Formel E

Jaguar in Berlin mit Licht & Schatten: Evans gewinnt, Felix da Costa nach Kollision mit Müller nur 18.

Thomas Grüssmer

Thomas Grüssmer

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Jaguar TCS ereilte am Formel-E-Sonntag in Berlin dasselbe Schicksal wie Porsche einen Tag zuvor: Während Mitch Evans das Rennen für sich entscheiden konnte, fiel Teamkollege Antonio Felix da Costa durch eine Kollision bis auf Platz 18 zurück. Der Schlüssel zum Sieg des Neuseeländers: Die taktische Entscheidung im Qualifying, das Rennen absichtlich aus dem hinteren Teil des Feldes anzugehen.

Auch das Sonntagsrennen am Flughafen Tempelhof war wieder eine von Strategie gezeichnete Windschattenschlacht: Das "Pack-Racing" der Gen3-Ära ist in Berlin mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Vor allem Nick Cassidy demonstrierte vergangenes Jahr eindrucksvoll, wie man das Rennen trotz eines Starts von hinten gewinnen kann. Auch dieses Jahr lief es beim zweiten Rennen des "Double-Headers" in Tempelhof wieder ähnlich.

Die Piloten hielten ihre eigentliche Pace im Rennen lange zurück, um möglichst viel Energie sparen zu können. Das Feld wurde wurde lange eng zusammengehalten, bis Mitch Evans sich nach dem Start von Platz 17 nach vorne arbeitete und an Ende den Sieg feiern konnte.

Fahrer hielten sich absichtlich zurück

Schon während des Qualifyings war zu beobachten, dass einige Fahrer, darunter auch Evans, sich zurückhielten, keine neuen Reifen nutzten und somit den Start von ganz hinten akzeptierten. Somit schaffte man für sich für den reifenfressenden Streckenbelag bei den heißen Bedingungen am Wochenende einen Vorteil. Es war klar: der Rennsieg war ohnehin von jeder Startposition aus möglich.

Rennsieger Evans äußerte sich in der Pressekonferenz nach dem Rennen zu diesem Plan: "Für heute war das der Plan. Wir haben das so gemacht, weil ich schon während des ganzen Wochenendes über eine Runde etwas langsam war. Gestern war es zwar eng, aber da war ich schon 16. Ehrlich gesagt bin ich auf eine Runde zum größten Teil der Saison wirklich langsam und habe im Qualifying Probleme."

Evans: "Es ging nur um die Geduld"

"Ich habe dann mit dem Team darüber gesprochen, die Reifen für das Rennen zu sparen und den Start von hinten zu akzeptieren. Die Chance dafür war sowieso hoch. Ich weiß nicht, ob der Vorteil der neuen Reifen so groß war, einen Abriss hat es dennoch nicht getan. Im Rennen ging es für mich nur um die Geduld und darum, meinen ersten Attack-Mode zur richtigen Zeit zu nehmen."

"Von dem, was ich gehört habe, war mein Energievorteil sehr groß", so der Neuseeländer weiter. "Ich war mir zunächst gar nicht sicher, ob ich das richtige Fernster verpasst habe, war aber zuversichtlich, dass das Warten sich auszahlt, was dann auch so passiert ist."

Für Evans ist es der 16. Sieg mit Jaguar und in der Formel E. Er baute seinen eigenen Rekord somit weiter aus und steht in der ewigen Bestenliste weiterhin vor Sebastien Buemi und seinem Teamkollegen Felix da Costa, die beide je 14 Siege auf dem Konto haben.

"Ich weiß ja schon einige Zeit, dass ich das Team verlassen werde", erkärt er. "Es war natürlich keine Überraschung, dass das irgendwann bekannt wird, das macht es aber umso realer. Ich bin immer noch ein Jaguar-Fahrer und möchte meine erste Meisterschaft holen. Ich würde es lieben, das mit ihnen zu schaffen. Das wäre eine tolle Geschichte für meine letzte Saison mit dem Team."

Die Chance hierfür ist nach Evans' Sieg großer denn je in dieser Saison. In der Fahrerwertung liegt er nun auf Platz 2 und ist bis auf drei Punkte an den WM-Führenden, Pascal Wehrlein, herangerückt.

Felix da Costa in Kollision mit Müller verwickelt

Auf der anderen Seite der Garage lief der Sonntag nicht so glücklich ab. Im Qualifying schaffte Antonio Felix da Costa es bis in die Duellphase und startete von Platz 8. Nach dem Start rückte er zunächst in die Führungsgruppe vor und hielt sich im Nachgang in den Top 10. Wenige Runden vor dem Ziel folgte aber eine Kollision mit dem Porsche von Nico Müller. Der Kontakt zerstörte das Rennen des Portugiesen nachhaltig, da er mit einem Reifenschaden an die Box kommen musste und bis auf Platz 18 zurückfiel, wo er das Rennen schließlich beendete.

"Heute ist schwer zu verkraften", so Felix da Costa nach dem Rennen. "Wir hatten das Tempo, die Effizienz und die Strategie, um ganz vorne mitzukämpfen, und für einen Moment sah es so aus, als würde alles zusammenpassen. Leider hat der Reifenschaden unsere Chancen zunichte gemacht, aber so ist der Motorsport nun einmal manchmal. Ich bin stolz auf die Leistung, die wir als Team gezeigt haben, und freue mich sehr für Mitch und alle bei Jaguar TCS Racing über einen weiteren Sieg."

Das nervenaufreibende Wochenende in Berlin endete mit einer spannenden Situation in der Fahrer-Meisterschaft. Zwischen den Top 3 liegen lediglich acht Punkte. In weniger als zwei Wochen geht es in Monaco weiter. Dort erwartet uns am 16. und 17. Mai der nächste "Double-Header", der wieder sehr viel Spannung bieten dürfte.

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