Formel E

Im Schatten des Eiffelturms: Die Formel-E-Vorschau zum Paris E-Prix 2019

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Die Formel-E-Saison 2018/19 ist in vollem Gange. Mit dem Paris E-Prix 2019 startet die Elektroserie am kommenden Wochenende in die zweite Hälfte der laufenden Saison. Vor dem Frankreich-Rennen, das seit 2016 im Rennkalender steht, könnten erneut elf verschiedene Fahrer an die Spitze der Gesamtwertung klettern. Sieben der aktuell bestplatzierten neun Fahrer haben allein in dieser Saison einen E-Prix gewonnen, sechs der neun aktiven Formel-E-Konstrukteure waren siegreich.

In Paris gilt in besonderem Maße die Qualifikation als Schlüssel zum Sieg, schließlich ist das Überholen in den engen Straßen der "Stadt des Lichts" ausgesprochen schwer. Dem Momentum kommt allerdings eine ebenso große Rolle zuteil - einzig ein tadelloses Wochenende kann in der engen Formel E in diesem Jahr zum Sieg verhelfen. Kann Nissan beim Heimrennen seines Rennteams e.dams den ersten Saisonsieg einfahren? Klappt es endlich mit Andre Lotterers erstem Formel-E-Sieg? Und was ist mit Robin Frijns, Daniel Abt oder Pascal Wehrlein? Unsere Vorschau.

Stadt, Land, Fluss…

Die faszinierende Stadt an der Seine lädt die Formel E inzwischen zum vierten Mal in den Les-Invalides-Stadtteil im 7. Arrondissement von Paris ein. Die Elektroserie gastiert dabei auf einem malerischen Rundkurs, der sich um den Invalidendom windet, in dem sich das Grab des französischen Herrschers Napoleon Bonaparte befindet.

Für Touristen bietet Paris jedoch unzählige weitere Anlaufstellen: Die Stadt, die seit Jahrhunderten das wirtschaftliche und soziale Zentrum Frankreichs bildet, lockt mit Eiffelturm, Montmartre, Louvre, Triumphbogen oder der Notre-Dame-Kathedrale, deren Dach erst kürzlich einem schweren Brand zum Opfer fiel, jährlich mehrere Millionen Gäste an.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Eines der Themen dieser Saison ist die Venturi-Antriebswelle. Beide Fahrer des monegassischen Teams fielen infolge von Seitenwellendefekten beim Rom E-Prix aus, nachdem in den vorausgegangen Rennen schon das Kundenteam HWA mit der Zuverlässigkeit zu kämpfen hatte. Stoffel Vandoorne (HWA) erreichte in Rom zwar Platz 3, rollte wenige Meter nach der Ziellinie jedoch ebenfalls mit einer defekten Seitenwelle aus. "Was für ein Auto. Das kannst du in die Tonne treten", funkte er danach an sein Team.

Ebenfalls in den Schlagzeilen: Maximilian Günther kehrt für ein weiteres Rennen in die Formel E zurück. Der Deutsche, der sein Cockpit im Februar eigentlich offiziell an Felipe Nasr abgegeben hatte, ersetzte den Brasilianer zuletzt in Rom planmäßig, da Nasr in der nordamerikanischen IMSA-Serie startete. Nun möchte sich Nasr allerdings "auf das nächste IMSA-Rennen vorbereiten" und setzt erneut aus. Günther bekommt also einen nächsten Renneinsatz - vielleicht ja sogar nicht einmal sein letzter in diesem Jahr...

Sao Paulo steht laut Lucas di Grassi kurz vor dem Vertragsabschluss für ein Formel-E-Rennen im nächsten Jahr. Tesla-Gründer Elon Musk traf sich davon abgesehen mit dem Formel-E-Vorsitzenden Alejandro Agag und erklärte, weshalb er in naher Zukunft nicht in den Motorsport einsteigen wolle, und Porsche absolvierte weitere Testtage in Spanien. Kurz: Die Mühlen der Formel E mahlen momentan in Höchstgeschwindigkeit.

Zeitplan 2019 (alle Zeiten in MESZ)

07:30 - 08:15 Uhr - 1. Freies Training
10:00 - 10:30 Uhr - 2. Freies Training
11:45 - 12:50 Uhr - Qualifikation
16:00 - 17:00 Uhr - Rennen (45 min + 1 Runde)

In Rom fährt im Rahmenprogramm der Formel E zudem die Jaguar I-Pace eTrophy. Das Qualifying (08:25 - 08:55 Uhr) und Rennen (13:45- 14:10 Uhr) sind kostenlos über ran.de oder die offiziellen YouTube- und Facebook-Kanäle von Jaguar Racing zu verfolgen.

Strecke

Mit gerade einmal 1,92 Kilometern Gesamtlänge gehört der Formel-E-Kurs von Paris zu den kürzesten Strecken im diesjährigen Rennkalender. Mehrere 90-Grad-Ecken lauern im Schatten des Eiffelturms auf die 22 Piloten, darunter auch die schnelle Kurve 10, die mit einer Menge Risiko womöglich als Überholstelle genutzt werden könnte.

Die beste Überholchance bietet sich jedoch auch in diesem Jahr in Kurve 3 nach der Startgeraden. Das Anbremsen auf den Rechtsbogen erschweren mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Untergründe, Asphalttypen und ein Gullideckel. Als Schlüsselstelle gelten zudem Kurve 5, in der die Fahrer beim Einlenken für Kurve 6 anbremsen müssen, sowie die Kurvenkombination 13/14. Hier werden die Fahrer im Qualifying noch mehr als im Rennen riskieren müssen, was erfahrungsgemäß zu einer anderen Ideallinie durch die Kurve führt.

Die Attack-Zone befindet sich in Paris auf der langen Gegengeraden deutlich hinter Kurve 9 und der Zeitmesslinie für den zweiten Sektor. Der Zeitverlust durch die Attack-Mode-Aktivierung wird damit wohl so gering wie nie zuvor in dieser Saison. Der positive Nebeneffekt: Eine Freischaltung des 225-kW-Modus hinter dem Safety-Car wird dadurch unattraktiv, weil die Piloten bei langsamer Geschwindigkeit wertvolle Zeit im Attack-Mode verlieren. Der Modus wird damit weiterhin ein wichtiges strategisches Element sein.

Eurosport, ZDF und Co.: Die Formel E im TV & Live-Stream

Dank des im Oktober 2018 angekündigten TV-Deals mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern können Formel-E-Fans in Deutschland die Formel E erneut über zwei Wege verfolgen. Einerseits überträgt wie gewohnt der Sportsender Eurosport den E-Prix in voller Länge. Zudem zeigt erneut auch das ZDF das Formel-E-Rennen aus Paris in einem Live-Stream. Für die Mainzer kommentiert Volker Grube. Bei Eurosport sitzt das beliebte Duo Oliver Sittler und Patrick Simon hinter dem Mikrofon.

Das Qualifying ist allerdings zum ersten Mal in dieser Saison nicht im Free-TV zu verfolgen. Stattdessen müssen Formel-E-Fans auf den kostenpflichtigen Eurosport Player oder Eurosport 2 (Pay-TV) ausweichen. Im Player sind zudem die Trainings-Sessions zu verfolgen, die du allerdings auch im englischsprachigen Weltsignal kostenlos auf den YouTube-, Twitter- und den Facebook-Kanälen der Formel E sehen kannst - wir stellen sie dir wie gewohnt bereit. Zudem bietet e-Formel.de einen Live-Ticker zu allen Sessions an, der sich ideal als "Second-Screen" oder "Ausweichlösung" für die nicht im TV gezeigten Sessions anbietet.

In der Schweiz ist die Formel E wie immer über das Pay-TV-Angebot von MySports zu verfolgen, in Österreich zeigt ORFeins den E-Prix.

Wetter

Wie zuletzt in Rom sagen Meteorologen für den Renntag in Paris wechselhaftes Wetter voraus. Mit Höchstwerten von 16 Grad Celsius wird es vergleichsweise kühl, zudem ist mit zunehmender Bewölkung im Laufe des Nachmittags zu rechnen. Mittags werden Windböen von rund 50 km/h erwartet, hinzu kommt die geringe Wahrscheinlichkeit kleiner Regenschauer. Wie üblich ist eine genaue Wettervorhersage mehrere Tage vor dem E-Prix allerdings nicht möglich.

Paris: Fast Facts

  • Die Pariser quetschen sich auf engstem Raum zusammen. Das Stadtgebiet hat mit einer Fläche von 105 Quadratkilometern nur etwa die Größe der rheinland-pfälzischen Hauptstadt Mainz, beherbergt aber zehnmal so viele Einwohner. Die Metropolregion ist dafür so groß wie Schleswig-Holstein.
  • In den letzten drei Paris E-Prix gewannen mit Lucas di Grassi (2016), Sebastien Buemi (2017) und Jean-Eric Vergne (2018) ausschließlich die derzeit noch aktiven Formel-E-Champions. Di Grassi und Vergne waren in dieser Saison bereits siegreich, Nissan-Pilot Buemi wartet hingegen weiterhin auf den ersten großen Erfolg des Jahres...
  • In Paris ist man mit der Bahn besonders gut angebunden: Die Station Chatelet ist einer der größten unterirdischen Bahnhöfe der Welt, Gare du Nord der größte Bahnhof Europas. 120 Züge pro Stunde fahren in der "Rush-Hour" durch Chatelet. Täglich nutzen zudem 1,4 Millionen Passagiere die RER A-Linie (Schnellbahnnetz im Großraum Paris) - auch das ist ein Europa-Rekord.
  • Laut einem 2012 veröffentlichten Newsletter der Pariser Polizei soll es (zumindest damals) nur ein einziges permanentes Stoppschild im gesamten Stadtgebiet geben. Annäherungsweise befinden sich in der Stadt übrigens 6.100 Straßen. Die Rue des Degres im 2. Arrondissement gehört mit einer Gesamtlänge von 5,75 Metern dabei zu den kürzesten Straßen der Welt.
  • Der Eiffelturm wiegt inklusive seinen Aufzügen, Metallstrukturen und allen Etagen samt Ausstattung rund 9.700 Tonnen - so viel etwa 10.800 aufeinander gestapelte Formel-E-Fahrzeuge. Dieser Auto-Turm würde mit 1,134 Kilometern wiederum dreieinhalb mal so hoch wie der 1889 errichtete Turm sein.

Prognose: Augen auf im Qualifying

Die Strecke des Paris E-Prix entpuppte sich schon in den letzten Jahren als "Tanz zwischen den Mauern" und als einer der engsten Kurse im Rennkalender. Mehr denn je wird es am kommenden Wochenende daher auf eine gute Leistung im Qualifying und den Rennstart ankommen. Überholen ist auf der engen und kurzen Strecke schwer, zudem gilt eine Rennunterbrechung mit einer Full-Course-Yellow-, Safety-Car oder gar Rot-Phase als wahrscheinlich.

Wer sich im Zeitfahren also in eine gute Position bringen kann, hat die halbe Miete für einen Erfolg im Rennen bereits gezahlt. Dennoch gewann mit Antonio Felix da Costa in dieser Saison bislang nur ein einziger Fahrer von der Pole-Position. Anwärter auf den "Platz an der Sonne" gibt es viele: Das meisterschaftsführende DS-Team hat ebenso gute Chancen wie Audi (samt Kundenteam Virgin), BMW und Nissan e.dams, die beim "halben Heimrennen" in Frankreich glänzen wollen. Als Geheimtipp darf man zudem Pascal Wehrlein nicht abschreiben, der aus der dritten Qualifying-Gruppe endlich den großen Sprung nach vorn schaffen will.

Doch auch HWA stellte in Rom unter Beweis, dass sie, wenn die Zuverlässigkeit stimmt, gute bis sehr gute Resultate einfahren können. Wie auch Wehrlein startet Stoffel Vandoorne aus Qualifying 3, was ihm gute Voraussetzungen für eine starke Startposition bringt. Zu erwarten ist ein ruppiges und kontaktreiches Rennen, in dem sich die Fahrer der schlechteren Startpositionen voraussichtlich auch mit Risiko durch das Feld drücken werden. Kontroversen sind damit quasi vorprogrammiert: Freuen wir uns auf einen spannenden Paris E-Prix, bei dem auch ein achter Rennsieger im achten Rennen nicht auszuschließen ist.

Erinnerung: e-Formel.de bietet auch in der Saison 2018/19 ein Tippspiel zur Formel E an. Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich gegebenenfalls neu anzumelden.

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