Formel E

Keine DTM-Verhältnisse in der Formel E: FIA will laut Bericht Rennmanipulation durch Hersteller verhindern

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Nach dem Formel-E-Ausstieg der Hersteller Audi, BMW und Mercedes sowie der Aufgabe der Eigenentwicklung bei Penske und Kiro steht die Formel E vor dem Problem, dass einzelne Hersteller bis zu sechs Fahrzeuge mit ihren Antrieben ausstatten. Laut einem Bericht der Kolleg:innen von The Race will der Automobil-Weltverband FIA in der Gen4-Ära durch neue Regeln eine gezielte strategische Steuerung der Kundenteams durch den Hersteller verhindern. Besonders im Fokus: Porsche.

Viele Jahre war es gelebte Praxis in der DTM, dass die Hersteller die Taktik festlegen: Hatte sich eine der Marken auf einen Titelkandidaten festgelegt, mussten alle anderen Fahrer des Herstellers diesen auf der Strecke unterstützen, indem sie ihn freiwillig überholen ließen oder gegen Fahrer anderer Marken abschirmten. Die Folge: Teilweise mussten Fahrer ihre eigenen Siegchancen zugunsten eines Titelkandidaten zurückstellen, zudem waren sportlich fragwürdige Aktionen ("Timo, schieb ihn raus!") keine Seltenheit.

Da in der Formel E in den vergangenen Jahren eine deutliche Reduzierung der involvierten Hersteller zu beobachten ist, befürchten einige Teams auch hier Tendenzen in diese Richtung. Ausschlaggebend ist, dass bekannt wurde, dass Porsche eine zweite Team-Lizenz erworben hat und in der Gen4-Ära mit insgesamt vier Werksautos antreten wird. Außerdem vermuten Konkurrenten bei Cupra Kiro eine besonders enge Anbindung an Porsche.

Martino: "Wir werden Wege finden, das rückgängig zu machen"

Die FIA arbeite daher bereits an einem Regelwerk, um eine direkte Einflussnahme der Hersteller zu unterbinden. "Wenn Hersteller versuchen sollten, Positionen im Rennen durch Anweisungen an Fahrer gezielt zu steuern, werden wir Wege finden, das rückgängig zu machen und wieder für faire Bedingungen für alle Teilnehmer zu sorgen", so Pablo Martino, der Formel-E-Verantwortliche bei der FIA zu The Race. "Wir verschärfen für die kommende Saison das sportliche Reglement dahingehend, dass Team-Anweisungen verboten sind, wenn sie das Ziel haben, das Rennergebnis oder den Rennverlauf zwischen Wettbewerbern maßgeblich zu beeinflussen."

"Für uns ist es entscheidend, das bisherige Formel-E-System zu erhalten, weil es sehr gut funktioniert", fährt Martino fort. "Ein Kundenteam soll genauso konkurrenzfähig sein können wie ein Werksteam, bis hin zum Gewinn von Meisterschaften." Dies gelang zuletzt in Saison 9, als Envision Racing die Team- und Andretti-Pilot Jake Dennis die Fahrermeisterschaft in der Formel E gewannen.

Doch gerade Andretti-Teamchef Roger Griffiths ist einer derjenigen, die hier für die Zukunft eine Gefahr sehen. Der Vertrag mit Porsche über die Lieferung von Antrieben läuft am Saisonende aus, nachdem das Team sich in der Vergangenheit offenbar gegen Forderungen nach stärkerer sportlicher Unterstützung gewehrt haben soll. Gerüchten zufolge soll Andretti ab der kommenden Saison eine Partnerschaft mit Nissan eingehen.

Griffiths: "Wollen auf keinen Fall Zustände wie in der DTM"

"Wir machen uns definitiv Gedanken über Stallregie, egal ob innerhalb eines Teams oder teamübergreifend, besonders wenn ein Hersteller mehrere Teams beliefert", bestätigt Griffiths gegenüber The Race. "Wir wollen auf keinen Fall Situationen sehen, in denen Aktionen auf der Strecke künstlich das Rennergebnis beeinflussen. Manche Strecken sind so eng, dort reicht schon wenig aus, damit ein Hersteller mit mehreren Autos praktisch eine Straßensperre bildet, sodass ein Fahrer vorne wegfahren kann und alle anderen aufgehalten werden."

Er vertraut jedoch auf die Verantwortlichen, insbesondere bei der FIA, dass dies nicht eintreten wird: "Wir haben in anderen Rennserien bereits erlebt, wie vor einem Wochenende praktisch festgelegt wurde, wer gewinnen soll. Wir wollen auf keinen Fall Zustände wie damals in der DTM in die Formel E holen. Ich hoffe, dass sich das alles letztlich als unbegründet herausstellt und alle Teams vernünftig Rennen fahren. Am Ende soll einfach der Beste gewinnen."

Ähnlich sieht es Martino: "Als wir unsere Ideen, was die Regeln angeht, vorgestellt haben, haben die Teams insgesamt positiv reagiert. Natürlich wollen sie auch sehen, dass solche Regeln im Ernstfall konsequent angewendet werden. Aber im Grunde wird sich wahrscheinlich gar nicht so viel ändern im Vergleich zu heute. Wir wollen vor allem klarstellen, wie wir künftig mit unfairen Situationen umgehen werden."

Ob und inwieweit sich das jedoch wirklich durchsetzen lässt, ist unklar. Bereits heute laufen im Rennen große Teile der Funkkommunikation zwischen Fahrern und ihren Teams in Form von verschlüsselten Botschaften. Es dürfte äußerst schwierig werden, in der Praxis auch nachzuweisen, dass es sich um eine Anweisung seitens des Teams oder gar des Herstellers handelt.

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