Formel E

Kontaktfreudiges Formel-E-Debüt für David Beckmann: "Er hat mich aus dem Rennen genommen"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Close-up-Andretti-David-Beckmann-Jakarta-Formula-E

Mitten in der Saison 2023 hat der deutsche Nachwuchsrennfahrer David Beckmann am vergangenen Wochenende sein Formel-E-Debüt gegeben. Als Ersatzpilot für den weitaus erfahreneren Andre Lotterer bestritt der 23-Jährige den Jakarta E-Prix. Zwei Unfälle und viele neue Erkenntnisse begleiteten sein Wochenende, das er auch als Bewerbung für einen Stammplatz 2024 nutzen wollte.

Für David Beckmann wurde der Jakarta E-Prix 2023 zu einer Feuertaufe. Als Vertretung von Andre Lotterer, der an diesem Wochenende am Vortest für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilnahm, absolvierte der Deutsche in Indonesien seine ersten zwei Rennen in der Formel E. Im Schatten von Andretti-Teamkollege Jake Dennis blieb Beckmann punktlos. Dennoch blickt er mit Stolz auf sein Wochenende zurück.

"Ich glaube, ich habe an diesem Wochenende viel gelernt und mich immer wieder verbessern können. Noch einmal danke an Andretti für die Gelegenheit", sagte er nach dem Rennen. "Es war toll, ein Formel-E-Wochenende mit ihnen zu erleben. Jake (Dennis) hat ein großartiges Rennen absolviert. Ich freue mich sehr für das Team und das, was es hier in Jakarta erreicht hat."

Beckmann weist Ingenieur zurecht: "Lass mich mein Ding machen!"

Der ständige Vergleich zu Dennis dürfte für Beckmann Fluch und Segen zugleich gewesen sein. Denn einerseits bekam er Einblicke in die Fahrzeugdaten von einem der konstantesten und erfolgreichsten Piloten des Jakarta-Wochenendes. Andererseits machte der Vergleich Beckmann im Sonntags-Qualifying derart zu schaffen, dass er seinen Ingenieur am Teamfunk zurechtwies und darum bat, ihn "sein Ding" machen zu lassen.

Media-Pen-David-Beckmann-Andretti

"Ich würde lieber meinen eigenen Fahrstil nutzen, das geht besser", sagte er. "Wenn ich die Kurven wie Jake fahre, kann ich mich nicht verbessern." Beckmanns Ingenieur, Fabrice Roussel, willigte ein. Und siehe da: Beim nächsten Versuch fuhr Beckmann tatsächlich einige Zehntelsekunden schneller. Auf das Niveau von Dennis kam er dabei aber längst nicht. Während der der Brite wie schon samstags Startposition 2 ergatterte, erreichte Beckmann nur Rang 18.

Kontaktreiches Debüt - Unfälle mit den Veteranen

Beide Indonesien-Rennen verliefen für Beckmann kontaktreich. Bereits in der Startphase geriet er am Samstag mit Sebastien Buemi (Envision) aneinander, wobei der Deutsche einen Teil seines Frontflügels verlor. Die FIA-Stewards bewerteten den Crash als Rennunfall. Beckmann muss sich dennoch den Vorwurf gefallen lassen, dass er bei seinem Debüt vorsichtiger hätte antreten können.

Auch am Sonntag wurde der 23-Jährige in einen mehr oder weniger unverschuldeten Unfall mit einem Formel-E-Routinier verwickelt: Lucas di Grassi kollidierte in Kurve 16 mit dem deutschen Youngster, während beide um Position 16 kämpften. Di Grassi schob Beckmann in die äußere TecPro-Barriere, wobei der Andretti-Renner an der rechten Vorderradaufhängung beschädigt wurde. Die Rennaufgabe war unausweichlich: Den Mechanikern des US-Teams blieb nichts anderes übrig, als den Wagen vorzeitig ins die Garage zu schieben.

"Ich bin natürlich enttäuscht über den Kontakt", so Beckmann. "Ich habe Lucas genug Platz gelassen, um die Berührung zu vermeiden, aber es sah so aus, als hätte er die Kontrolle verloren und mich dann berührt. Somit hat er mich aus dem Rennen genommen. Bis dahin sah es recht gut aus: Ich konnte einige gute Überholmanöver setzen, und auch von der Energie her sahen wir stark aus. Ich denke, wir hätten viel weiter nach vorn kommen können, vielleicht sogar in die Top 10. Dann wären auch einige Punkte möglich gewesen."

Ticktum-Beckmann-Sette-Camara-Formula-E-Jakarta

Ob sich aus Beckmanns Jakarta-Einsatz eine längerfristige Gelegenheit ergibt, bleibt vorerst abzuwarten. Stammpilot Lotterer soll bereits beim nächsten Formel-E-Rennen in Portland (24. Juni) zurückkehren. Er könnte den Sitz aber zur Saison 2024 endgültig räumen, wenngleich eine offizielle Bestätigung dessen noch aussteht. Beckmann gilt als ein möglicher Kandidat für seine Nachfolge - doch ober den Zuschlag bekommt, liegt in den Händen von Andrettis Teamchef Roger Griffiths.

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