Formel E

Himmel & Hölle bei Jaguar: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Diriyah E-Prix 2024

Tim Neuhaus

Tim Neuhaus

Nick-Cassidy-Podium-Diriyah-Formula-E-2024

Diriyah sorgte mit dem diesjährigen Double-Header ein weiteres Mal für ein packendes Rennwochenende der Formel E. Das Geschehen auf der Strecke war geprägt von taktisch vielseitigen Kämpfen in der Spitzengruppe. Nick Cassidy überflügelte dabei nicht nur seinen Teamkollegen Mitch Evans, sondern auch das restliche Feld. Unser Fahrer-Rating.

Nach jedem Lauf der Formel-E-Saison 2024 vergeben unsere Redakteur:innen Punkte auf einer Skala zwischen 1 und 10 für alle Piloten. Anschließend werden diese nach ihrem durchschnittlichen "Rating-Score" sortiert. In die Wertung fließen ausschließlich fahrerische Leistungen ein, nicht das Potenzial des Autos oder äußere Umstände. Redakteur Tim Neuhaus kommentiert die Top-3-Leistungen beim E-Prix sowie der Totalausfall des Wochenendes.

1. Nick Cassidy | Jaguar TCS Racing | 10,0

Während sich andere Fahrer häufig erst in neue Teams einfinden müssen, funktioniert Nick Cassidy bei Jaguar seit dem ersten Tag nahezu perfekt. Der Vizeweltmeister von 2023 bewies besonders am Freitag seine Rennintelligenz: Am Boxenfunk tüftelte der Neuseeländer mit dem Team übers ganze Rennen an seiner Strategie. Cassidy visierte eigentlich einen vierten Platz hinter seinem Teamkollegen an, der durch eine Prise Übermut von Mitch Evans zu einem unerwarteten Podest wurde.

Am Samstag dominierte Cassidy schon kurz nach Rennstart das Geschehen und blieb auch für Robin Frijns unknackbar. Die Konstanz war in den ersten drei Rennen Cassidys größter Trumpf. Während viele Favoriten am Samstag schwächelten, stand Cassidy bislang bei jedem Lauf auf dem Podium. Das bedeutet einen 19-Punkte-Vorsprung in der Gesamtwertung. Derzeit sind Cassidy und Jaguar das Maß der Dinge.

2. Jean-Eric Vergne | DS Penske | 8,0

Im scheinbar von Jaguar und Porsche dominierten Feld platzierte sich Jean-Eric Vergne am Freitag auf Pole und zog damit wieder gleich mit Sebastien Buemi in der "ewigen Statistik". Das Rennen wurde zur Herausforderung für den DS-Penske-Fahrer. Vergne glänzte aber mit Erfahrung sowie defensiver Fahrkünste. Mitch Evans biss sich bis zur letzten Runde vergeblich die Zähne am zweifachen Meister aus, der letztlich auf Platz 2 landete.

Zwar konnte der Franzose im zweiten Rennen nicht dort anschließen, fuhr aber zumindest vier wertvolle Zähler ein. Auch wenn Stoffel Vandoorne seinen Teamkollegen am Samstag erstmals schlagen konnte, steht er weiterhin deutlich in Vergnes Schatten. Mit durchweg guten Punktergebnissen befindet sich "JEV" mitten im Meisterschaftskampf und sorgt für Hoffnung im Hause DS Penske.

3. Oliver Rowland | Nissan | 7,8

Von null auf hundert - so erschien der Rennsamstag von Nissan. Während die Japaner in den ersten beiden Rennen punktlos blieben, überraschte Oliver Rowland mit der Pole-Position am zweiten Renntag des Diriyah E-Prix. Ebenso gut wie seine Pole-Runde könnte man auch sein Rennen betiteln. Zwar war der Rennsieg am Ende nicht ganz in Reichweite, dennoch machte Rowland mit P3 das Beste aus seinen Möglichkeiten. Einzig der punktlose Freitag trübte die Wertung.

Flop des E-Prix: Mitch Evans | Jaguar TCS Racing | 5,2

Nach Noten gab es klar schwächere Fahrer beim Double-Header in Diriyah. Dennoch denken wir, Mitch Evans erlebte das vielleicht bitterste Wochenende aller Piloten. Denn: Keiner hat mehr Punkte verschenkt als der Neuseeländer. Am Rennfreitag war ein sicherer dritter Platz vor seinem Teamkollegen möglich. Mit einem übermütigen Überholversuch vier Kurven vor Schluss verschenkte er das Podest aber furios. Im zweiten Rennen verschwand er nach schwacher Qualifikation im Nirgendwo, während sein Teamkollege siegte.

Cassidy weist Evans bislang ungeahnte Grenzen auf. 36 Punkte liegen bereits zwischen den beiden "Kiwis". Während Evans die letzten Jahre über die klare Nummer 1  bei Jaguar war, wurde er 2024 bisher in jedem Rennen von seinem neuen Teamkollegen geschlagen. Wenn der Neuseeländer in den kommenden E-Prix nicht aufschließen kann, droht ihm vermutlich die Rolle als Zweitfahrer - für Titelkandidat Evans die Höchststrafe!

So hat die Redaktion abgestimmt:
Pos. Fahrer ⌀-Punkte Timo Pape Tobias Wirtz Svenja König Tim Neuhaus
1 Nick Cassidy 10,00 10 10 10 10
2 Jean-Eric Vergne 8,00 8 8 7 8
3 Oliver Rowland 7,80 7 8 8 8
4 Sergio Sette Camara 7,60 7 7 7 8
5 Robin Frijns 7,40 8 7 7 7
6 Jake Dennis 7,20 8 6 8 7
7 Jake Hughes 7,20 7 7 7 8
8 Maximilian Günther 6,80 7 7 6 8
9 Sam Bird 6,60 7 6 7 8
10 Pascal Wehrlein 6,60 7 7 6 7
11 Sacha Fenestraz 6,60 6 7 6 7
12 Stoffel Vandoorne 6,40 6 6 7 6
13 Norman Nato 5,80 6 6 5 6
14 Edoardo Mortara 5,60 6 6 5 7
15 Jehan Daruvala 5,40 6 5 5 6
16 Mitch Evans 5,20 5 5 5 5
17 Nico Müller 4,80 5 5 4 5
18 Nyck de Vries 3,40 4 4 3 4
19 Lucas di Grassi 3,20 2 3 4 2
20 Antonio Felix da Costa 2,60 2 3 1 2
21 Sebastien Buemi 2,20 3 3 2 2
22 Dan Ticktum 1,60 1 2 1 1

 
entscheidend bei Punktegleichstand: höhere Einzelwertung im Fahrer-Rating. Entscheidend bei identischen Punkten: besseres Rennergebnis

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3 Kommentare

Luca ·

Ich finde nicht das Evans der schlechteste Fahrer war, ja er hat im ersten Rennen einen Fehler gemacht aber wen man es mit der letzt jährigen Seasonauftakt vergleichen hat er sich sogar verbessert.
Und man kann nicht sagen das zum Beispiel Da Costa oder Wehrlein besser waren

Tim ·

Der schlechteste Fahrer war er Gewiss nicht. Nach unserer Wertung gibt es noch einige schwächere Fahrer des Wochenendes.

Bei den Porsche-Piloten war das Auto nicht an dem Punkt um Siege zu holen. Da ist Da Costas Performance trotzdem gegenüber Wehrlein sehr schwach, aber Evans hatte die gleichen Möglichkeiten wie Cassidy genau dort zu stehen wo er, auf P1 in der Gesamtwertung.

Am Ende der letzten beiden Saisons fehlten Evans um die 30 Punkte. Punkte, welche Cassidy alleine in diesem Doubleheader eingefahren ist.
Anders als Bird die letzten Saisons scheint Cassidy weiterhin auf Höchstform zu laufen. Mit allem was wir von dieser Saison wissen, kann man derzeit davon ausgehen das Cassidy um den Titel kämpfen wird. Ebenso wie Evans den Wagen hat um den Titel zu kämpfen.
Die Frage ist in wie weit spielen die anderen Teams weiterhin eine Rolle im Titelkampf. Gehen wir davon aus das es Porsche-Teams gegen Jaguar-Teams die um den Titel kämpfen können. Wenn es weiterhin eng bleibt, bleibt Jaguar vermutlich nicht viel Platz um einen internen Kampf auszuspielen. Demnach könnten sie einen Fahrer im Zweifel auf der Strecke Priorität geben. Wenn Evans weiterhin Chancen vergibt gegen einen Cassidy der keine Fehler macht, wird Evans den kürzeren ziehen müssen. Fehler oder fehlende Pace wie in Diriyah legen da möglicherweise unerwartet schnell den Grundstein für jenes Szenario.

Es stellen sich die Fragen:
Kann Evans an die Aufholjagden der letzten Saison anschließen?
Bricht Cassidy ähnlich wie Bird ein und gibt Evans überhaupt die Möglichkeit zum aufholen?

Am Ende alles nur Spekulationen. Die Saison ist jung und unberechenbar. Auch war Evans nicht der schwächste Fahrer das Rennen. Aber der wohl größte Verlierer und für ihn selbst vermutlich eine sehr bittere Pille.

EffEll ·

Evans hat wenigstens wirklich gezeigt, welches Gespür er für Überholsituationen hat und war als einziger Fahrer dazu in der Lage, seine Mitbewerber wiederholt in einer 1 zu 1 Situation niederzuringen!
Hätte Vergne nicht im letzten Moment in seine Richtung gezogen, wäre sich der Bremsweg wohl ausgegangen und er hätte sich für seine kämpferische Fahrweise belohnt.
Mir hat seine Kaltschnäuzigkeit durchaus imponiert und meiner Meinung nach hat er die Attitüde an den Tag gelegt, die es für einen Weltmeisterschaftsgewinn braucht.
Von mir aus sollten sich einige Fahrer ein Beispiel daran nehmen.

Nächstes Jahr bitte für Diriyah mehrere Kehrmaschinen (falls es Hersteller entsprechender BEV gibt) anschaffen. Dann könnte man auch mit mehr Überholsituationen rechnen, die nicht einer Lotterie gleichen

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