Formel E

Jake Dennis im Interview: "Rivalität ist etwas für die 16-, 17-Jährigen, die unbedingt in die Formel 1 wollen"

Timo Pape

Timo Pape

Jake Dennis feiert in der anstehenden siebten Saison sein Formel-E-Debüt mit BMW i Andretti Motorsport. Der 25-jährige Brite hat in den vergangenen Jahren seine Vielseitigkeit als Rennfahrer in der DTM, im GT- und Formelsport sowie als Simulator- und Entwicklungsfahrer für das Formel-1-Team von Red Bull Racing bewiesen. Im Interview spricht er über seine Erwartungen an die erste Formel-E-Saison, die Vorteile seiner Simulator-Erfahrung und seine Einstellung zum Thema Elektromobilität.

Jake, deine Verpflichtung kam für viele überraschend. Wie ist der Kontakt mit dem Team zustande gekommen?

Zunächst einmal gab es nur einen Kontakt - nämlich für einen Test im Simulator, um zu sehen, wie meine Performance ist und wie ich mich mit dem Team verstehe. Der ist dann so gut gelaufen, dass es mit einem realen Test auf der Rennstrecke weiterging. Danach wurde dann klar, dass es tatsächlich eine Chance auf eine Zusammenarbeit gibt. So ist dann letztlich der Vertrag zustande gekommen.

Wie fühlt es sich an, nun ein Teil der Formel E zu sein?

Es fühlt sich großartig an! Ich wollte schon länger in der Formel E fahren, denn die Rennserie hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen, die nun mit dem Status als FIA-Weltmeisterschaft noch einmal einen großen Schritt gemacht hat. Ich bin froh, dabei zu sein. Es macht großen Spaß, den BMW iFE.21 zu fahren, und ich kann die ersten Rennen in Santiago kaum erwarten.

Worauf freust du dich am meisten?

Auf die Locations, an denen wir Rennen fahren. Die Chance zu bekommen, in Santiago de Chile, New York, Rom und all den anderen großartigen Städten auf die Rennstrecke zu gehen, ist einfach sensationell. Die Straßenkurse sind auf der einen Seite cool, auf der anderen sind sie für mich aber auch die größte Herausforderung. Als Rookie kenne ich die Strecken nicht, und auch wenn ich das Auto recht schnell kennenlerne, wird es hart werden, meinen Erfahrungsrückstand auf den Strecken gegen Konkurrenten aufzuholen, die teilweise schon sechs Jahre dabei sind. In dem Punkt haben die anderen sicher einen Vorteil, aber irgendwann ist jeder einmal ein Rookie. Dieses Mal bin eben ich dran.

Wie steht es um deine Erfahrung mit Stadtkursen?

Allzu viele Rennen auf Stadtkursen habe ich in meiner Karriere noch nicht absolviert. Ich war schon in Macau, Pau und auf dem Norisring - aber diese Kurse kann man nicht wirklich mit denen in der Formel E vergleichen. Von daher versuche ich, so schnell es geht möglichst viel Erfahrung mit den einzigartigen Kursen im Formel-E-Kalender zu sammeln. Das wird eine Herausforderung, aber ich freue mich sehr darauf - besonders auf die engen Kurven und die Nähe zu den Fans. Bisher habe ich alle Stadtkurse, auf denen ich gefahren bin, genossen. Ich wüsste nicht, warum das in der Formel E anders sein sollte.

Wie kommst du bislang im Team zurecht?

Ich mag das Team sehr. Die Kombination aus BMW und Andretti ist wirklich stark. Das Team arbeitet sehr professionell und hat einen guten Mix aus verschiedenen Nationalitäten. Das ist ein großes Plus, denn so bekommt man immer verschiedene Ansichten und Meinungen.

Siehst du deinen Teamkollegen Max Günther eher als Partner oder Konkurrenten?

Maximilian und ich, wir sind beide Wettkämpfer, und es ist keine Frage, dass wir einander schlagen wollen. Aber das Level des Racings ist heutzutage so hoch, dass man gut zusammenarbeiten muss, um überhaupt eine Chance zu haben, dass das Projekt funktioniert und erfolgreich ist. Am Ende des Tages wollen wir beide das Beste für das Team und ein möglichst schnelles Auto zur Verfügung haben. Demnach ist unser Ziel, das Programm gemeinsam so schnell es geht nach vorne zu bringen. Rivalität macht da keinen Sinn. Das ist etwas für die 16-, 17-Jährigen, die unbedingt in die Formel 1 wollen und denken, dass jeder andere auf der Rennstrecke ihr Feind ist. Wenn man älter wird, sieht man eher das Gesamtbild.

Simulatorarbeit spielt in der Formel E eine sehr wichtige Rolle. Wie sehr hilft dir dabei deine große Erfahrung auf diesem Gebiet?

Sie hat mir auf jeden Fall schon einmal dabei geholfen, überhaupt ein Formel-E-Cockpit zu bekommen. Denn wenn ich beim Simulatortest langsam gewesen wäre, hätte sich alles, was danach passiert ist, wahrscheinlich nie ergeben. Für das Fahren des realen Autos macht es kaum einen Unterschied. Es gibt Fahrer, die sind im Simulator sehr schnell, andere sind eher langsam. Auf der Rennstrecke fahren sie dann trotzdem die gleichen Rundenzeiten. Wo meine Erfahrung eher hilft, ist bei der Weiterentwicklung des BMW-Motorsport-Simulators.

Als Formel-E-Fahrer muss man zumindest an den Renntagen Frühaufsteher sein. Bist du einer?

Daran habe ich mich schon gewöhnt, da auch die Simulator-Testtage bei BMW Motorsport immer sehr früh beginnen. Ich habe kein Problem damit, früh aufzustehen und brauche generell nicht allzu viel Schlaf. Ein bisschen länger als an einem Formel-E-Renntag darf es dann aber schon sein, wenn es möglich ist.

Wie lautet deine generelle Meinung zur Elektromobilität?

Ich denke, sie wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Als Rennfahrer liebe ich immer noch starke Motoren und schnelle, laute Autos. Aber mir ist klar, wie groß das Thema Elektromobilität noch werden wird, und ich freue mich sehr, nun ein Teil dieses Programms zu sein und besser zu verstehen, in welche Richtung sich die Welt und dieses Projekt bewegen. Man muss sich nur die Entwicklung der Formel E von Saison 1 bis jetzt anschauen. Die ist sensationell.

Foto: Jake Dennis (Twitter)

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