Formel E

Mahindra-Fahrer Lucas di Grassi resümiert nach 10 Jahren Formel E: "Der beste Teil meiner Karriere"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Lucas-di-Grassi-Champagne-Montreal-Podium

Lucas di Grassi gehört zu den Personen, die quasi seit der ersten Stunde in der Formel E dabei waren. Der Brasilianer, der im September 2012 zum ersten Mal im Formel-E-Prototyp saß, half der Rennserie in ihrer Frühphase bei der Entwicklung der Gen1-Boliden. Dann wechselte er als Fahrer zu ABT, mit denen er nicht nur das erste Formel-E-Rennen in Peking gewann, sondern in der dritten Saison auch Meister wurde. Nach mehr als zehn Jahren blickt der Mahindra-Pilot auf die Entwicklung der Rennserie zurück.

"Insgesamt sind nur sehr wenige Leute im Paddock, die jetzt schon seit zehn Jahren dabei sind", berichtet di Grassi in einer Medienrunde bei den Testfahrten in Valencia, an der auch 'e-Formel.de' teilnahm. "Ich wusste damals nicht einmal, ob die Formel E nach einem Jahr noch existiert. Ich habe an die Idee geglaubt. Aber wir wussten nicht, ob sich die Leute dafür interessieren."

Die Aussicht, mit der Formel E etwas komplett Neues zu machen, habe auch bei den Fahrern noch für eine andere Herangehensweise gesorgt: "Anfangs haben wir noch jedes Rennen genossen und eine gute Zeit gehabt", erinnert sich der Brasilianer. "Wir wussten nicht, ob es die Serie im nächsten Jahr noch geben würde. Das änderte sich am Ende der zweiten Saison, als die Hersteller nach und nach dazukamen - Audi, Jaguar, BMW, Mercedes, später dann Nissan. Es war eine interessante Reise."

Di Grassis Engagement sei dabei gar nicht als langfristiges Projekt gedacht gewesen. "Ich habe nicht damit gerechnet, nach so vielen Jahren noch in der Serie zu fahren", gibt er zu. "Mein Plan war es, ein Jahr - vielleicht auch zwei oder drei Jahre - hier zu fahren. Aber ich habe viel Spaß. Die Rennserie entwickelt sich weiter, die Autos werden besser. Auch meine Motivation ist immer noch da. Die Formel-E-Zeit ist der beste Teil meiner Motorsportkarriere."

"Es ist auch der längste und erfolgreichste Teil meiner Karriere", beschreibt er weiter. Di Grassi habe in der Formel E mehr Spaß gehabt als in der Langstrecken-Weltmeisterschaft oder in der Formel 1, wo er 2010 beim damals neuen Team Virgin Racing dem Feld hinterherfuhr. "Das Racing hier ist genau das, was ich gern tue. Ich genieße das Fahren in Formelserien viel mehr als in Langstreckenserien. Die Langstrecke ist nett, Le Mans ist ein tolles Event, und es gefällt mir dort. Aber das Rennfahren gegeneinander genieße ich hier viel mehr. In der Formel 1 hatte ich nur ein einziges Jahr in einem richtig schlechten Auto. Darunter litt meine Motivation, weil du am Ende des Feldes lagst und dir fünf Sekunden auf die Spitze fehlten - egal was du machst."

"Machen etwas, das die Welt in positiver Hinsicht beeinflusst"

"Außerdem spüre ich in der Formel E zum ersten Mal in meiner Karriere, dass wir etwas machen, das die Welt in positiver Hinsicht beeinflusst", berichtet der 38-Jährige. "Es ist nicht nur Sport. Es gibt viele Sportarten, die zum Entertainment dienen. Die Fußball-WM zum Beispiel unterhält die Leute, aber sie verbessert die Welt nicht. Höchstens im Bereich der Kommunikation, aber die Technologie dort verändert sonst nichts. Gleiches gilt für Basketball, Baseball, die NFL. Da gibt es nichts, was entwickelt wird. Das ist reine Unterhaltung."

"Wir entwickeln hier Technologie, die etwas verbessert", ist sich di Grassi sicher. "Und das sehe ich so auch in keiner anderen Rennserie. Besonders jetzt, wo ich Kinder habe und darüber nachdenke, was mein Vermächtnis sein wird. Ich denke, das ist sehr wichtig. Einige Fahrer werden, wenn sie mit 70 Jahren zurückblicken, ihren Enkeln erzählen, dass sie Teil der Formel E waren, die wirklich ein wenig verändert hat, wie die Mobilität in der Welt angesehen wurde. Das ist eine gute Sache."

Di Grassi ist der einzige Pilot, der alle bisherigen Rennen der Formel E bestritten hat. Am 14. Januar 2023 wird er beim Mexico City E-Prix seinen 101. Start in der Elektrorennserie absolvieren - der erste für sein neues Team Mahindra Racing.

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 4 plus 6.
Advertisement