Formel E

Kommentar: Maximilian Günther ist kein Zukunftstalent mehr

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Deutschland hat wieder einen Rennsieger in der Formel E! 609 Tage nach Daniel Abts Triumph-Fahrt von Berlin-Tempelhof 2018 krönte sich BMW-Pilot Maximilian Günther beim Santiago E-Prix zum jüngsten Rennsieger in der Formel E. Spätestens jetzt ist klar, dass man für den 22-Jährigen nicht mehr das Prädikat "Zukunftstalent" nutzen kann. Günthers Zeit ist jetzt, nicht in der Zukunft. Ein Kommentar.

Es ist schon faszinierend, wie sich die Dinge in der schnelllebigen Welt des Motorsports verändern können. Noch vor einem Jahr fuhr Maximilian Günther für das vermeintliche Hinterbänkler-Team Dragon Racing. Dort wurde er - trotz respektabler Leistungen in den ersten drei Saisonrennen - nach dem Santiago E-Prix überraschend auf die Ersatzbank gesetzt.

Die unerwartete Entscheidung von Dragon-Teamboss Jay Penske sorgte im Fahrerlager für jede Menge Verwirrung. Günthers Ersatzmann war der ehemalige Formel-1-Pilot Felipe Nasr. Dieser blieb bei seinen drei Einsätzen in der Elektroserie jedoch erfolg- und punktlos. Nach ein paar Wochen verabschiedete sich Nasr in die nordamerikanische IMSA-WeatherTech-Sportwagenmeisterschaft. Günther kehrte in Rom ins Formel-E-Cockpit zurück - noch nicht ahnend, was der Rest des Jahres bringen würde.

Nun also, zwölf Monate nach seiner zwischenzeitlichen Dragon-Zwangspause, ist der Oberstdorfer ein Rennsieger in der Elektroserie. Und zwar nicht für das - mit Verlaub - Chaos-Team von Jay Penske. Sondern mit einem Werksfahrer-Vertrag für einen der weltweit größten Automobilhersteller. Respekt!

Harte Arbeit zahlt sich aus

Während seiner Zeit in der Formel E sorgte Günther hin und wieder für Verstimmungen bei der Konkurrenz: Aggressive Strategien, beherzte Manöver und der eine oder andere Anfängerfehler - etwa sein Qualifying-Unfall in Diriyya oder sein Dreher in Rom - brachten ihm in der Saison 2018/19 den Ärger anderer Piloten ein, zum Beispiel von Felipe Massa in Chile, Mitch Evans in Berlin oder Pascal Wehrlein in New York. Letztlich fährt in der Formel E aber auch niemand, um gute Freunde zu finden.

Dass Günther trotzdem das Zeug zum Erfolgsfahrer hat, hat er im letzten Jahr mehrfach bewiesen. Zwei fünfte Plätze beim Comeback-Rennen in Rom und in Bern sowie eine Renn-Bilanz von 5:4 gegen seinen deutlich erfahreneren damaligen Teamkollegen Jose Maria Lopez sprechen für sich.

Erwartungen bei BMW werden steigen

Mit 22 Jahren ist Günther nun der jüngste Sieger in der Formel-E-Historie. Als Außenstehender lässt sich nur erahnen, wie viel Zeit und Kraft er in den Erfolg von Chile investiert haben muss. Ein Sieg in der Formel E kommt nie von ungefähr, egal mit welchem Team. Das gilt natürlich genauso für alle anderen Rennsieger in der Elektroserie. Für den Youngster, dem in seinem ersten Formel-E-Jahr aber allerlei Steine in den Weg gelegt wurden, ist die Erleichterung über den ersten Sieg wohl doppelt so groß.

Mit seinem Santiago-Triumph hat Günther einmal mehr bewiesen, dass man für ihn nicht mehr das Prädikat "Zukunftstalent" benutzen muss. Seine Zeit ist jetzt, nicht in der Zukunft.

Mit dem neuen Erfolg erhöhen sich die Erwartungen an den Deutschen jedoch gleichzeitig um ein Vielfaches. Nun hat er das Rezept zum Siegen gefunden, und BMW wird weitere Podien und Siege erwarten. Vielleicht ja sogar den Titel. Ob er dem Druck gewachsen ist, wird die Zeit zeigen. Günthers Leistungen in Chile machen aber in jedem Fall Lust auf mehr.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

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