Formel E

Bericht: ABT-Übernahme der Audi-Startlizenz gescheitert, Formel E soll nun Nachfolger suchen

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Nachdem der deutsche Hersteller Audi Ende vergangenen Jahres den werksseitigen Ausstieg aus der Formel E nach der Saison 2021 ankündigte, bemühte sich der frühere Teambesitzer und Teamchef Hans-Jürgen Abt um den Rückkauf des ursprünglichen ABT-Teams. Wie die Kollegen von 'The Race' berichten, sei die Frist zum Verkauf des Teams jedoch inzwischen abgelaufen und die Übernahme damit gescheitert. Der Frust soll tief sitzen.

ABT Sportsline war im November 2013 eines der ersten Teams, die sich als Teilnehmer bei der neuen FIA-Formel-E-Meisterschaft einschrieben. Drei Jahre lang traten die Kemptener als Privatteam in der Elektrorennserie an und wurden durch Audi sowie Technologiepartner Schaeffler unterstützt. Mit dem Verkauf des Teams im Sommer 2017 an die Ingolstädter endete die Ära von Hans-Jürgen Abt als Teamchef, sein Nachfolger im Audi-Werksteam wurde Allan McNish. Nichtsdestotrotz unterstützte ABT den Rennstall weiterhin.

Bereits im Dezember 2020 hatte Hans-Jürgen Abt angekündigt, trotz des Audi-Ausstieges aus DTM und Formel E "weitermachen" zu wollen. Auch sein Sohn Daniel hatte im Podcast von 'ran racing' berichtet, dass sich ABT "mit Hochdruck" um einen Rückkauf des Teams und der Startlizenz bemühe. Hintergrund sei nicht nur das weiterhin bestehende Interesse an der Meisterschaft, sondern auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, die teilweise seit vielen Jahren im ABT-Familienbetrieb arbeiten. Ein Verkauf sei nun jedoch endgültig vom Tisch.

"Es gab Gespräche mit verschiedenen Interessenten, aber aus verschiedenen Gründen konnte kein Vertrag geschlossen werden", wird ein Audi-Sprecher zitiert. ABT soll äußerst frustriert sein, dass die Gespräche mit dem Audi-Management nicht vor Ablauf der Fristen zu einem positiven Abschluss geführt werden konnten und so aller Voraussicht nach mehrere Mitarbeiter ihren Job verlieren werden.

"Wie in den Regeln vorgesehen, geben wir die Formel-E-Lizenz nach Saison 7 an die Formel-E-Organisation zurück", bestätigt Audi. Diese Rückgabe erfolgt ohne finanziellen Ausgleich. Für einen Weiterverkauf der Lizenz hätte sich Audi mutmaßlich einen mittleren bis hohen einstelligen Millionenbetrag überweisen lassen können, verpasste diese Chance jedoch.

Der Haken an der Geschichte: Ein Nachfolger hätte bereits in der Saison 2021/22 an den Start gehen müssen. Für einen interessierten Hersteller ein denkbar schlechter Zeitpunkt, da dies die letzte Saison der Gen2-Ära sein wird.

Startet McLaren-Mercedes 2021 auch in der Formel E?

Die Rückgabe der Lizenz an die Formel E eröffnet der Rennserie neue Möglichkeiten. So könnte McLaren, die sich kürzlich eine Option für den Einstieg 2022 sicherten, theoretisch bereits ein Jahr früher als Kundenteam in der Rennserie an den Start gehen.

Mercedes hatte es vor dem eigenen Werkseinstieg ähnlich gemacht und sein Einsatzteam HWA Racelab eine "Schnuppersaison" mit Venturi-Antrieben durchführen lassen. McLaren-CEO Zack Brown befindet sich an diesem Wochenende in Diriyya und will vor Ort Gespräche mit der Formel E und einigen Teams beziehungsweise Herstellern führen. Womöglich fällt anschließend die Entscheidung bei McLaren.

Da McLaren ab diesem Jahr in der Formel 1 mit Mercedes-Motoren antritt - im Vorjahr war man noch mit Renault-Aggregaten unterwegs -, wäre auch in der Formel E eine Zusammenarbeit mit Mercedes denkbar. Laut Reglement muss jeder Hersteller, der mehr als eine Saison in der Elektrorennserie aktiv ist, die Kapazitäten zur Belieferung von drei Kundenteams sicherstellen. Neben dem Werksteam und Venturi wäre also eine zusätzliche Belieferung von McLaren denkbar.

Rolle als Batterielieferant könnte McLaren auf die Wartebank verweisen

Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass mit McLaren Applied derzeit noch ein Tochterunternehmen des Rennstalls als Hersteller und Lieferant der Formel-E-Einheitsbatterie im Einsatz ist. Da McLaren mutmaßlich einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten hätte, sehen die Regularien vor, dass eine Teilnahme mit eigenem Team aktuell noch nicht möglich ist. Es ist unklar, ob FIA und Formel E hierfür eine Ausnahmegenehmigung erteilen könnten. Erst mit Beginn der Gen3-Ära im Herbst 2022 endet der Interessenkonflikt, denn dann kommen die Batterien wieder von Williams Advanced Engineering. Die frühere Tochterfirma des Williams-F1-Teams hatte bereits in der Gen1-Ära die Akkus geliefert.

Auch der Einstieg eines Herstellers der Stellantis-Gruppe, namentlich Alfa Romeo oder Maserati, wäre denkbar. Da DS Automobiles, aktuell Exklusiv-Ausrüster des Meisterteams Techeetah, ebenfalls zur Stellantis-Gruppe gehört, wäre der Einsatz von DS-Kundenmotoren unter einem anderen Markenlabel im Bereich des Möglichen. Aktuell tritt Alfa Romeo noch in der Formel 1 an. Es handelt sich jedoch nur um ein Titelsponsoring. Den Renneinsatz leitet das Schweizer Team Sauber Motorsport, das mit Motoren von Ferrari an den Start geht. Fiat, selbst Teil der Stellantis-Gruppe, hält große Anteile an der Marke mit dem springenden Pferd.

Sollte die Formel E keinen Interessenten für die Audi-Teamlizenz finden, stünden in der kommenden Formel-E-Saison 2021/22 nur noch 22 statt 24 Fahrzeuge am Start. Andretti Autosport, das Einsatzteam von BMW, wird aller Voraussicht nach als Kundenteam von BMW weitermachen und den zweiten vakanten Teamslot ausfüllen.

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3 Kommentare

Trockensumpfpumpe ·

Verstehe einer, was mit Audi eigentlich falsch ist.

BR1Xde ·

Achtung! Ferrari gehört nicht zur Stellantis Gruppe! Die Beziehungen zu Fiat sind zwar noch eng (gleicher CEO, Technologietransfer, Motorsportbeziehungen etc.) aber Ferrari wurde 2015 zum eigenständigen Unternehmen gemacht. Fiat hatte anfangs zwar 80% der Anteile, verteilte die aber über die zeit hinweg an ihre eigenen Shareholder. Daher ist Ferrari nun nur indirekt Teil von Stellantis!

Ich fänd es deutlich cooler, wenn Alfa in der FE tätig wäre anstatt in der F1 einfach den Namen auf ein fremdes Auto zu klatschen! Mit etwas Glück machen sie ja sogar beides, da Sauber das Geld sicher gut gebrauchen kann!

Tobias Wirtz ·

Hallo BR1Xde, du hast natürlich vollkommen Recht damit, dass Ferrari offiziell nicht Teil der Stellantis-Gruppe ist. Ich passe das sofort an!

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