Formel E

Elektrorennen durch die Messehalle: Die XXL-Vorschau zum London E-Prix 2021

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

ExCeL-London-Showcar-Formula-E

Zum ersten Mal seit dem kontroversen Saisonfinale 2016 kehrt die Elektrorennserie am kommenden Wochenende (24./25. Juli) zurück in die britische Hauptstadt London - und zwar mit einem einzigartigen "Indoor/Outdoor-Kurs" an der Themse. Der E-Prix im ExCeL-Zentrum zählt bei vielen Fahrern und Teams zu den größten Highlights der Saison.

Schließlich haben mit Nio 333, Mahindra, Virgin, Mercedes, Dragon, Andretti und selbstverständlich dem britischen Hersteller Jaguar gleich sieben Teams einen wichtigen operativen Standort im Vereinigten Königreich. Hinzu kommen die sieben britischen Fahrer Jake Dennis, Sam Bird, Alexander Sims, Alex Lynn, Oliver Turvey, Tom Blomqvist und Oliver Rowland sowie die "Formula E Operations" selbst, deren Zentrale im Stadtzentrum Londons liegt.

Die neue Rennstrecke befindet sich auf dem ExCeL-Messegelände unweit des London City Airport. Teile des Kurses, darunter auch die Boxengasse und die Start-/Zielgerade, führen dabei durch eine Messehalle. Die besonderen Anforderungen des Hybridkurses stellen die Verantwortlichen vor zahlreiche Herausforderungen. Worauf es am Wochenende in London ankommt, erfährst du in unserer Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss

Seit fast einem Jahrtausend ist London die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs beziehungsweise dessen Vorgänger. Als Sitz der Regierung und des britischen Königshauses entwickelte sich London im Mittelalter zu einem bedeutenden Handelsplatz in Europa, wurde im 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des Britischen Weltreiches und ist heute ein bedeutsames Kultur- und Finanzzentrum. Inzwischen leben etwa 14,2 Millionen Menschen in der Metropolregion London.

Die Formel-E-Rennstrecke befindet sich im Docklands-Stadtteil, der einst der größte Hafen der Welt war. In unmittelbarer Nähe des Kurses, der sich in den Messehallen des ExCeL-Zentrums befindet, liegt der London City Airport.

Rückspiegel | Was seit dem New York City E-Prix geschah

In der nur zweiwöchigen Zeitspanne zwischen den Formel-E-Rennen in New York und London beschäftigte das Fahrerlager vor allem eine entscheidende Formatanpassung. Aufgrund des geringen Vollstromanteils der Rennstrecke in Großbritannien entschied sich die FIA, die nutzbare Energiemenge für den London E-Prix von 52 auf 48 kWh zu reduzieren. Somit soll das Überholen erleichtert werden.

Auch Überlegungen zur Zukunft der Formel E machten die Runde. In einem Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de' sagte Jaguar-Racing-Chairman Gerd Mäuser, dass eine Qualifying-Formatanpassung ab 2022 "ziemlich sicher" sei. Roger Griffiths erklärte indessen, dass das Team Andretti Interesse daran habe, einen US-amerikanischen Fahrer für die nächste Saison unter Vertrag zu nehmen.

Zeitplan | Das Formel-E-Rennen im Vereinigten Königreich

Anders als üblich startet das Formel-E-Rennwochenende in London bereits am Freitag - vermutlich, um die Sendezeit für den kürzlich vorgestellten britischen TV-Partner "Channel 4" zu verbessern. Das 1. Freie Training startet bereits am Freitagnachmittag, sodass am Samstag und Sonntag nur noch jeweils ein Training, Qualifying und Rennen ausgetragen werden.

Session Freitag (23.07.) * Samstag (24.07.) * Sonntag (25.07.) *
Shakedown k.A.    
1. Freies Training 18:00-18:45 Uhr    
2. Freies Training   10:00-10:30 Uhr  
3. Freies Training     09:00-09:45 Uhr
Qualifikation   12:00-13:00 Uhr 11:00-12:00 Uhr
Rennen   16:04 Uhr 15:04 Uhr

* alle Zeiten in MESZ

Strecke | Einzigartiger Indoor-&-Outdoor-Kurs in London

Es gilt als Premiere im internationalen Motorsport: Die Formel-E-Weltmeisterschaft nutzt in London eine Strecke, die in Teilen durch eine überdachte Messehalle führt. Um den Boden des ExCeL-Zentrums nicht zu beschädigen, wurde der Indoor-Teil des Kurses mit Epoxidharz behandelt, der nach dem Aushärten eine schützende Kunststoffschicht bildet. Der Outdoor-Bereich führt entlang der Mauern des Messezentrums, passiert zwei Bahnhöfe und überquert einen Parkplatz, der direkt an der Themse liegt.

Auf 2,252 Kilometern warten insgesamt 22 Kurven auf die Piloten, darunter die Doppel-Haarnadel (Kurven 10/11) direkt an einer Bahnstrecke im nördlichen Teil des Kurses sowie der technisch anspruchsvolle Schlusssektor (insbesondere Kurven 16-20). Die Strecke, die im Uhrzeigersinn befahren wird, bietet mehrere Rekuperationsmöglichkeiten, um Energie zurückzugewinnen. Zugleich ist der Vollstromanteil ausgesprochen gering, weshalb die FIA vor dem Rennen entschied, die nutzbare Energie auf 48 kWh zu begrenzen.

Die Attack-Zone befindet sich in Kurve 16. Eine weitere Besonderheit: Der Indoor-Abschnitt der Rennstrecke liegt deutlich höher als der Outdoor-Bereich, weshalb die Formel E vergleichsweise steile Rampen nutzen muss, um das vier bis fünf Meter höher gelegene "erste Stockwerk" des ExCeL-Gebäudes zu erreichen.

TV & Livestream | Der London E-Prix der Formel E

Der London E-Prix 2021 wird in Deutschland von Sat.1 ausgestrahlt. Im Programm von 'ran racing' zeigt der Privatsender beide Rennen aus Großbritannien in voller Länge, die Vorberichterstattungen beginnen jeweils eine halbe Stunde vor dem Start des E-Prix. Wie schon in Puebla werden Tobi Schimon und Daniel Abt das Rennen an den Mikrofonen begleiten. Auch im kostenpflichtigen Eurosport Player kannst du das Event in Deutschland verfolgen, Eurosport 2 zeigt zudem am Samstag- und Sonntagabend eine Wiederholung des London E-Prix.

Alle Freien Trainings sowie die Qualifyings kannst du in einem kostenfreien Livestream auf e-Formel.de verfolgen. Wir begleiten das gesamte Rennwochenende zudem in unserem LGT Formel-E-Liveticker, der sich ideal als "Second-Screen" für zusätzliche Informationen oder als Lösung für unterwegs anbietet.

>>> ausführliche TV- & Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in London

In Österreich bietet ORF Sport online eine Liveübertragung aus London an. Auch bei ORF 1 kannst du die Formel E verfolgen, durch die Ausstrahlung der Olympischen Spiele in Tokio und einen ZIB-Nachrichtenüberblick beginnen die Übertragungen an beiden Tagen jedoch zeitverzögert ab 17:00 Uhr. In der Schweiz zeigt MySports One die E-Prix live, Eurosport 2 sendet am Abend eine Wiederholung.

Qualifying-Gruppen | Übersicht für den London E-Prix

In der Formel E werden die Fahrer für das Qualifying in Sechsergruppen eingeteilt. Die Rennserie verfolgt damit das Ziel, allen Piloten (zumindest in der Theorie) die Gelegenheit zu einer "freien Runde" zu geben.

Die Aufteilung der Gruppen erfolgt anhand der aktuellen Zwischenstände in der Fahrermeisterschaft: Die besten sechs Fahrer starten in Gruppe 1, ihre nächsten Verfolger in Gruppe 2 und so weiter. Für den London E-Prix ergeben sich die folgenden Gruppen.

Wettervorhersage | "Englischer Sommer" mit hoher Regenwahrscheinlichkeit

London begrüßt die Formel E voraussichtlich mit warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Am Samstag (15 bis 24°C) und Sonntag (16 bis 21°C) besteht eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von über 95 Prozent, nachmittags sind neben Schauern zudem Gewitter möglich. Die Zuverlässigkeit der Wettervorhersage ist einige Tage vor dem Event zwar eingeschränkt. Es sieht dennoch ganz danach aus, als müssten sich die Teams der Elektrorennserie auf zwei typische "englischen Sommertage" einstellen.

Fast Facts | London

  • In London leben laut einer Volkszählung im Jahr 2020 insgesamt 8,96 Mio. Menschen. Die Stadt hat somit mehr Einwohner:innen als die gesamte Republik Österreich (8,93 Mio.).
  • London wurde nach der normannischen Eroberung im Jahr 1066 zur Hauptstadt des Königreichs England. Seither wurden zahlreiche Gesetze erlassen, die bis heute gültig sind. So ist es seit 1313 beispielsweise verboten, im britischen Parlamentsgebäude eine Ritterrüstung zu tragen.
  • Bei allen bisherigen Ausgaben des London E-Prix fiel eine Entscheidung um den Meistertitel - und auch der aktuelle Gesamtführende Sam Bird (Jaguar) könnte bei seinem Heimrennen schon den "Sack zu machen". Damit ihn seine Konkurrenten in Berlin nicht mehr einholen können, müsste er in London seinen Punktevorsprung auf 60 Zähler ausbauen. Angesichts des knappen 5-Punkte-Puffers, der ihn derzeit von Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) trennt, ist das jedoch eher unrealistisch.
  • Zeitgleich mit dem London E-Prix finden die Olympischen Spiele in Tokio statt. Auch das ExCeL-Zentrum war einst Schauplatz olympischer Disziplinen: 2012 wurden im Messezentrum Medaillen in den Disziplinen Boxen, Ringen, Judo, Taekwondo, Gewichtheben, Tischtennis und Fechten vergeben, bei den Paralympics in den Wettkämpfen Rollstuhlfechten, Tischtennis, Judo, Powerlifting, Sitzvolleyball und Boccia.
  • Das ExCeL hat eine Fläche von über 400.000 Quadratmetern. Um die gesamte Grundfläche mit Formel-E-Autos zu belegen, bräuchte man 43.796 Rennfahrzeuge.

Video: Die Highlights des London E-Prix 2016 (Sonntag)

Prognose | It's Coming Home!

Für die Formel E, die ihren Hauptsitz im Zentrum Londons hat, ist der London E-Prix ein mit Spannung erwartetes "Heimspiel". Schließlich beendete die Elektrorennserie ihre ersten zwei Saisons mit spektakulären Events im Battersea Park, kehrte seither allerdings nicht an die Themse zurück. Das geplante Comeback im Sommer 2020 musste abgesagt werden, nachdem das ExCeL-Zentrum zu einem temporären Krankenhaus für Corona-Patient:innen umfunktioniert wurde.

Nach der ausgezeichneten Leistung beim New York City E-Prix zählen die Fahrer von Jaguar Racing zweifelsfrei zum Favoritenkreis. Sam Bird führt dank seines New-York-Rennsiegs derzeit die Meisterschaft an, Mitch Evans rangiert durch seinen späten Fahrfehler im Sonntagsrennen "nur" auf Platz 8.

Die Abstände in der Fahrerwertung sind jedoch auch in London ausgesprochen klein. Bird führt mit gerade einmal fünf Zählern vor Antonio Felix da Costa, der in der Fahrer-WM punktgleich mit Robin Frijns (Virgin) auf Platz 2 liegt. Mit einem Sieg und allen Bonuspunkten könnte allerdings sogar Jake Dennis (BMW), derzeit in der Fahrerwertung auf Platz 15, im ersten London-Rennen die Gesamtführung übernehmen.

Wie üblich werden die Qualifying-Gruppen eine entscheidende Rolle spielen. Zwar dürfte der Effekt der Streckenentwicklung durch den Indoor-Abschnitt der Strecke kleiner als zuletzt in New York sein. Dennoch rechnen die Teams derzeit damit, dass insbesondere die Gruppen 3 und 4 einen Vorteil haben könnten. Samstags führt somit kein Weg an Fahrern wie Stoffel Vandoorne (Mercedes), Maximilian Günther (BMW) oder auch Sergio Sette Camara (Dragon) vorbei. Ob die besten Qualifyer sich jedoch auch im Rennen an der Spitze halten können, bleibt abzuwarten.

Mercedes will sich zweifelsohne aus dem aktuellen Formtief erholen und den Weg zurück in die Top 5 finden. Frijns ist hingegen motiviert, endlich seinen ersten Rennsieg des Jahres zu feiern. Fans sollten zudem auf den einst Gesamtführenden Nyck de Vries (Mercedes) achten, der in den letzten sechs Rennen nur einmal in die Punkte fahren konnte. Doch auch ein "Heimsieg" eines Briten ist nicht unmöglich, schließlich starten samstags fünf der sieben Piloten aus dem Vereinigten Königreich in den Qualifying-Gruppen 3 oder 4.

Übrigens: Auch in diesem Jahr haben unsere Leser eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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