Formel E

Highspeed-Kurs & Hitzewelle: Die XXL-Vorschau auf den Marrakesch E-Prix der Formel E

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Formula-E-Morocco-2020

Am kommenden Wochenende gastiert die Formel E zum ersten Mal seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie auf dem afrikanischen Kontinent. Der Marrakesch E-Prix rutschte im April 2022 unverhofft in den Elektro-Rennkalender, nachdem ein geplanter Lauf in Vancouver abgesagt werden musste. Neuland ist der Circuit International Moulay el Hassan für die Formel E aber keineswegs. Unsere Rennvorschau.

Im Februar 2020 fand auf dem Rundkurs in der marokkanischen Königsstadt das letzte Rennen vor dem Beginn der Corona-Pandemie statt. Mehrere Monate lang rückte der Motorsport in den Hintergrund, ehe sich die Elektroserie im August mit dem sechsfachen Berlin-Gastspiel aus ihrem Hiatus zurückmeldete. Nun ist die Formel E zurück am Fuße des Atlasgebirges.

Zwischen 2016 und 2020 fanden insgesamt vier E-Prix in Marrakesch statt. Genutzt wurde damals wie heute eine semipermanente Strecke, die ursprünglich für die WTCC geschaffen wurde. Welche Fahrer und Teams die besten Erfolgsaussichten haben, und auf welche Dinge es in Marokko ankommt, liest du wie immer in unserer Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss

Marrakesch ist insbesondere für seine historische Innenstadt weltweit bekannt. Die Koutoubia-Moschee, der zentrale Marktplatz Djemaa el Fna, die Agdal-Gärten (die direkt an die Rennstrecke grenzen) oder die Festung Kasbah machen Marrakesch zu einer wahren Schatzgrube für Historiker:innen und Geschichtsfreund:innen. Schließlich blickt der 930.000-Einwohner:innen-Ort im Westen des Landes auf eine über 1.000-jährige Geschichte zurück.

Einst als Zentrum der Almoraviden-Dynastie gegründet, die im 11. Jahrhundert n. Chr. den Islam bis nach Andalusien trug, wuchs Marrakesch in den vergangenen Jahrhunderten zu einer muslimisch geprägten Weltstadt heran. Mehrmals wurde Marrakesch zur Hauptstadt Marokkos erklärt, inzwischen hat diesen Status jedoch Rabat inne.

Rückspiegel | Was seit dem Jakarta E-Prix passierte

Während sich die Gen2-Programme aller Hersteller und Teams ihrem Ende nähern, nimmt die Vorbereitung mit dem Gen3-Fahrzeug Fahrt auf. In Großbritannien trafen sich Mitte Juni die Konstrukteure Jaguar, Mahindra und Nio 333 zu einem Kollektivtest, ehe wenige Tage später auch die kontinentaleuropäischen Mannschaften um Porsche, Nissan und DS Automobiles ihr kollektives Testdebüt gaben.

Details zu den Testfahrten drangen kaum an die Öffentlichkeit. Allerdings ist allein der Fakt, dass alle Konstrukteure bereits die Teststrecke betraten, Anlass zur Zuversicht. Weniger Optimismus gab es aus Vancouver zu vermelden: Um dem mehrere Monate andauernden organisatorischen Chaos ein Ende zu bereiten, löste die Formel E den Vertrag mit den kanadischen Veranstaltern auf. Das für 2023 geplante Debüt dürfte somit geplatzt sein.

Zeitplan | Das Formel-E-Rennen in Marrakesch

Marrakesch hält sich in den Sommermonaten an die Zeitzone UTC+1. Die Uhren gehen im Vergleich zu Deutschland also eine Stunde "nach". Das 1. Freie Training findet anders als üblich schon am Freitag statt, alle weiteren Sessions starten samstags. Bemerkenswert ist zudem die sechsstündige Pause zwischen dem Qualifying und Rennen.

Session Freitag (01.07.) * Samstag (02.07.) *
1. Freies Training 18:00 Uhr  
2. Freies Training   08:30 Uhr
Qualifikation   10:40 Uhr
Rennen   18:00 Uhr

* alle Angaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)

Strecke | Der schnellste Formel-E-Kurs des Jahres

Für Formel-E-Verhältnisse ist der Circuit International Moulay el Hassan, benannt nach dem 19-jährigen Thronfolger Marokkos, ein echter Highspeed-Kurs. Die zwei langen Geraden laden zum Stromsparen im Windschatten beziehungsweise zu Überraschungsmanövern in den Bremszonen ein.

Andere Teile der 2,971 Kilometer langen Strecke sind gespickt mit eher technischen Passagen, bei denen die Fahrer besonders nah an die Streckenbegrenzungen heranfahren müssen, um schnell zu sein - beispielsweise in den Kurven 4, 8, 11 oder 12.

TV & Livestream | Marrakesch E-Prix der Formel E im Fernsehen

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist wie immer der Free-TV-Sender ProSieben verantwortlich für die Übertragung der Formel E. Die Vorberichterstattung zum Rennen beginnt am Samstag um 17:30 Uhr. Zuvor zeigt der Schwestersender ProSieben Maxx auch das Qualifying - los geht es hier um 10:30 Uhr.

In Österreich bietet darüber hinaus ORF Sport+ eine kostenfreie Übertragung des Rennens an. In der Schweiz läuft der E-Prix sonst nur auf dem Pay-TV-Kanal MySports One.

Als europäischer TV-Partner der Formel E zeigt außerdem Eurosport den Marrakesch E-Prix, wie in diesem Jahr üblich aber nur im Bezahlangebot Eurosport 2 beziehungsweise im Eurosport Player.

>>> ausführliche TV- & Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in Marrakesch

Die Freien Trainings kannst du wie gewohnt problemlos im kostenfreien Livestream auf e-Formel.de verfolgen. Wir bietet zudem zu jeder Session einen Liveticker an, der sich ideal als Second-Screen oder für zusätzliche Informationen aus dem Teamfunk anbietet.

Qualifying-Gruppen | Übersicht für den Marrakesch E-Prix

In der Formel E findet die Qualifikation in zwei Abschnitten statt: Gruppenphase und K.-o.-Phase. Für das Gruppen-Qualifying wird das Fahrerfeld zunächst in zwei Hälften geteilt, wobei alle Fahrer auf den ungeraden Meisterschaftsrängen (Plätze 1, 3, 5, 7 usw.) in Gruppe A antreten, die Fahrer auf den geraden Rängen in Gruppe B.

Die vier Piloten, die nach jeweils zwölf Minuten die schnellsten Rundenzeiten in ihrer Gruppe fahren konnten, ziehen anschließend ins Viertelfinale ein, wo sie sich fortan um die besten Startplätze duellieren. Für den Marrakesch E-Prix ergibt sich die folgende Zusammenstellung für die Qualifying-Gruppen.

Wettervorhersage | Mittendrin in der nordafrikanischen Hitzewelle

Die Formel E wird in Marokko mit hohen Temperaturen konfrontiert. Am Freitagabend zum 1. Freien Training dürfte es bis zu 31 Grad Celsius warm werden. Wolken oder gar Niederschlag werden mit einer Wahrscheinlichkeit von null Prozent angegeben.

Ein sehr ähnliches Bild ist am Rennsamstag zu erwarten: Im Laufe des Vormittags sollen die Temperaturen von 16 auf 28 Grad steigen. Der Tageshöchstwert ist mit 32 Grad am frühen Abend zu erwarten - zur Zeit des Rennens also. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt am Vor- und Nachmittag immerhin bei 25 bis 30 Prozent, zum Rennstart dürfte es aber trocken sein (fünf Prozent).

Fast Facts | Marrakesch

  • Marrakesch trägt aufgrund der Farbe vieler Häuser und der Stadtmauer den Spitznamen "Rote Stadt". Sie ist neben Fes, Meknes und Rabat eine von vier Königsstädten Marokkos.
  • Besonders hochwertige Haarprodukte werden seit einigen Jahren unter anderem mit Arganöl produziert. Das Öl stammt aus den Früchten des Arganbaumes, der (mit wenigen Ausnahmen) nur in Marokko wächst.
  • Bei allen vier Ausgaben des Marrakesch E-Prix hat ein anderer Fahrer gewonnen. Die bisherigen Sieger hießen Sebastien Buemi (2016), Felix Rosenqvist (2018), Jerome d'Ambrosio (2019) und Lucas di Grassi (2020).
  • Das erste Formel-E-Rennen in Afrika fand am Rande der UN-Klimakonferenz COP22 statt, die 2016 in Marrakesch veranstaltet wurde. In diesem Jahr ist die Stadt Scharm asch-Schaich in Ägypten Gastgeber der Konferenz.
  • Der marokkanische Nationalvogel ist der Diademrotschwanz. Die Drosseln erreichen eine Spannweite von etwa 20 Zentimetern. Um die Strecke einmal zu umrunden, müssten sich also insgesamt 14.855 Exemplare mit ausgebreiteten Flügeln auf den Kurs legen.

Video: Die Teamfunk-Highlights des Marrakesch E-Prix 2020

 

Prognose | Keine Fehltritte erlaubt - erst recht nicht für die Top 4!

Im Titelkampf 2022 ist und bleibt es eng. Nach neun Rennen ist die Auswahl der möglichen WM-Kandidaten realistisch betrachtet auf nur noch vier Fahrer geschrumpft. Stoffel Vandoorne (Mercedes) führt nach seinem erneuten Top-5-Ergebnis in Jakarta weiterhin die Gesamtwertung an, jedoch folgen ihm Jean-Eric Vergne (DS Techeetah), Edoardo Mortara (Venturi) und Indonesien-Rennsieger Mitch Evans (Jaguar) mit wenigen Punkten Rückstand.

Im weiteren Saisonverlauf, und dazu zählt auch der Marrakesch E-Prix, dürfte eine Eigenschaft zentral sein: Konstanz. Wer sich schon an diesem Wochenende einen Fehltritt erlaubt, könnte seinen Ambitionen im Titelkampf schwer schaden oder gar den Anschluss an die Führungsgruppe verlieren. Ein ähnliches Schicksal ereilte in Jakarta Robin Frijns (Envision), der nach einem verpatzten Qualifying nun kaum mehr eine realistische WM-Chance hat.

Entscheidend dürfte in Marokko zudem das Temperaturmanagement werden. Am Rande der Sahara ist im Juli mit hohen Außentemperaturen zu rechnen, was einen klugen Umgang mit den Batterie- und Antriebstemperaturen erforderlich macht - ganz zu schweigen von der körperlichen Herausforderung. Nur, wer sich dieser technischen und physischen Belastungsprobe stellt, kann in Marokko erfolgreich sein. Wir freuen uns auf die Rückkehr der Formel E nach Afrika!

Übrigens: Auch in dieser Saison haben unsere Leser:innen eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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