Formel E

"Letzte Generation" stört Formel-E-Rennen in Berlin: Polizei leitet Ermittlungen ein, Fahrer reagieren mit Unverständnis

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Kurz vor dem Start des Formel-E-Laufs in Berlin kam es zu einer Protestaktion auf der Start- und Zielgerade der Rennstrecke. Mehrere Demonstrant:innen kletterten dabei über einen Fangzaun des Kurses auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof und setzten sich vor die Rennautos. Sechs Personen wurden festgenommen. Die Polizei hat ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet. Während die Formel E den Sicherheitskräften dankt, reagierten die Fahrer größtenteils mit Unverständnis auf die Aktion.

In Social-Media-Videos ist zu sehen, wie die Personen gleichzeitig von Tribünenplätzen in Richtung des mehrere Meter hohen Zauns liefen. Sie kletterten den Zaun hoch und sprangen anschließend auf die Strecke. Dort beschleunigten die ersten Piloten schon in ihre Startboxen. Sicherheitskräfte sowie die Polizei entfernten die Demonstrierenden kurz darauf von der Strecke. Da auch eine zunächst nicht weiter definierte Substanz auf dem Kurs gemeldet wurde - die Polizei Berlin geht von Klebstoff aus -, gab FIA-Rennleiter Scot Elkins den E-Prix erst mit einer Verspätung von sechs Minuten frei.

"Ich werde heute das Formel-E-Autorennen in Berlin unterbrechen (…) und wünschte, ich müsste das nicht tun", sagt eine "Letzte Generation"-Demonstrantin in einem nach der Aktion auf Twitter veröffentlichten Video. In der Klimapolitik der deutschen Bundesregierung sei eine "Vollbremsung" nötig, "um unsere Lebensgrundlagen noch angemessen schützen zu können, anstatt hier so viel unnötige Energie zu verballern."

Formel-E-Sprecher: "Aktion hing nicht mit Veranstaltung zusammen"

Ein Sprecher der Formel E reagierte auf Anfrage von 'e-Formel.de' am Sonntagnachmittag mit einem knappen Statement auf die Protestaktion: "Das Rennen wurde vorübergehend verzögert, während die örtlichen Behörden auf eine Protestaktion reagierten, die nicht mit der Veranstaltung zusammenhing. Die Sicherheitsdienste haben die Störung schnell und sicher eingedämmt. Die Veranstaltung konnte wie geplant fortgesetzt werden."

Die Polizei Berlin bestätigte gegenüber 'e-Formel.de', dass Strafermittlungsverfahren gegen die in Gewahrsam genommenen Protestierenden eingeleitet worden seien. In diesem Zuge finden derzeit Vernehmungen statt.

Di Grassi: "Ich dachte nur: What the fuck?!"

Nach dem Rennen merkten mehrere Fahrer an, wie gefährlich die Aktion gewesen sei. "Zuerst habe ich vermutet, dass es ein Sportwart mit gelben Flaggen wäre. Dann sprang die Person aber über den Zaun und setzte sich direkt vor mein Auto. Ich dachte nur: What the fuck?!", erinnert sich Lucas di Grassi, als wir ihn gemeinsam mit Medienkollegen auf den Protest ansprechen. "Sie sollten lieber in einem Museum oder anderswo demonstrieren gehen. Vor allem für ihre eigene Sicherheit. Ich glaube, jetzt habe ich in der Formel E alles gesehen!"

Pole-Sitter Robin Frijns (ABT Cupra) beobachtete die Szenen vor allem in seinen Rückspiegeln. "Ich finde das traurig", erklärt uns der Niederländer. "Ich habe diese Leute noch nie verstanden. Wir versuchen hier, dem Klima zu helfen und der Welt zu zeigen, dass Elektromobilität besser für die Erde ist. Und dann kommen sie her und machen so etwas. Ich habe dafür kein Verständnis."

Antonio Felix da Costa (Porsche) sieht das ähnlich: "Wir kämpfen doch eigentlich für die gleiche Sache. Wir sind mit Abstand die nachhaltigste und ökologischste Motorsportserie, die je existiert hat. Wir wollen die Menschen davon überzeugen, elektrisch zu fahren und zeigen, dass E-Autos cool und schnell und effizient sind. Daher verstehe ich das Ganze nicht. Ich hoffe, dass es allen gut geht."

Demonstrant direkt vor Hughes' Auto - "lebensgefährlich!"

Auch vor das Auto von Jake Hughes (McLaren) setzte sich ein Demonstrant. "Die Formel E ist sehr schnell mit der Situation umgegangen", lobt er die Sicherheitskräfte. "So etwas sehen wir heutzutage immer öfter, deswegen hat es mich nicht allzu sehr überrascht. Trotzdem: Wann auch immer jemand über einen Zaun springt, wird es lebensgefährlich! Einerseits für sie, aber auch für uns und andere Fans."

Ob ausgerechnet die Formel E, eine Rennserie für Autos mit elektrischen Antrieben, die richtige Meisterschaft für einen solchen Protest sei? "Dazu habe ich nicht zu viel zu sagen. Sie möchten halt einfach eine Bühne haben."

Es ist nicht das erste Mal, dass Aktivist:innen Motorsportveranstaltungen stören. Unter dem Motto "Just Stop Oil" hatte eine Gruppe während des Formel-1-Rennens in Silverstone 2022 den Streckenbereich betreten und auf einer Geraden ein Transparent entfaltet. Für die Formel E war die Aktion hingegen eine Premiere - die glücklicherweise ohne Verletzte ausging.

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3 Kommentare

Björn ·

Auch wenn diese Demonstranten lediglich eine Bühne für ihre Proteste suchen, dann geht es eigentlich kaum dümmer, als bei der Formel E - certified net zero carbon since inception - so eine Aktion zu bringen. Ein bisschen sollte sich die Formel E geschmeichelt fühlen, dass sie von den "Aktivisten" als groß und wichtig genug angesehen wird, um hier in Aktion zu treten.

Martin ·

Großartige Aktion ! Win-Win. Die Formel-E und die Klimakatastrophe bekommen Aufmerksamkeit. Es wird überall in den Schlagzeilen stehen, dass es eine Motorsportserie gibt, die Klimafreundlich sein möchte.

Max ·

Schade dass eine solch inhaltsleere Show-Truppe so wichtige Themen wie Umweltschutz, regenerative Energien und Ressourcenabbau besetzen will. Damit schaden sie der Sache mehr, als sie ihr Nutzen bringt. Es führt nur noch zu mehr Security, mehr Sicherheitszäune, mehr Kontrollen. Und keine bessere Umwelt.

Bei Forderungen wie dem 9€-Ticket und Tempo 100 riecht man förmlich die Naivität. Und wenn es das mit dem konstruktiven Inhalt gewesen sein soll, von der Truppe die sich selbst gerne "die Welt retten" sieht... traurig... bringt ungefähr soviel wie ein warmer Abgang in die Windel.

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