Lucas di Grassi nach Formel-E-Abschied als Fahrer: "Formel E kann sich verzehnfachen"
Tobias Wirtz
FIA Formula E
Nach zwölf Saisons in der Formel E hat Lucas di Grassi in London seinen letzten E-Prix als Fahrer bestritten. Der Brasilianer will der Rennserie jedoch verbunden bleiben und kann sich künftig sogar eine Managementrolle vorstellen. Gleichzeitig sieht der Formel-E-Pionier enormes Wachstumspotenzial: Seiner Meinung nach lässt sich die Formel E leichter "verzehnfachen" als die Formel 1.
"Ich würde gerne auf irgendeine Weise mit der Formel E verbunden bleiben, vielleicht in einer Managementrolle", sagt Lucas di Grassi bei einer Medienrunde, an der auch e-Formel.de teilnahm. "Es gibt viele Dinge, die man in der Formel E tun kann, vor allem um die Serie weiterzuentwickeln und ihr beim Wachstum zu helfen. Ob innerhalb der Formel E oder als externer Partner, ist für mich eigentlich egal."
Di Grassi glaubt, dass er seine langjährige Motorsport-Erfahrung in verschiedenen Bereichen einbringen könnte. Gleichzeitig lobt er die Arbeit von Formel-E-CEO Jeff Dodds und dessen Team. "Ich habe im Motorsport viel Erfahrung und Fachwissen gesammelt, das ich in ganz unterschiedlichen Bereichen in die Serie einbringen könnte."
Auch außerhalb des Cockpits war di Grassi bereits mehrfach unternehmerisch aktiv. Zu seinen Projekten gehörten unter anderem die autonome Rennserie Roborace und die E-Scooter-Meisterschaft eSC, zudem engagierte er sich in verschiedenen Technologie- und Elektromobilitätsprojekten.
Di Grassi sieht Gen4 & Disney+ als Wachstumstreiber
Wachstumspotenzial sieht di Grassi jedenfalls mehr als genug. "Ich glaube, dass in der Formel E noch sehr viel ungenutztes Potenzial steckt. Meiner Meinung nach ist es einfacher, die Formel E zu verzehnfachen, als die Formel 1 zu verzehnfachen."
Gen4 und die neuen Übertragungswege sieht er dabei als wichtige Hebel. "Mit Gen4, den neuen Übertragungen auf Disney+ und all diesen Dingen kann die Formel E meiner Meinung nach sehr stark wachsen, wenn wir es richtig machen."
Den Erfolg der Formel E will di Grassi dabei nicht daran messen, ob die Rennserie irgendwann Formel 1 oder MotoGP überholt. "Das ist für mich nicht der entscheidende Vergleich. Entscheidend ist, wie stark sie Jahr für Jahr wächst: Sind es zehn oder zwanzig Prozent? Wie viele Fans kommen hinzu, wie viele Interaktionen gibt es?"
Mehr Fans, Sponsoren & Teams: Di Grassi sieht "Schneeballeffekt"
Wachstum könne sich dabei selbst verstärken, glaubt di Grassi: Mehr Fans machten die Rennserie attraktiver für Sponsoren und Medien, was wiederum zusätzliche Reichweite, Teams und Fahrer anziehen könne. "Das ist ein Schneeballeffekt. Wenn die Formel E weiter wächst oder mit Gen4 noch stärker zu wachsen beginnt, entsteht dadurch ein immer besseres Ökosystem."
Dass der enorme Formel-1-Boom der vergangenen Jahre der Formel E grundsätzlich geschadet habe, glaubt di Grassi deshalb nicht. "Das Wachstum einer Rennserie muss eine andere nicht zwangsläufig kannibalisieren. Es kann auch einfach dazu führen, dass insgesamt mehr Menschen Motorsport verfolgen."
Der Erfolg von "Drive to Survive", die Erschließung des US-Marktes und die Gewinnung jüngerer Fans hätten seiner Ansicht nach den gesamten Motorsportmarkt vergrößert. Nun müsse die Formel E diese neue Zielgruppe für sich gewinnen: "Jetzt liegt es an der Formel E, diesen neuen Markt zu erschließen und innerhalb dieses neuen Publikums zu wachsen."
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