Formel E

Lucas di Grassi über Umweltschutz & Business: "Versuche, mit gutem Beispiel voranzugehen"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Obwohl die Formel E zu den "grünsten" Rennserien im Portfolio der FIA gehört, verursacht auch die Elektroserie jährlich mehrere tausend Tonnen CO2-Emissionen. Neben dem Transport der Fahrzeuge zählen insbesondere Geschäftsreisen zu den größten "Klimasünden" der Akteure in der Formel E. Trotz etlicher Flüge versucht Lucas di Grassi, mit einem guten Beispiel voranzugehen.

In den nächsten Jahren möchte die Formel E vollkommen klimaneutral agieren, also mindestens genauso viele Treibhausgase binden, wie sie verursacht. Dennoch sei das Erreichen eines "Netto-Null-Ziels" schwer, behauptet Audi-Fahrer Lucas di Grassi. Im Interview mit 'e-Formel.de' erläutert er: "Für die Industrie ist es eine komplizierte Metrik, wenn man im gesamten Produktionsprozess 'null Emissionen' erreichen möchte."

"Ist es noch 'netto null', wenn man die Maschinen in der Herstellung eines Produkts nicht beachtet? Oder die Gerätschaften, die in der Gewinnung von Materialen und Rohstoffen genutzt werden? Das Gummi an den Reifen der Lastwagen, die das Produkt transportieren? 'Netto null' ist schwer, wenn man die gesamte Produktionskette beachtet", erklärt di Grassi.

Di Grassi, Tausendsassa der Formel E

Der Brasilianer engagiert sich seit einigen Jahren für ökologische Initiativen. Erst kürzlich gründete er mit einem Geschäftspartner den "ZERO Summit", bei dem er in Lateinamerika innovative Lösungen für aktuelle Probleme aufzeigen möchte. Er ist zudem Mitbegründer des Start-ups EDG Bikes, das in seinem Heimatland Brasilien Leichtbau-Fahrräder mit Elektromotoren produziert, sowie Partner des Metallurgie-Unternehmens CBMM Niobium.

"Für alle Aktivitäten habe ich gute Partner, sodass ich mich vollkommen auf den Rennsport fokussieren kann. Das ist in den nächsten Jahren meine Priorität", sagt di Grassi dennoch. "Alle Nebenprojekte sind natürlich interessante Initiativen, mit denen die Gesellschaft verbessert werden kann. Und natürlich sehe ich darin auch ein geschäftliches Potenzial. Gerade weil ich (im Motorsport) ständig mit innovativen Technologien konfrontiert bin, möchte ich daraus einen Vorteil ziehen, statt am Strand zu sitzen und nichts zu machen."

Aufforstungsprojekt in Brasilien

"Das kommt allerdings auch zu einem Preis: Im letzten Jahr habe ich 154 Flüge hinter mir", gibt di Grassi zu. "Ich versuche aber, diese Flüge zu kompensieren. Ich habe einen Hektar Regenwald in Brasilien gekauft, der zuvor komplett gerodet wurde. Ich helfe dabei, ihn wiederaufzuforsten. Ein Hektar ist genug, um 500 Flüge auszugleichen. Ich versuche also schon, mit gutem Beispiel voranzugehen und das zu machen, von dem ich immer rede."

Dass das Pflanzen von Bäumen jedoch nicht ausreiche, erklärte der Brasilianer bereits vor einigen Wochen mit Bezug auf die Umweltschutz-Pläne der Formel 1. Immerhin: In der nahen Zukunft muss di Grassi zumindest für die Formel E keine neuen Flüge antreten. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist die aktuelle Saison vorübergehend ausgesetzt. Der Audi-Pilot weilt deshalb seit einiger Zeit in Brasilien und wird wohl auch noch dort bleiben, denn vor Juli wird die Formel E nicht wieder anrollen.

Foto: Peter Minnig / Spacesuit Media

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