Formel E

Heinz-Harald Frentzen: Formel E wird Formel 1 eines Tages ablösen

Timo Pape

Timo Pape

Als wir im Sommer 2014 bei den kollektiven Testfahrten der Formel E im britischen Donington Park waren, staunten wir nicht schlecht, wer dort in der FIA-Garage stand: Der ehemalige Formel-1-Fahrer Heinz-Harald Frentzen testete - unabhängig von den zehn Teams - den brandneuen Formel-E-Rennwagen für die junge Serie, um Daten zu sammeln und Feedback zu geben. Wir kamen ins Gespräch.

Frentzen erklärte uns damals, dass er privat längst Elektroautos fahre und viel halte vom neuen vollelektrischen Motorsport. In den folgenden Jahren trat der Mönchengladbacher immer mal wieder auf den Plan. So testete er 2016 beispielsweise die Rennversion von Teslas Model S für die geplante Tourenwagenserie Electric GT (später EPCS) oder kommentierte den Berlin E-Prix 2018 im deutschen Fernsehen für die ARD. Im Interview mit 'faz.net' meldete sich der inzwischen 53-Jährige kürzlich mal wieder zur Formel E zu Wort.

Frentzen bewertet die Entwicklung des elektrischen Motorsports in den vergangenen Jahren sehr positiv. Der F1-Vize-Weltmeister von 1997, der zwischen 1994 und 2003 insgesamt 157 Grands-Prix bestritt, kann aber durchaus nachvollziehen, dass manch heutiger Formel-1-Fahrer der Formel E noch immer skeptisch gegenübersteht.

"Das kann ich verstehen. Aber die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten", meint Frentzen und konzentriert sich zunächst einmal auf die Situation in der "Königsklasse": "Auch in der Formel 1, die mit einem Hybridsystem fährt, wird ständig über eine Verbesserung der Elektroantriebssysteme nachgedacht. Es wird nicht gelingen, die in der Formel 1 mit Hochdruck vorangetriebene Entwicklung von moderner Technik für die Elektromobilität eins zu eins auf die Serienproduktion zu übertragen", stellt er klar.

"Wenn ich investieren müsste, würde ich auf die Technik der Zukunft setzen"

Nichtsdestotrotz hat sie aktuell noch ihre Daseinsberechtigung, findet offenbar auf Frentzen: "Die Formel 1 wird es mit dem Hybridkonzept, effiziente Verbrennermotoren mit Energiegewinnung für den Betrieb von Elektromotoren zu kombinieren, noch einige Jahre geben", prophezeit er. "Wenn ich investieren müsste, dann würde ich nicht auf Technik der Gegenwart setzen, sondern auf die der Zukunft. Das ist die Elektromobilität. Die Formel E hat viel Potenzial."

Folgerichtig glaubt der Rennsport-Routinier, dass die Formel E die heutige Topkategorie des Motorsports eines Tages ablösen wird. "Ich denke schon. Wir befinden uns im Moment in einer Übergangssituation, in der die Traditionalisten - in England sagt man Petrolheads - noch sehr starken Einfluss haben auf die Gestaltung des Motorsports. Aber das wird sich mit den Jahren ändern."

"Der Druck wächst, er kommt aus allen Richtungen", erklärt Frentzen weiter. "Die jungen Leute werden wie selbstverständlich mit Elektroautos groß werden und dann nichts vermissen an einer Rennstrecke, solange sie die schnellsten Autos fahren sehen."

Frentzen fordert mehr Entwicklungsfreiheiten in Formel E

Eine interessante Meinung tut Frentzen zum Thema Entwicklung kund. Die Formel E setzt seit Beginn an in einigen kostenintensiven Bereichen wie Batterie oder Aerodynamik auf Einheitsteile für alle Hersteller. So bleibt die Serie finanziell gesund. Zudem können auch kleine Teams mit den großen Herstellern mithalten, und viele Fahrer haben die Chance, um Rennsiege oder die Meisterschaft zu kämpfen, weil die Unterschiede zwischen den Autos schlichtweg nicht so eklatant sind wie etwa in der Formel 1.

Frentzen hält dieses Konzept jedoch für einen Innovationsverhinderer für die Formel E: "Ich meine (…), dass sie schneller vorankommen kann, um sich als Rennsport zu etablieren. Die Rennställe und beteiligten Konzerne müssten größere Freiheiten haben. Das Reglement grenzt sie zu sehr ein. Ich kann den Hintergrund nachvollziehen. Es wird dann schnell wesentlich teurer beim Wettlauf um die beste Technik. Aber diese Beschleunigung würde im Handumdrehen zu Innovationen führen." Als Beispiele nennt der Deutsche noch leichtere Batterien und noch leichtere, aber dennoch starke Elektromotoren.

Sonntagsfahrten in einem Verbrenner-Sportwagen vermisst Frentzen übrigens nicht wirklich: "Meine Frau und ich fahren seit 2014 elektrisch. Ich schmunzele manchmal, wenn mir jemand von seinem starken Auto vorschwärmt. Da könnte ich mit dem Tesla mehr bieten, falls ich wollte. Mancher kommt damit nicht klar."

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