Formel E

Integral Powertrain & Gusto Engineering neue Technik-Partner von Nio 333 - Indiz für Formel-E-Verbleib?

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Nio 333 - in den vergangenen beiden Saisons das Schlusslicht des Formel-E-Feldes - hat im Bereich der Antriebsentwicklung eine langfristige Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Integral Powertrain vereinbart. Das gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt. Außerdem ist die chinesische Firma Gusto Engineering nun ebenfalls Technischer Partner des Rennstalls. Die Partnerschaften deuten auf einen langfristigen Verbleib Nios in der Formel E hin.

Bereits der Antrieb des chinesischen Teams mit Sitz im britischen Oxford für die Saisons 7 und 8 wurde gemeinsam mit Integral Powertrains entwickelt. In der Saison 2019/20 setzte Nio 333, nachdem das Team kurzfristig vom chinesischen Elektroauto-Start-up Nio an den Rennstall Shanghai Lisheng Racing verkauft wurde, noch Elektromotoren ein, die von Dragon für die Saison 2018/19 konstruiert worden waren. Ein von Nio selbst entwickelter Antrieb kam mutmaßlich wegen massiver technischer Probleme gar nicht erst zum Einsatz.

Integral Powertrain ist dabei kein unbeschriebenes Blatt in der Formel E. Das Unternehmen mit Sitz in Milton Keynes entwickelte bereits den (später verbotenen) Nissan-Doppelmotor für Saison 6. Wem der Ortsname bekannt vorkommt: In derselben Stadt hat rund acht Autominuten entfernt das Formel-1-Team von Red Bull Racing seine Fabrik.

Erste Fortschritte bereits zu sehen

Die neue Partnerschaft trug beim Formel-E-Saisonauftakt in Diriyya bereits erste Früchte: Oliver Turvey erzielte neun Meisterschaftspunkte - die ersten Zähler für das Team seit Juli 2019. Außerdem schafften es sowohl Turvey als auch sein Teamkollege Tom Blomqvist beim Samstagsrennen in die Super-Pole.

Der Fokus bei der Entwicklung des Antriebsstrangs lag dabei auf der Effizienz. Durch die Anpassung der Motor- und Invertertechnologie, um das vorgegebene Gewicht voll auszunutzen, wurden beeindruckende Ergebnisse erzielt. Bei einer Leistung von 200 kW erreicht der Motor einen Wirkungsgrad von 98,6 Prozent, während der Inverter dank Siliziumkarbid-Technologie gar einen Wirkungsgrad von 99,5 Prozent erzielt. Zudem wurde auch das Getriebe des Boliden von Integral Powertrain optimiert.

"Logische Fortsetzung einer sehr starken Zusammenarbeit"

"In der Formel E dreht sich alles um Effizienz, daher ist sie die ideale Plattform für uns, um unsere hocheffiziente Motor- und Invertertechnologie zu präsentieren", sagt Arnaud Martin, Leiter der Abteilung Motorsport & Invertersysteme bei Integral Powertrain. "Aufgrund der extremen Anforderungen erlaubt uns unser Engagement in der Formel E, die Grenzen der Elektrifizierungstechnologie zu verschieben, was wiederum unseren anderen Programmen in den Bereichen Automobil, Luft-, Raum- und Schifffahrt zugutekommt."

"Die Partnerschaft mit Nio 333 ist die logische Fortsetzung einer sehr starken Zusammenarbeit bei der Optimierung des Antriebsstrangs, die bereits nach dem ersten Rennwochenende ihre Vorteile gezeigt hat", so Martin weiter. "Im Laufe des Jahres werden wir an weiteren Verbesserungen arbeiten, die der Leistung des Teams auf der Strecke optimieren sollten."

"Bruchteile eines Prozents machen den Unterschied aus"

"333 Racing begrüßt Integral Powertrain als Technischen Partner. An der Spitze der elektrischen Antriebsstrang-Technologien arbeitet das IP-Team mit unseren Ingenieuren zusammen, um eine maßgeschneiderte E-Antriebslösung zu liefern", sagt Duncan Laycock, Chief Technical Officer von Nio 333. "Die Effizienzgewinne von MGU (Motor Generator Unit, Elektromotor), MCU (Microcontroller Unit) in Kombination mit unserem neuesten Getriebe stellen einen bedeutenden Schritt für den Antriebsstrang von 333 Racing in der Saison 7 dar."

"In der letzten Saison ging es darum, sich zu konsolidieren und die richtigen technischen Partner zu finden", erklärt er die Vorgehensweise des Teams in den vergangenen Monaten. Auch Teamchef Christian Silk hatte sich kürzlich bereits ähnlich geäußert.

"Beim Diriyya E-Prix gab es den ersten konkurrenzfähigen Einsatz des Antriebsstrangs, der mit der Super-Pole beider Autos und zweier Punkteplatzierungen belohnt wurde", fährt Laycock fort. "Angesichts der extrem kompetitiven Natur dieser Meisterschaft machen Bruchteile eines Prozents den Unterschied aus. Der kontinuierliche Beitrag von Integral Powertrain und ihre grundsätzliche 'No Nonsense'-Haltung machen die Zusammenarbeit zu einem Vergnügen."

Auch mit Gusto Engineering langfristige Partnerschaft vereinbart

Neben Integral Powertrains ist auch das chinesische Unternehmen Gusto Engineering nun Technischer Partner des Teams und hat eine langjährige Partnerschaft vereinbart. Gusto Engineering stellt derzeit einige Komponenten und Dienstleistungen für das Formel-E-Programm zur Verfügung. Die Firma von Alex Hui, Executive Director des "Nio 333 FE Teams", ist seit 2014 im Motorsport aktiv, als man offizieller Motor- und Chassislieferant der chinesischen Tourenwagenmeisterschaft wurde. Zuvor war die Firma im Bereich Fahrzeugtuning und Motorsportumbauten tätig.

"Gusto hat viel Erfahrung damit, wie europäischer Motorsport funktioniert, und ich habe viele Kontakte in China und Europa", erklärt Hui. "Shainghai Lisheng Racing ist einer meiner Hauptkunden in China - sie fahren in der chinesischen Tourenwagenmeisterschaft, und die meisten technischen Lösungen werden von Gusto bereitgestellt. Daher wurde ich eingeladen, mich an der Übernahme des Formel-E-Teams und der Leitung des Nio 333 FE Teams zu beteiligen."

Hui skizziert die Ziele der Partnerschaft mit Nio 333 in der Formel E: "Für die nächste Phase des langfristigen Projekts '333 Racing Formula E' möchte ich das Wissen des Elektrorennsports zurück in den chinesischen Motorsport und Automobilmarkt bringen", erklärt er. "Wir wollen eine starke technische Allianz zwischen Großbritannien und China schaffen, bei der Gusto die Hauptrolle spielen wird."

Hinweis auf baldiges Gen3-Commitment von Shanghai Lisheng Racing?

Die beiden langfristig angelegten Partnerschaften sind ein Indiz dafür, dass sich womöglich auch Shanghai Lisheng Racing mit seinem Nio-333-Team demnächst zur Gen3-Ära der Formel E bekennt. Noch steht eine Entscheidung über einen Verbleib in der Elektroserie zwischen 2022 und 2026 aus. Gleiches gilt für Mercedes, Jaguar und Dragon sowie für potenzielle Neueinsteiger wie McLaren.

Weil die Deadline zum Gen3-Commitment bereits am 31. März abgelaufen ist, bekommen jene Teams noch keine weiteren Details zum Gen3-Reglement und -fahrzeug mitgeteilt, solang sie sich nicht eingeschrieben haben. Obwohl die offizielle Frist verstrichen ist, haben sie jedoch noch einige Wochen die Möglichkeit dazu, bis die erste Anzahlung anfällt.

Die nächste Chance, um die Früchte der neuen Partnerschaften zu ernten, bietet sich Nio 333 schon am kommenden Wochenende. Dann stehen in Rom erneut gleich zwei Formel-E-Rennen auf dem Programm.

zusätzliche Berichterstattung durch Timo Pape

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1 Kommentare

Jonas ·

Ich hoffe das sie bei Gen3 dabei sind

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