Formel E

Kostendeckel offiziell: FIA & Formel E beschließen umfassenden Finanzrahmen für Gen3-Ära

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Hinter den Kulissen verhandelte die Formel E seit mehr als einem Jahr mit Teams und Herstellern über einen Kostendeckel. Nun hat die FIA den neuen Finanzrahmen abgesegnet. Ab dem 1. Oktober 2022, also kurz vor dem Beginn der Gen3-Ära, müssen Rennställe und Antriebskonstrukteure ihre Ausgaben verstärkt kontrollieren.

Der Kostendeckel gliedert sich in zwei Teile auf, die am Mittwochabend vom FIA-Weltmotorsportrat (WMSC) bestätigt wurden. Der erste Abschnitt betrifft ausschließlich die Einsatzteams, die in den Saisons 2022/23 und 2023/24 höchstens 13 Mio. Euro pro Jahr ausgeben dürfen. Ausnahmen von diesem Finanzrahmen sind nur bei "bestehenden finanziellen Vereinbarungen" möglich, heißt es.

Ab der Saison 2024/25, dem elften Meisterschaftsjahr der Formel E, steigt der jährliche Etat auf 15 Mio. Euro. Teil des Budgets ab jener Saison sind unter anderem die Gehälter von Fahrern und Teampersonal. Bis zum 30. September 2024 fällt die Bezahlung der Rennpiloten noch nicht unter den Kostendeckel.

Höhere Kosten ab 2024/25 befeuern Gerüchte über Gen3 EVO

Die Anhebung des Kostenlimits begründet die Formel E mit der "zweiten Phase des Gen3-Autos, weiterem Investment in Talente und in aktuelle Entwicklungen". Die Formulierung könnte ein geplantes Facelift des Gen3-Fahrzeugs andeuten. Schon in der aktuellen Fahrzeuggeneration war nach zwei Jahren ursprünglich eine optische Überarbeitung des Einheitschassis geplant, genannt Gen2 EVO. Aus Kostengründen wurde die geplante Auto-Evolution während der Coronavirus-Pandemie aber gestrichen. Eine offizielle Bestätigung zu einem möglichen "Gen3 EVO" ab 2024/25 steht allerdings noch aus.

Auch die Antriebshersteller der Formel E müssen sich auf neue finanzielle Regeln einstellen. In den Saisons 9 und 10 dürfen Konstrukteure höchstens 25 Mio. Euro in die Forschung und Entwicklung ihrer Motoren-, Inverter- und Getriebepakete investieren. Ob anschließend auch das Herstellerbudget steigen wird, bleibt abzuwarten.

Übersicht: Der jährliche Gen3-Finanzrahmen für Hersteller & Teams der Formel E

Saison (Jahr) Kostendeckel Teams Kostendeckel Hersteller
Saison 8 (2022) unbegrenzt unbegrenzt
Saison 9 (2022/23) 13 Mio. Euro 25 Mio. Euro
Saison 10 (2023/24) 13 Mio. Euro 25 Mio. Euro
Saison 11 (2024/25)
 
15 Mio. Euro
 
TBA
 

Zum Vergleich: In der Formel 1 sind die jährlichen Ausgaben aller Rennställe auf je 145 Mio. US-Dollar (ca. 128 Mio. Euro) gedeckelt. Ausgenommen von den Ressourcenbeschränkungen der Formel 1 sind derzeit Kosten für Marketing, Reisen, Immobilien, Fahrer-Gagen sowie für das Gehalt der drei bestbezahlten Mitarbeiter:innen. Die F1-Budgetobergrenze soll in den kommenden Jahren zunächst auf umgerechnet 124 Mio. (2022) und anschließend auf 119 Mio. Euro (2023) gesenkt werden.

Reigle stolz: 18 Monate an regulatorischem Rahmen gearbeitet

Auch angesichts der astronomischen Preise in der Formel 1 ist Jamie Reigle stolz auf die Einigung auf einen Formel-E-Kostendeckel. "In den vergangenen 18 Monaten haben wir eng mit der FIA und allen Teilnehmern der Formel-E-Weltmeisterschaft zusammengearbeitet, um einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, der die langfristige finanzielle Nachhaltigkeit für alle Teilnehmer der Formel E untermauert", so der Geschäftsführer der Elektroserie.

"In Kombination mit den jüngsten Verbesserungen unseres technischen Reglements und der sportlichen Formate wird dieser Kostendeckel das Wertversprechen der Formel E stärken. In Zusammenarbeit mit der FIA haben wir einen Rahmen geschaffen, der den langfristigen finanziellen Erfolg in den Mittelpunkt der Meisterschaft stellt und unsere bestehenden Teams und Hersteller unterstützt sowie neue Wettbewerber und Investoren anzieht."

Auch Frederic Bertrand, Direktor der Formel-E-Abteilung der FIA, lobt die "enge Zusammenarbeit" zwischen Teams, Herstellern und der Meisterschaft: "Das Ergebnis erfüllt alle Erwartungen und wird den Beteiligten eine klare Vorstellung davon geben, wohin sich die Meisterschaft entwickelt."

"Sie können nun mit Zuversicht für die Zukunft planen", so der Franzose. "Die Verabschiedung dieser Maßnahmen ermöglicht es der Formel E, den Herstellern die perfekte Plattform zu bieten, um ihre Technologien auf einem kontrollierten Kostenniveau zu präsentieren und gleichzeitig die Chancengleichheit zwischen den Teams zu wahren."

Das finanzielle Reglement wird durch die "Cost Cap Administration" der FIA durchgesetzt, die die Einhaltung der Vorgaben überwacht, mögliche Verstöße untersucht und die Dokumentation des Reglements aktualisiert.

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