Formel E

Mahindra-Boss plant Rückkehr zu alten Erfolgen: "Ein Premier-League-Team strukturieren, keinen Drittligisten"

Redaktion

Fred-Bertrand-Formula-E-Mahindra-Team-Principal

Mit einer neuen Fahrerpaarung, neuem Ingenieurspersonal und wiedergefundener Ambition will das aktuelle Hinterbänkler-Team der Formel E, Mahindra Racing, den Weg zurück in die Erfolgsspur finden. Im Exklusiv-Interview mit e-Formel.de erklärt Teamchef Frederic Bertrand seine ausführliche Vision für das indische Team, das mit Nyck de Vries und Edoardo Mortara spätestens binnen fünf Jahren wieder um Siege kämpfen will.

Es sei nicht so, als habe er bei Mahindra einen Scherbenhaufen vorgefunden. Und dennoch sah Frederic Bertrand im Sommer 2022, als er die Führung des Teams übernahm, das Bedürfnis, seinen Rennstall auf den Kopf zu stellen: "Wir haben einen Fahrplan vor uns", erklärt er e-Formel.de seine Vision. "Und für mich ist die Frage: Wie kann ich dort so viele Abkürzungen wie möglich nehmen? Und wie kann ich mein Risiko minimieren?"

Kein Tauschgeschäft mit Maserati für Mortara & Daruvala

Als Teil jenes Fahrplans landete Mahindra jüngst einen regelrechten Transfermarkt-Coup: Nyck de Vries gibt 2024 sein Comeback bei den Rot-Weißen, an seine Seite rückt Edoardo Mortara auf. Den Maserati-Sitz des Schweizers übernimmt wiederum der vormalige Mahindra-Reservemann Jehan Daruvala. Ein Tauschhandel zwischen den beiden Teams? Der habe nicht stattgefunden, beteuert Bertrand. "Wir haben noch kein Mercato-System wie im Fußball! Das ist alles so gelaufen wie bei einem ganz normalen Fahrerwechsel." Und auch Mortara selbst sagte in der vergangenen Woche zu den Gerüchten: "Da wird zu viel spekuliert!"

Mit dem neuen Fahrerduo will Mahindra den Weg zurück zu altem Ruhm finden. Längst vergangen sind die Zeiten der Jerome d'Ambrosios, Nick Heidfelds oder Felix Rosenqvists, die regelmäßig Podien oder sogar Siege mit Mahindra feierten. Doch allein zwei neue Fahrer oder viel Budget, das weiß auch Bertrand, genügen beim Wiederaufbau des Rennstalls nicht. "Manche denken, dass mit besserem Budget auch bessere Ergebnisse kommen. Aber das ist in der Formel E nicht der Fall. Man benötigt Zeit, um Assets, Erfahrungen und Strukturen zu erstellen."

Zeit, Management & Struktur: Bertrands 3-Punkte-Plan für die Formel E

Bertrand weiter: "Der zweite Punkt ist das Management: Ich musste verstehen, wie das Team funktioniert. Wo sind die Schwächen? Wo die Stärken? Wo liegen die Möglichkeiten und Gefahren? Ich wollte habe bei der Mahindra-Gruppe 100-prozentiges Verständnis und Unterstützung für unsere gemeinsame Vision wahrgenommen. Dann musste ich sicherstellen, dass das Team mich nicht als 'den Neuen' sieht, der hereinkommt und sagt: 'Okay, wir schmeißen alle raus und setzen ein neues Team ein.' So ein Typ bin ich nicht, wobei es dazu aber auch gar keinen Grund gegeben hätte. Es gibt hier viele hochmotivierte, engagierte Menschen, die teilweise aber nicht mit dem richtigen Referenzrahmen gearbeitet haben."

Der Franzose zieht für den teaminternen Strukturwandel ein Gleichnis aus dem Fußball heran. Manchmal fühle es sich an, "als könnte man die Premier League gewinnen, obwohl man in der zweiten oder dritten Liga steckt. Dann kann man mal ein großes Spiel gewinnen, aber nicht die Meisterschaft. Das ist aber das, was ich brauche: Ich muss ein Premier-League-Team strukturieren, keinen Drittligisten."

Der Vergleich kann durchaus als Seitenhieb, wenn auch nicht beabsichtigt, an seinen Amtsvorgänger Dilbagh Gill verstanden werden. Der Inder verließ Mahindra nach der acht Jahren im Sommer 2022 überraschend, plant aber schon bald seine Rückkehr in den Elektro-Motorsport: Für die von ihm verwaltete ACE Championship testete Nick Heidfeld mit modifizierten Gen2-Formel-E-Autos in der vergangenen Woche erstmals in Calafat (Spanien). Das erste Rennen soll im September 2024 folgen - bald darauf wohl auch als Teil des Formel-E-Zirkus.

Langfristige Planung mit de Vries & Mortara

Bis zu diesem Zeitpunkt will Bertrand mit Mahindra längst auf die Erfolgsspur abgebogen sein. Er will der Herstellerseite der Organisation mehr Ressourcen zukommen lassen und das operative Rennteam somit entlasten. "Das Team wird so umgebaut, dass es simpler ist; Gewissermaßen nach dem Vorbild eines Kundenteams."

Technische Entwicklungsbeschränkungen machen die Arbeit für Mahindra jedoch keineswegs einfacher. Zwischen den Saison 2023 und 2024 darf lediglich die Software der Fahrzeuge angepasst werden, die Hardware bleibt baulich unverändert. Auch deswegen gilt das erste Jahr von de Vries und Mortara, die sich ohnehin für mehrere Saisons dem Team verschrieben haben, als "Übergangsjahr", bei dem das Duo zur Entwicklung des 2025er-Wagens beiträgt.

Siege erst ab 2027 wieder möglich? - "Verkaufe keine Träume!"

Bertrand erklärt: "Während alle anderen für Saison 11 und 12 ihre Pakete nur noch feintunen müssen, werden wir in vielerlei Hinsicht neu starten. Aber das ist nötig, um den Rückstand aufzuholen. In diesen Jahren ist das Ziel, immer ein Top-10-Kandidat zu sein, und wenn es gut läuft, sind konstante Top-5-Ergebnisse in der Gesamtwertung drin. Dann kommen (Saison) 13 und 14, wo die Ambition ist, um Siege zu kämpfen."

Bis dahin bleibe sein Team allerdings "bescheiden", wie es der Teamchef sagt. Man könne nicht ändern, wo man im Vergleich zu Rivalen aktuell stehe, allerdings anerkennen, dass ein Umbau nötig ist, um den Rückstand aufzuholen. "Selbstverständlich will ich keine Träume verkaufen. Aber ich möchte, dass wir groß träumen. Wenn der Plan nicht gelingt, bin ich eben gescheitert. Aber so etwas mag ich nicht. Und ich plane auch nicht für diesen Fall."

"Together We Rise" - Mahindra-Videoserie über den Wiederaufstieg des Teams

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