Formel E

Mercedes erklärt Rückschlag für Nyck de Vries bei Formel-E-Lauf in Diriyya: "Darum haben wir die Plätze verloren"

Timo Pape

Timo Pape

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Nach einem "Bilderbuch"-Saisonstart für Nyck de Vries am Freitag erlebte der Mercedes-EQ-Pilot beim zweiten Saisonlauf in Saudi-Arabien einen Rückschlag. Der amtierende Meister führte das Rennen als Pole-Sitter lange Zeit an, geriet durch ungeschickte Attack-Mode-Nutzung jedoch ins Hintertreffen. Nach harten Duellen fiel er auf Platz zehn zurück und verlor die WM-Führung. Verantwortlich machte er vor allem die fehlende Rennpace.

Zunächst sah es so aus, als hätte Nyck de Vries auch am Samstag alles im Griff. Der Niederländer setzte sich im Qualifying mit beeindruckender Pace durch und ging somit vom ersten Startplatz ins Rennen. In der ersten Rennhälfte verwaltete er seine Führung - bis sich die Konkurrenten hinter ihm ihren jeweils zweiten Attack-Mode holten und somit den "Undercut" wagten. Da de Vries nicht reagierte, um sich ebenfalls mit der Zusatzleistung auszustatten, holten seine Rivalen auf.

Nach 18 Minuten Rennzeit setzte Lucas di Grassi auf der langen Startgeraden zum Angriff an. De Vries verteidigte die Innenbahn und bremste mit stehenden Rädern so spät, wie er nur konnte. Di Grassi hielt auf der Außenbahn jedoch hartnäckig dagegen. Beide fuhren nebeneinander durch Kurve 18. Beim Wiedereinscheren im folgenden Linksknick drängte di Grassi den "Silberpfeil" vehement nach außen und übernahm die Führung. Die Rennleitung bewertete den Vorfall als vertretbare Rennsituation. Wenig später musste de Vries auch den späteren Rennsieger Edo Mortara ziehen lassen.

Nächster harter Kontakt mit Vergne bringt de Vries aus dem Rhythmus

Gut eine Viertelstunde vor dem Ende musste de Vries den nächsten Schlag einstecken: Jean-Eric Vergne rauschte im Attack-Mode von hinten heran und griff den Niederländer in Kurven 18 an. Auch diesmal kam es zum Crash, als beide in Kurve 19 auf die Strecke zurückkehrten. De Vries kam dabei so sehr aus dem Rhythmus, dass er unmittelbar auch Andre Lotterer, Jake Dennis und seinen Teamkollegen Stoffel Vandoorne passieren lassen musste. Der Meister jetzt nur noch Neunter!

"Wir waren womöglich auch ein bisschen zu spät bei der (zweiten) Attack-Mode-Aktivierung. Das könnte auch ein Faktor gewesen sein, der uns zurückwarf", blickt de Vries auf das Rennen zurück. "Es ist hart, wenn einem die Pace fehlt. Dazu kam noch, dass ich nach diversen Kontakten vier oder fünf Positionen verloren habe, was natürlich extrem ärgerlich war. Das zeigt einmal mehr: Selbst wenn man bis dahin ein starkes Wochenende hatte, kann immer noch einiges schiefgehen."

Mercedes-Teamchef Ian James fühlt mit seinem Fahrer und ordnete die Situation im TV-Weltsignal ein: "Wenn du überholt wirst, bringt dich das natürlich von der Ideallinie ab, du kommst auf die schmutzige Spur. Außerdem gab es ein paar Zwischenfälle im Rennen. In so einer Position ist es wirklich schwierig, dich richtig zu verteidigen. Ich denke, darum haben wir die Plätze verloren."

"Das ist natürlich unglaublich frustrierend", gibt James zu und geht der Ursache weiter auf den Grund: "Wir müssen nun analysieren, wie wir überhaupt in diese Lage gekommen sind. Im Grunde genommen war das Auto einfach nicht schnell genug heute, und dann kommst du in Situationen, in denen du verletzlich bist. Das hat unser Rennen heute leider beeinträchtigt."

Vergne zufrieden nach "harten, aber guten" Zweikämpfen

Vergne bewertet die Situation mit de Vries naturgemäß positiver und erklärt in einem Twitter-Video vielmehr beiläufig: "Es war ein hartes Rennen, aber ein gutes. Ich hatte ein paar gute Zweikämpfe auf der Strecke." Konkret geht er auf das Duell mit dem Mercedes-Fahrer jedoch nicht ein.

Letztlich fuhr de Vries als Zehnter über den Zielstrich und nahm somit nur einen Zähler aus dem Rennen mit - insgesamt vier am Rennsamstag dank seiner Pole-Position zuvor. Dadurch verlor er die WM-Führung an Edo Mortara und reist als Gesamtzweiter aus Saudi-Arabien ab.

Nichtsdestotrotz ist der Niederländer nach dem ersten Rennwochenende der Saison 2022 in einer guten Position, die Titelverteidigung möglich zu machen. Nach einer überraschend deutlichen Dominanz der Mercedes-Antriebe in Diriyya zählen die "Silberpfeile" auch beim nächsten Saisonlauf in Mexiko am 12. Februar zu den Favoriten.

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