Formel E

Mahindra-Pilot di Grassi nach ersten Formel-E-Gen3-Tests: "Das Auto ist ein Biest!"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Der Brasilianer Lucas di Grassi hat als einziger Pilot alle einhundert Formel-E-Rennen der ersten beiden Fahrzeuggenerationen bestritten. Mit der Einführung den Gen3-Autos wechselt der ehemalige ABT-, Audi- und Venturi-Pilot zu Mahindra Racing. Für die Inder durfte er bereits erste Testfahrten mit dem neuen Wagen bestreiten.

Di Grassi kennt die Vergangenheit der Rennserie dabei wie kein Zweiter: Er war nicht nur Sieger des allerersten Rennens in Peking und Champion von Saison 3, sondern zuvor einer der allerersten Angestellten der Formel E, als diese im Jahr 2012 gegründet wurde. Seine Aufgabe war es damals, die Serie als Test- und Entwicklungsfahrer zu einem erfolgreichen Debüt zu begleiten.

Nachdem die Rennserie die Teams für die Debürsaison vorstellte und ihr Testprogramm einstellte, wechselte Ex-Formel-1-Pilot di Grassi, der damals zudem Audi-Werksfahrer in der Langstrecken-WM (WEC) war, schließlich zum ABT-Team. Auch in der Zeit als Audi-Werksteam blieb er beim Team, bevor er nach dem Ausstieg der Ingolstädter für die achte Saison zum Mercedes-Kundenteam Venturi wechselte.

"Das neue Auto unterscheidet sich sehr stark (vom Gen2-Auto)", beschreibt di Grassi im Podcast von 'Formula Nerds'. "Das Auto ist ein Biest, es ist sehr schnell. Nicht in Bezug auf die reine Rundenzeit, denn uns fehlt der Grip, weil die Reifen nicht sehr griffig sind. Das war eine Entscheidung der Organisatoren: Mit einem traditionellen Rennreifen, einem weichen Slick, könnten wir drei oder vier Sekunden schneller pro Runde fahren. Das Auto hat mit den 350 kW viel Leistung und ist 60 bis 70 kg leichter als im letzten Jahr."

Die Piloten müssten sich dabei für die kommende Saison deutlich umstellen: "Das Fahren unterscheidet sich stark aufgrund des Motors an der Vorderachse. Man hat vorne nun ein Differenzial. Das sorgt dafür, dass beim Reinbremsen in eine Kurve, wenn das Vorderrad blockiert, es sogar anfängt, sich rückwärts zu drehen."

"Wenn das Vorderrad blockiert, was durch das höhere Gewicht auf der Vorderachse wegen des Motors recht einfach ist, braucht man nun höhere Kräfte, bis sich das Rad wieder dreht", beschreibt der Brasilianer weiter. "Wenn man sich verbremst, zieht sich das blockierende Rad über eine deutlich längere Strecke hin als in einem normalen Monoposto."

"Ein anderes wichtiges Feature ist, dass wir keine mechanische Bremse mehr an der Hinterachse haben", so di Grassi. "Die Bremsleistung wird vollständig vom Motor übernommen. Das ist so etwas wie eine extreme Version einer Motorbremse. Mit einem Elektromotor kann man hier elektronisch Feintuning betreiben und mehr oder weniger Rekuperation durchführen, wie auch immer man die Motorbremse haben will."

Aus technischer Sicht eröffnet das seiner Meinung nach neue Möglichkeiten. "Auch das automatische Lösen eines blockierenden Rads ist denkbar, so wie bei einem ABS. Das könnte man alles mit der Software steuern, sowohl an der Hinter- als auch an der Vorderachse."

Das erste Rennen mit den neuen Fahrzeugen findet am 14. Januar 2023 in Mexiko-Stadt statt. Zuvor stehen ab dem 11. Dezember noch die offiziellen Vorsaison-Testfahrten in Valencia an.

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