Formel E

Medienbericht: Teamverkauf geplatzt - Formel-E-Zukunft von Doppelchampion DS Techeetah ungewiss

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

DS-Techeetah-Logos-Garage

Die Zukunft von DS Techeetah ist weiterhin ungewiss. Ein Verkauf des zweifachen Formel-E-Meisterteams an einen Investor ist laut 'The Race' kürzlich gescheitert. Damit ist auch weiterhin unklar, wie es mit den beiden früheren Formel-E-Champions Jean-Eric Vergne und Antonio Felix da Costa weitergehen wird.

Die Verhandlungen über die Zukunft des Teams hätten in den kommenden Wochen abgeschlossen werden sollen, um anschließend die Vorbereitung auf die Saison 2022 angehen zu können, die am 28. Januar 2022 in Diriyya startet. Zuvor stehen vom 29. November bis 2. Dezember 2021 noch die Vorsaison-Testfahrten in Valencia an.

Das Team gehört seit seiner Gründung im Juli 2016 der Firma SECA, einem Sportmedienunternehmen im Besitz von China Media Capital (CMC). CMC soll zudem derzeit der drittgrößte Anteilseigner der Formula E Holdings (FEH) sein, die in Hongkong registrierte Beteiligungsgesellschaft der Formel E. Erste Anteile an der FEH erwarb das Unternehmen bereits im Frühjahr 2017.

Beim potenziellen Investor handelte es sich um Anthony di Iorio, Gründer und CEO des Blockchain-Unternehmens Decentral sowie Mitbegründer der Kryptowährung Ethereum. Der im Januar 1975 geborene Kanadier hatte das Techeetah-Team zu den Rennen in New York City, London und Berlin begleitet. Nach dem Abschluss eines Deals mit SECA, die eine Minderheitsbeteiligung von maximal 25 Prozent behalten hätten, plante di Iorio, das Team umzubenennen. Doch daraus wird nichts.

Di Iorio: "Es gab eine Fülle von Gründen"

"Es gab eine Reihe verschiedener Gründe, die als Geschäftsentscheidung zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn ergaben", erklärt di Iorio das Scheitern der Verhandlungen bei 'The Race'. "Ich habe mein Bestes gegeben, aber es gab eine Fülle von Gründen, warum ich nicht in der Lage war, das Geschäft abzuschließen. Ich wünsche dem Team nur das Beste und hoffe wirklich, dass sich die Dinge auf ihrer Seite klären. Es war toll, so viele Leute dort kennenzulernen."

Ein Grund für das Aus der Übernahmepläne soll dabei die Tatsache gewesen sein, dass sich die Verhandlungen über einen derart langen Zeitraum erstreckten. Nachdem erste Gespräche bereits im Juni stattfanden, gab es Ende August noch immer keine signifikanten Fortschritte, sodass eine Übernahme vor der Saisonvorbereitung nicht mehr möglich erschien. Di Iorio hatte im Zuge der Verhandlungen auch den Hauptsitz von DS Performance in Sartory besucht und sich im Rahmen der letzten drei E-Prix auch mehrmals mit Mitarbeiter:innen getroffen und mit ihnen gesprochen.

Di Iorio leitete dabei bereits am 22. Juli 2021 - wenige Tage vor dem London E-Prix - die ersten Vorbereitungen für eine Übernahme des Teams ein. Er ließ eine Firma mit dem Namen "Di Iorio Racing Limited" in Großbritannien registrieren und setzte sich selbst als Direktor ein. Dieser Schritt muss jedoch nicht vergebens gewesen sein - di Iorio soll darüber nachdenken, an anderer Stelle innerhalb der Formel E zu investieren. Ein denkbares Team könnte auch Mercedes sein - trotz des angekündigten Ausstiegs des Herstellers soll das Team auch in Zukunft bestehen bleiben.

Das geplante Investment des Kanadiers galt als das seriöseste Angebot für neue Investitionen in das Team. Durch das Scheitern des Deals steht DS Techeetah nun bei der Vorbereitung auf die Saison 2022, in der auch die Entwicklung des neuen Antriebs und die ersten Testfahrten mit dem Gen3-Autos beginnen werden, auf verlorenem Posten. Auch auf die Verträge mit den beiden Fahrern hat die Situation einen Einfluss.

Felix da Costa mit Vertrag für 2022, Vergne nicht

Während die Laufzeit des Vertrages von Antonio Felix da Costa mit dem Team noch die kommende Saison umfasst, ist Jean-Eric Vergne in der Formel E für 2022 aktuell noch vertragslos. Bei den Zukunftsaussichten ist die Situation jedoch umgekehrt: Vergne besitzt einen Vertrag mit Peugeot für das 2022 startende Hypercar-Programm in der Langstreckenweltmeisterschaft (WEC). Zudem ist er wohl auch Markenbotschafter bei Antriebslieferant DS - sowohl DS als auch Peugeot gehören zum Stellantis-Konzern.

Dies könnte jedoch in der Formel E für ihn von Nachteil sein - es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass er für einen konkurrierenden Hersteller in der Elektrorennserie an den Start gehen wird. Ein neuer Vertrag mit Techeetah ist für Vergne daher wohl alternativlos, sollte er ein weiteres Jahr in der Formel E fahren wollen. Di Iorio hatte Vergne diesen wohl im Rahmen der Verhandlungen über einen Erwerb des Teams in Aussicht gestellt.

"Die (neuen Eigentümer) sind zur richtigen Zeit und mit der richtigen Einstellung gekommen", hatte der zweifache Formel-E-Champion noch im August bei 'The Race' gesagt - offensichtlich von einem Verkauf des Teams ausgehend. Vergne weiter: "Das hat mich dazu gebracht zu sagen: 'Ja, vielleicht bin ich nächstes Jahr hier'."

Nach dem geplatzten Verkauf erscheint so ein Verbleib des Franzosen durchaus fraglich. Gut möglich, dass sich Vergne stattdessen auf den WEC-Einstieg von Peugeot konzentriert. Vergne wäre nach Nelson Piquet jr. der zweite Ex-Meister, der die Rennserie verlässt. Doch auch beim früheren Champion Lucas di Grassi ist aktuell noch nicht bekannt, ob und wie es in der Formel E für ihn weitergehen wird. Sebastien Buemi startet hingegen auch im kommenden Jahr für Nissan.

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