Formel E

"Panama Papers": Ex-Formel-E-Fahrer Trulli streitet Steuerbetrug ab

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Der Panama-Papers-Skandal reicht bis tief in die Welt des Motorsports. Wie nach dem wohl größten Datenleak der Geschichte bekannt wurde, könnten unter anderem der Formel-1-Fahrer Nico Rosberg oder der Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo sogenannte Offshore-Firmen unterstützt haben, um Steuern zu umgehen. Auch der Ex-Formel-E-Fahrer und Teambesitzer Jarno Trulli wird in den Papieren aufgeführt.

Trulli steht damit im Verdacht, über Investitionen in Überseeunternehmen Steuergelder hinterzogen zu haben. Der 41-Jährige streitet diese Anschuldigung ab: "Ich finde mich in diesen Papieren wieder, ohne etwas getan zu haben", so Trulli gegenüber 'Corriere.it'.

Die Kontroverse dreht sich dabei speziell um die Immobilienfirma "Baker Street SA" von den Seychellen. Trulli, der selbst seit Jahren mit Immobilien handelt, soll die von der Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirma im Indischen Ozean geleitet haben. Die Seychellen gelten, ähnlich wie auch die Malediven, Bahrain oder die Jungferninseln, als Steueroase.

"Ja, ich bin der alleinige Anteilseigner von Baker Street. Meine Überseeinvestments habe ich trotzdem jedes Mal gekennzeichnet und wie gefordert bezahlt", sagt Trulli. "Ich habe viele Firmen. Nicht nur auf den Seychellen, auch in Italien, der Schweiz und in Amerika leite ich kleine Unternehmen." An jedem dieser Orte bezahle Trulli die Steuern der jeweiligen Staaten.

Trulli hat die Anschuldigungen satt

Das Prinzip einer solchen Firma ist einfach erklärt: Wer sein Geld ins Ausland transferieren möchte, kann mit Hilfe einer Anwaltskanzlei ein Offshore-Unternehmen mit Sitz in einem Land gründen, das nur sehr geringe Steuern erhebt. Diese "Briefkastenfirma" braucht keinen Geschäftssitz und existiert meist nur auf dem Papier - daher auch der Name.

Das Unternehmen setzt einen Strohmann als Direktor ein, der als "Marionette" des Hintermannes die Geschäfte abwickelt. Der Hintermann bleibt unbekannt. Über eine Kreditkarte, auf der nur der Firmenname auftaucht, kann dieser dann weiterhin über das gesamte Vermögen verfügen und das Geld in die Steueroase überweisen.

Der dreimalige Familienvater Trulli hat die Anschuldigungen satt. Es ist bereits das zweite Mal, dass ihn die italienischen Steuerbehörden im Visier haben: "Ich halte es nicht für okay, dass ich ständig ins Kreuzfeuer gerate und verdächtigt werde, Steuern zu hinterziehen. Ich habe das Gesetz nie missachtet und immer meine Steuergelder bezahlt, ich verstehe das Problem nicht."

Wie die Ermittlungen in der Panama-Papers-Affäre enden werden, weiß der Hobby-Winzer bereits jetzt: "Für mich mit dem richtigen Ausgang", meint Trulli, "ich habe schließlich nichts zu verbergen."

Jarno Trulli fuhr in der ersten Formel-E-Saison bei allen elf Rennen für seinen eigenen Rennstall mit. In Punta del Este kam er auf einen vierten Platz, zudem erreichte er beim Berlin ePrix die Pole-Position und hält den dortigen Rundenrekord. Ursprünglich war der Italiener auch für die zweite Saison eingeplant, jedoch zog sich sein Schweizer Team im Dezember aus der Meisterschaft zurück, ohne ein einziges Rennen bestritten zu haben.

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