Formel E

"Jetzt oder nie" - Sam Bird & Mitch Evans erklären packendes Duell um Formel-E-Sieg in Sao Paulo

Timo Pape

Timo Pape

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Was für eine Schlussphase in Brasilien: Wenige Kurven vor der Zielflagge überholte Sam Bird seinen ehemaligen Jaguar-Teamkollegen Mitch Evans und sicherte McLaren den ersten Formel-E-Sieg in der Geschichte. Nach dem Rennen ließen beide Piloten das packende Duell um den Sieg Revue passieren - und zollten sich gegenseitig Respekt. Bird verspricht eine feucht-fröhliche Partynacht.

"Mit Blick auf all das, durch das ich gehen musste, um auf diesen (Sieger-) Stuhl zurückzukehren, ist dieser Sieg ist einer der ganz besonderen", sagte ein sichtlich gelöster Sam Bird auf der Pressekonferenz kurz nach Rennschluss. "Und es ist der erste für Neom McLaren! Mein Ziel zu Saisonbeginn war, ein paar Podien zu holen. Ich hatte nicht erwartet zu gewinnen. Jetzt haben wir schon im vierten Rennen gewonnen."

Dem vorausgegangen war ein äußerst packendes Duell um den Sieg mit seinem ehemaligen Jaguar-Teamkollegen Mitch Evans. Nachdem der Neuseeländer wenige Runden vor Schluss die Führung von Bird geschnappt hatte, sah eigentlich alles danach aus, als brächte Evans seinen ersten Saisonsieg ungefährdet ins Ziel. Schließlich hatte er neben der besseren Position auch noch einen klaren Energievorteil gegenüber dem McLaren-Fahrer.

Die hohen Außentemperaturen in Sao Paulo (36 Grad Celsius) machten ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung: "Wir hatten noch ordentlich Energie, aber in der letzten Runde habe ich leider batteriebedingt an Leistung verloren durch die hohen Temperaturen. Dadurch hatte ich nicht mehr viel Topspeed, und es wurde während der Runde immer schlimmer", erklärt Evans.

Evans: "Habe mich in der letzten Runde wie in einem Gen1-Auto gefühlt"

"Wenn das 'Derating' (Englisch für Leistungsverlust) einsetzt, kommt es sehr aggressiv. Ich habe mich in der letzten Runde wie in einem Gen1-Auto gefühlt. Ich habe das mit der Batterie in dieser Serie noch nie zuvor so stark erlebt. Aber ich glaube, darunter haben auch einige andere gelitten. Die Nissan-Antriebe sind damit besser umgegangen."

So auch der McLaren mit Nissan-Antrieb von Sieger Bird. "Ich habe schon am Funk gesagt: 'Der ist mehr mit den Temperaturen am Kämpfen als ich!'", schildert der Brite die letzte Rennrunde. "Man hat mir gesagt, ich solle das Auto kühlen. Aber ich habe mir gedacht: jetzt oder nie."

So griff Bird überraschend außen herum an und setzte sich auch noch in der folgenden Linkskurve beherzt durch. "Er hat die Innenbahn verteidigt und mir gerade genug Platz auf der Außenbahn gelassen. Ich weiß nicht, wie knapp es mit der Mauer war, aber ich hab's geschafft", freut sich Bird.

Bird: "Ein großartiges Rennen zwischen meinem alten Teamkollegen & mir"

"Das Überholmanöver war wirklich gut", lobt Evans seinen alten Weggefährten. "Ich freue mich für Sam. Er hatte ein paar schwierige Saisons. Ihn jetzt wieder siegen zu sehen in seinen neuen Farben - Orange steht ihm übrigens - ist schön. Aber selbst ohne das Manöver wäre er wahrscheinlich noch an mir vorbeigekommen."

Der Respekt basiert auf Gegenseitigkeit: "Danke an Mitch, dass er so fair war. Es war einfach ein großartiges Rennen zwischen meinem alten Teamkollegen und mir."

Dennoch schwingt bei Evans natürlich auch die Enttäuschung über den in letzter Minute verlorenen Sieg mit. "Ich hatte das Gefühl, dass wir eigentlich alles richtig gemacht haben. Der Sieg war in greifbarer Nähe, aber es sollte heute nicht sein. Das ist natürlich sehr enttäuschend, aber vor dem Wochenende hätte ich Platz 2 dankend angenommen. Das sind gute Punkte", findet der neue Gesamtdritte.

Bird freut sich auf Party: "Werde mich nicht an heute Nacht erinnern"

Die ganz große Freude herrscht nach dem Sao Paulo E-Prix aber im Nissan-Lager, denn Bird holte im Kundenauto von McLaren tatsächlich den ersten Gen3-Sieg für den japanischen Hersteller. Zudem schaffte es Oliver Rowland im Werksfahrzeug auf den letzten Metern noch auf den dritten Platz.

"Ein Doppelpodium für Nissan - das hat es Jahre lang nicht gegeben. Jetzt kann jeder den Fortschritt sehen, der langsam, aber sicher passiert", sagt Bird. "Ich freue mich sehr für sie und natürlich auch für meine Jungs bei Neom McLaren."

"Das ist ein ordentlicher Schub, aber es gibt noch viel zu tun", mahnt Bird und scherzt anschließend: "Ich werde heute Nacht genießen - versteht mich nicht falsch. Ich werde mich nicht an heute Nacht erinnern. Aber es gibt trotzdem noch sehr viel zu tun und viele brillante Teams, zu unter den richtigen Bedingungen Rennen gewinnen können."

"Wir müssen nun verstehen, warum es so gut lief - und dann in Tokio an der Stelle weitermachen." Der erste Tokio E-Prix steigt bereits in zwei Wochen am 30. März. Das Feld scheint durch den Aufschwung der Nissan-Fahrzeuge näher zusammenzuliegen, als es in der Gen3-Ära je der Fall war.

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