Lola trennt sich von ABT & übernimmt Formel-E-Einsatz in der Gen4-Ära selbst
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Großer Paukenschlag in der Formel E am Dienstag: Lola hat bekannt gegeben, ab dem Saisonende 2025/26 nicht länger mit dem deutschen Team ABT Sportsline zusammenzuarbeiten. Damit verschwindet der Name ABT nach der zwölften Formel-E-Saison bereits zum zweiten Mal aus der Elektroserie. Stattdessen wird Lola die Gen4-Boliden ab Ende 2026 in Eigenregie in der Formel E einsetzen.
Ein Statement von Mark Preston, Teamchef von Lola Yamaha ABT und Motorsportdirektor von Lola Cars kündigt eine strategische Neuausrichtung des Formel-E-Projektes an, das bislang gemeinsam mit dem technischen Partner Yamaha und dem Einsatzteam ABT Sportsline bestritten wurde.
"Mit dem fortgesetzten Wachstum der Organisation, dem langfristigen Engagement für die Formel E und zusätzlichen Projekten in der Pipeline hat Lola Cars die Entscheidung getroffen, seine Formel-E-Aktivitäten künftig intern an unserem Hauptsitz in Silverstone zu bündeln", so das Statement im Wortlaut.
Und weiter: "Das wird uns ermöglichen, Abläufe zu verschlanken, Expertise für anstehende Projekte aufzubauen und Innovationen durch den Motorsport besser voranzutreiben. ABT war unser bevorzugter Partner, um das Team zu betreiben, als wir in die vollelektrische Rennserie eingestiegen sind: Mit umfassender Erfahrung und technischer Kompetenz in der Formel E. Wir möchten uns bei ihnen für ihre harte Arbeit und ihren Einsatz in unseren ersten beiden Saisons in diesem Sport bedanken und freuen uns darauf, bis zum Ende der Saison 12 weiterhin mit ihnen zusammenzuarbeiten."
A statement from Team Principal Mark Preston.
— Lola Yamaha ABT (@Lola_Yamaha_ABT) January 27, 2026
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Konkret bedeutet das, dass das ABT-Team mit Saisonende aus dem gemeinsamen Projekt und damit aus der Formel E ausscheidet. Stattdessen wird Lola den Einsatz in Zukunft selbst durchführen. Das hatte sich in der Vergangenheit bereits angekündigt: So fuhr das Team bereits in der Saison 2024/25 unter britischer statt unter deutscher Flagge. Auch das (deutsche) PR-Team wurde ausgetauscht. Vor Beginn der Saison 2025/26 gab es dann den Wechsel an der Spitze des Teams, Mark Preston übernahm die Rolle des Teamchefs von ABT-CEO Thomas Biermaier, der sich nach dem Ausscheiden von Martin Tomczyk aus der DTM-Teamführung mehr auf die GT3-Serie fokussieren wollte.
Biermaier: "ABT wird die Formel E verlassen"
In einem Statement, das e-Formel.de auf Anfrage von ABT Sportsline erhielt, teilt CEO Thomas Biermaier mit: "ABT wird die Formel E am Ende dieser Saison verlassen. Lola hält die Lizenz und hat sich entschlossen, die Formel-E-Aktivitäten nach Silverstone zu verlegen. Wir respektieren diese strategische Entscheidung".
Die Zusammenarbeit habe ihren Zweck erfüllt: "Wir haben das Ziel erreicht, für Lolas Einstieg eine starke operative Grundlage zu schaffen." Für den Rest der Saison kündigt Biermaier "vollen Einsatz" an: "Wir werden alles geben, um die bestmöglichen Resultate zu erzielen und zugleich eine transparente, professionelle Übergabe sicherstellen."
Das Kapitel Formel E sei aber nicht endgültig abgeschlossen: "Wir machen die Tür für eine spätere Rückkehr nicht zu, wenn sich die passende Gelegenheit ergibt. Wenn die wirtschaftlichen, kommerziellen und finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, werden wir die Situation neu bewerten. Wir führen derzeit aber keine aktiven Gespräche bezüglich Gen4 oder anderer Hersteller."
Die Geschichte von ABT in der Formel E
ABT hat eine lange, erfolgreiche Vergangenheit in der Formel E: Als eines der Gründungsteams war man seit dem ersten Rennen dabei, das man sogar gleich gewann. Zunächst mit Audi als technischem Partner, übernahm der Hersteller im Sommer 2017 das Team und führte es als Audi-Werksteam weiter. Dennoch stellte ABT bis zum Formel-E-Ausstieg von Audi am Ende der Saison 2021 das Einsatzteam.
Nach einem Jahr Formel-E-Abstinenz kehrte ABT zur Saison 2023 mit Titelsponsor Cupra und Antrieben von Mahindra in die Elektroserie zurück. Nach zwei Saisons am Ende des Feldes folgte die Trennung von Antriebslieferant Mahindra, stattdessen begann ab Saison 11 (Ende 2024) eine Partnerschaft mit Lola Cars, was später in der Übernahme des operativen Einsatzes mündete.
Insgesamt gewann das Team ABT bislang 14 E-Prix, den Fahrertitel 2016/17 mit Lucas di Grassi sowie den Teamtitel 2017/18 mit di Grassi und Daniel Abt. Mit 1.490 Punkten belegt man den vierten Platz in der ewigen Bestenliste hinter Nissan (inkl. e.dams), Envision Racing und Jaguar.
Bis dass dieser traditionsreiche Name aus der Formel E verschwindet, stehen zunächst aber noch 15 weitere Rennen des Teams Lola Yamaha ABT in Saison 12 an. Bereits am Samstag steht das erste davon auf dem Terminkalender: In Florida wird der insgesamt dritte Miami E-Prix ausgetragen.
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