Formel E

Kommentar: Audis Erbe

Timo Pape

Timo Pape

Am Mittwochmittag wurde bekannt, dass sich Audi aus Le Mans verabschiedet, um sich stattdessen in Zukunft der Formel E zu widmen. Eine wegweisende Entscheidung, die nicht nur das Motorsport-Engagement der Ingolstädter lenken könnte, sondern womöglich eine ganze Branche. Während die Formel E floriert, stellt sich die Frage: Wie wird es nun mit der WEC weitergehen? Auto-Journalist Thomas Imhof hat sich dem Thema für 'e-Formel.de' in einem ausführlichen Kommentar zugewandt.

Die Entscheidung von Audi, der WEC den Rücken zu kehren und sich der Formel E zuzuwenden, ist nicht weniger als das Ende einer Ära. Einer stolzen Ära, die 1999 mit einem ersten und noch recht bescheidenen Start in Le Mans begonnen hat. Der Beschluss ergibt aus konzernpolitischer Sicht jedoch viel Sinn. Es ist ein finanzieller Kraftakt, zwei Konzernmarken in der sündhaft teuren LMP1-Klasse gegeneinander antreten zu lassen. Und das ist in Zeiten, in denen alle Konzernmarken zum Sparen aufgefordert worden sind, wohl nicht mehr vermittelbar.

Dazu kommt, dass Audi in Le Mans und auch bei allen anderen Endurance-Klassikern alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Und sich nichts mehr beweisen muss. Jetzt zu neuen Ufern - in die Formel E - aufzubrechen, erscheint auch in Anbetracht der Produktentwicklung logisch. Denn ab 2018 sollen nach und nach die ersten rein elektrisch betriebenen Straßenfahrzeuge mit den Vier Ringen auf die Straße kommen.

Ohnehin wird das Reglement des ACO - der Veranstalter der 24 Stunden von Le Mans - für 2018 den Diesel weiter benachteiligen. Denn ab dann sind drei Hybridsysteme vorgeschrieben, was das schon jetzt sehr schwere Auto noch mehr ins Hintertreffen geraten ließe. Dazu kommt das mittlerweile arg ramponierte Image des Diesels. Aus vermarktungstechnischer Sicht lässt sich mit dem ins Zwielicht geratenden Motorenkonzept nicht mehr viel Positives kommunizieren.

Porsche hingegen hat eine lange Le-Mans-Vergangenheit und eine DNA, in der Motorsport sogar noch tiefer verankert ist als bei Audi.

Welche Auswirkungen der Audi-Rückzug auf die WEC hat, ist ungewiss. Denn laut Statuten der WEC müssen eigentlich immer drei Werke vertreten sein - sonst verliert die Serie ihren WM-Status. Und aktuell bleibt neben Porsche nur noch Toyota übrig.

Doch schon beeilt sich der Le-Mans-Veranstalter ACO, die Wogen zu glätten. In einer Pressemitteilung schreibt ACO-Präsident Pierre Fillon ein wenig geheimnisvoll: "Die eine Tür schließt sich, und dafür gehen andere auf. Mit der bereits erfolgten Ankündigung anderer Hersteller." Auch Gerard Neveu, CEO der WEC, sagt: "Ein Hersteller verlässt die Serie, andere werden bald kommen."

Welche Hersteller das sind, und wann sie einsteigen wollen, ließ er jedoch offen. Nun gilt es als offenes Geheimnis, dass Peugeot sehr an einem Comeback an der Sarthe interessiert ist. Noch ziert sich der gerade erst wieder aus den schlimmsten Turbulenzen befreite PSA-Konzern - angeblich wegen der immens hohen Kosten für ein LMP1-Projekt, in dem ab 2018 die höchste Leistungsklasse auf 10 Megajoule (bislang 8 MJ) angehoben werden soll.

Auch wenn kurzfristig kein drittes Werksteam einspringen wird, könnte die WEC dennoch weiterlaufen. Schon 2012 und 2013 gab es eine Ausnahmeregelung, weil Porsche seinen Einstieg bereits fest beschlossen hatte.

Porsche hat derweil den Verbleib in der WEC bis einschließlich der Saison 2018 bestätigt. "Wir sehen die Plattform WEC unverändert positiv. Es ist eine wichtige Serie, aus der wir bereits jetzt viele technische Entwicklungen ziehen konnten. Außerdem ist Le Mans ein Rennen, zu dem Porsche eine ganz besondere Beziehung hat", so ein Firmensprecher.

Neben Peugeot wird auch BMW als möglicher Neueinsteiger immer wieder genannt. Allerdings erst auf fernere Sicht. Es ist die für 2021 geplante Einführung einer Klasse für Brennstoffzellen-Motoren, welche die Bayern reizt. "Wir freuen uns, dass wir das mit der FIA und dem ACO derzeit besprechen", zitiert 'Motorsport-Total.com' BMW-Motorsportchef Jens Marquardt. Ein Engagement in der LMP1 wäre für BMW nur mit einem neuen und revolutionären Antriebskonzept sinnvoll, sagt Marquardt. Für den rein elektrischen Antrieb böte hingegen die wesentlich kostengünstigere Formel E die ideale Plattform.

Es tut sich also einiges im internationalen Motorsport. Und wie schön zu sehen, dass alternative Antriebskonzepte dabei eine immer wichtigere Rolle einnehmen.

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