Formel E

Meinung: Formel E als olympische Sportart 2020 - Warum nicht?

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Die diesjährigen Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind seit gut einer Woche in vollem Gange. Abermals wurden mit Golf und 7er-Rugby zwei neue olympische Sportarten ins Wettkampfprogramm aufgenommen. Während die Athleten aus mehr als 206 Nationen um Medaillen, Ruhm und Ehre kämpfen, kocht eine mehrere Jahre alte Diskussion abermals auf: Warum genau ist Motorsport eigentlich noch nicht olympisch? Die Formel E wäre ein guter Anfang dafür, meint 'e-Formel.de'-Redakteur Tobias Bluhm.

Vorab: Motorsport war schon einmal olympisch. Das letzte Mal spielte Rennsport vor über einem Jahrhundert bei den zweiten Olympischen Spielen im Jahr 1900 in Paris eine Rolle. Das historische Paris-Toulouse-Paris-Rennen wurde damals von Louis Renault gewonnen - dieser sollte später mit seinen Brüdern einen der mittlerweile größten Fahrzeughersteller der Welt gründen. Seit den Paris-Spielen spielte Motorsport jedoch keine Rolle mehr für das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Motorsport - ein Wettkampf der Fahrer oder der Ingenieure?

Die Begründung dafür ist zugegebenermaßen verständlich: "Die Idee hinter Olympia ist es, einen Wettbewerb für die Athleten und nicht für das Material zu schaffen", ließ der ehemalige IOC-Präsident Jacques Rogge 2012 verlauten. Zumindest die Formel 1 habe somit, obwohl sie ähnliche Werte wie Olympia vertrete, keine Chance.

Dass die Idee von "Athlet gegen Athlet" aber schon lange nicht mehr wie bei den ersten Olympischen Spielen existiert, beweisen die aerodynamischen Rennräder, die verschiedenen Arten der Tennis- und Golfschläger der Spieler oder die Hightech-Badeanzüge der Schwimmerinnen. Bei den Wettbewerben im Dressurreiten sind die "Sportler" sogar weitestgehend auf ihr Pferd angewiesen. Dass also bei Olympia-Wettkämpfen das Material (beziehungsweise das Reittier… Welch schönes Palindrom!) keine Rolle spielt, ist Unfug.

Die einzige Hürde, die der Motorsport-Dachverband FIA zur Olympiabewerbung überwinden müsste, wäre der andauernde Konstruktionswettbewerb zwischen den Teams. Alle Autos müssten nahezu identisch sein, damit der schnellste Pilot den Sieg erringen kann. Das Rennen müsste sich ausschließlich um die Fahrer und nicht um das Material drehen. Eine spannende Idee…

Ausnahmerennen in Tokio mit identischen Autos

All das klingt doch nach einer idealen Vorlage für die Formel E. Die noch junge Elektroserie demonstriert zukunftsweisende Technologien und erregt immer mehr internationales Aufsehen. Die Spark-Chassis, die die Teams nutzen, sind identisch - lediglich am Antriebsstrang dürfen die Teams bislang arbeiten. Wenn eine Serie für die Olympia-Auflagen anpassungsfähig genug ist, dann ist es die Formel E. Und: Japan, wo die Olympischen Spiele 2020 stattfinden sollen, ist mit Abstand der größte Markt der Elektroserie.

Für die Möglichkeit eines Olympia ePrix müssten die Serienverantwortlichen um Alejandro Agag also für identische Fahrzeuge, ähnlich wie in der ersten Formel-E-Saison, auf dem "aktuellsten Stand" sorgen. Was sich bis zu diesem Zeitpunkt ändern wird - die Formel E wäre während den Olympischen Spielen in Tokio kurz vor ihrer siebten Saison - ist natürlich noch nicht abzusehen. Der ePrix mit identischen Autos in Tokio wäre eine Ausnahme aus dem Rennkalender und würde nicht in die Meisterschaft zählen.

Wettkampf der Nationen

Der Rahmen dieses Ausnahmerennens macht es für die Organisatoren der Serie zudem möglich, das Konzept der Teams für jenes Sonderevent außer Kraft zu setzen. Das dürfte wahrscheinlich sogar eine Bedingung des IOC werden, wenn die Formel E olympisch werden soll. Die Olympischen Spiele finden während der Formel-E-Sommerpause statt, wenn sich die Teams auf die Pre-Season-Tests in Donington vorbereiten - aus der Vorbereitung auf das Folgejahr würde Olympia also wohl niemanden bringen.

Anstelle der Teams könnten die teilnehmenden Nationen eine Mannschaft aus Mechanikern, Renningenieuren und zwei bis drei Rennfahrern stellen, die nach dem standardmäßigen Formel-E-Tagesablauf oder einem neuen Konzept mit Qualifikationsläufen das Event bestreiten. Zudem wäre eine Art "Doppel", wie man es aus dem Tennis kennt, möglich: mit einem Fahrerwechsel beim Boxenstopp. Auch die finalen Absperrungen der Straßen können innerhalb von einem Tag organisiert werden, wie die Formel E schon 2015 in Miami bewiesen hat.

Die drei besten Fahrer (oder Duos) würden in typischer Olympia-Manier mit Medaillen geehrt werden und dürften sich ins Buch der olympischen Medaillengewinner eintragen. Dann wäre auch der ewige Bernie Ecclestone, der sich schon vor mehreren Jahren für ein Medaillensystem im Motorsport einsetzte, zufrieden. Oder auch neidisch. Die Fahrer außerhalb der Top drei dürften sich immerhin über und 42 Gratis-Kondome freuen (hehe!).

Wie wahrscheinlich ist das Olympia-Rennen wirklich?

Zugegeben, die Idee eines Formel-E-Rennens im Rahmen der Olympischen Spiele ist im Moment nichts weiter als Wunschdenken. Das Konzept ist sehr simpel. Aber ob man das auch umsetzen kann? Wir wissen es nicht. Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio würden jedenfalls eine ideale Bühne für die Formel E sein. Man stelle sich nur die weltweiten TV-Einschaltquoten vor!

So verbleiben ab sofort vier Jahre, in denen die FIA mit dem IOC über eine eventuelle Motorsportserie bei Olympia verhandeln kann. Dass die Fahrer daran interessiert wären, muss wohl nicht erwähnt werden. Wer würde schließlich nicht gerne als "Motorsport-Olympiasieger" in die Geschichtsbücher eingehen?

Nun liegt es an Jean Todt und der FIA, sich um ein olympisches Motorsport-Event zu bemühen, sollte ein Interesse bestehen. Ob und wann dies passiert, steht in den Sternen. Aber wenn selbst Skateboarding 2020 eine olympische Disziplin werden kann, dann kann es der Motorsport erst recht.

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