches Paket sie haben und welche Settings sie zu welchen Zeiten verändern. Diesen Vorteil hatte JEV nicht: Er kennt mich zwar gut, aber nicht mein Auto und mein Team."

Nachdem er die Ziellinie überquert hatte, brachen die Emotionen über Felix da Costa hinein. Hörbar gerührt bedankte er sich noch am Teamfunk bei seinem Rennstall. In TV-Interviews erlebten Fans ihn mit Tränen in den Augen - ein seltener Anblick beim sonst stets vor guter Laune strahlenden Rennfahrer. "Das war sehr emotional", sagt er auf eine Frage von 'e-Formel.de'. "Und nicht nur wegen der Tatsache, dass ich gegen mein altes Team gewonnen habe, das mir eine Meisterschaft beschert hat."

"Wir hatten damals auch einen Ingenieur im Team, der leider nicht mehr bei uns ist. Ich musste daran denken, wie er von oben zusah, wie JEV und ich mal wieder gegeneinander kämpfen." Felix da Costa spielt damit auf den ehemaligen DS-Techeetah-Strategiechef Pascal Tortosa an, der im Herbst 2019 plötzlich verstarb. Der Franzose wurde nur 49 Jahre alt. "Es muss für ihn (Tortosa) cool gewesen sein, sich das von oben anzuschauen."

Felix da Costa erklärt: Darum war der Kapstadt-Sieg so emotional

Auch der Druck, für Porsche erfolgreich zu sein, sei nach der Zielflagge in Kapstadt von ihm abgefallen. "Ich habe so viel Respekt vor dieser Marke", holt Felix da Costa auf unsere Rückfrage aus, "und es ist eine riesige Ehre, sie auf der Strecke zu repräsentieren. Aber weil Pascal (Wehrlein) die ersten Rennen gewonnen hat, wurde der Druck auf mich immer größer."

"In 30 Interviews seit dem Saisonstart wurde ich immer gefragt, warum er so erfolgreich sei und ich nicht performe. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Dann noch der Rennverlauf mit Startplatz 11, dem verpassten Attack-Mode und dem Duell gegen JEV. Es war einfach eine große Last, die von mir abfiel!"

"Er ist ein absoluter Siegertyp mit dem Willen, Rennen zu gewinnen", beschreibt der Porsche-Fahrer seinen ehemaligen Teamkollegen Vergne. "Diesen Willen habe ich allerdings auch, was es für uns manchmal kompliziert gemacht hat, als wir noch Teamkollegen waren. Mir war also bewusst, dass der Move gegen ihn sehr schwer wird. Aber auch, dass ich Vertrauen haben kann, dass er nichts Dummes anstellt und dass kein Unfall passiert. Er hat bewiesen, was für ein respektvoller Fahrer er ist. Das macht ihn als zweifachen Champion auch aus!"

Nach dem Südafrika-Rennen der Formel E rangieren Vergne und Felix da Costa nun in Reichweite des WM-Spitzenduos Pascal Wehrlein und Jake Dennis - weniger als 35 Punkte liegen zwischen ihnen und der Führung im Gesamtstand. In der Teamwertung konnte sich Porsche dank Felix da Costas Sieg vor Envision Racing auf Platz 1 halten. DS Penske liegt nach den ersten vier Rennwochenenden der Saison auf Gesamtrang 5.

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