Formel E

Mercedes in Berlin: De Vries "hervorragend" auf Platz 4, Vandoorne benennt "großen Schwachpunkt"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Mercedes-Benz EQ erlebte am Sonntag beim vierten Rennen des Berlin E-Prix einen Tag mit gemischten Gefühlen: Während Nyck de Vries bereits zum dritten Mal in Tempelhof in die Super-Pole einzog und im Rennen eine starke Leistung zeigte, die ihn am Ende auf Platz 4 brachte, kam Stoffel Vandoorne nicht über Rang 12 hinaus.

Der Rennsonntag begann gut für die Stuttgarter: Im einzigen Freien Training des Tages belegten die beiden Werksfahrer die Positionen 4 und 6. Die Hoffnung auf gute Startpositionen für die in Schwarz lackierten "Silberpfeile" war also begründet, als Vandoorne in Gruppe 1 und de Vries in Gruppe 3 an den Start gingen.

De Vries konnte die Leistung aus dem Freien Training bestätigen und zog als Drittplatzierter in die Super-Pole ein. Der Niederländer musste sich nur dem noch amtierenden Champion Jean-Eric Vergne und Nissan-Fahrer Oliver Rowland geschlagen geben, die ihn mit einer identischen Zeit um 0,091 Sekunden hinter sich ließen. In der Super-Pole belegte er Platz 5 hinter den beiden DS Techeetah und den beiden Nissan.

Im Rennen konnte de Vries als einziger Pilot das Tempo der vier Fahrer an der Spitze mitgehen und sich sogar einen Energievorteil gegenüber Rowland und Antonio Felix da Costa erarbeiten. Diesen nutzte er in der letzten Runde zum entscheidenden Angriff gegen Rowland - ein sehr hartes, aber noch regelkonformes Manöver. Mit Platz 4 erreichte er, wie bereits beim ersten Berlin-Rennen, sein bestes Ergebnis in der Formel E.

"Ich bin zufrieden! Es war schön, an der Spitze mit den Topfahrern zu kämpfen", sagte de Vries nach dem Rennen. "Wir haben das Rennen clever gemanagt. Ich habe mich gefreut, am Ende noch einen Platz zu gewinnen."

Das Manöver gegen Rowland war dabei durchaus eng: Keiner der beiden war gewillt, dem Gegner mehr Platz als nötig zu lassen, sodass es sogar zu einer kleinen Berührung kam. "Ja, es gab am Ausgang (der Kurve) einen leichten Kontakt, es war aber ein gutes Manöver", gibt de Vries zu. "Sebastien (Buemi) und ich hatten die gleiche Energiemenge und einen Vorteil gegenüber Rowland und Felix da Costa."

"Seb hat Oliver dann recht einfach überholt, und ich wusste, dass Rowland uns das Leben schwermachen würde. Dann habe ich weiter Energie gespart und erst am Ende angegriffen. Ich hätte ihn aber so oder so vor der karierten Flagge überholt - wir hatten einen deutlichen Energievorteil am Ende."

Qualifying für Vandoorne "großer Schwachpunkt"

Für Vandoorne hatte sich das Unheil schon im Qualifying angedeutet. Seine Runde war erneut nicht optimal und reichte nur für Platz 6 in seiner Gruppe - am Ende stand gar Startplatz 20 zu Buche. Im Rennen arbeitete er sich mit einigen sehenswerten Überholmanövern sukzessive nach vorn. Mehr als Platz 12 war jedoch nicht drin für den Belgier.

"Ich muss an meiner Qualifying-Leistung arbeiten, das war hier in Berlin mein großer Schwachpunkt", bringt Vandoorne es auf den Punkt. "Dennoch haben wir uns einige Positionen zurückerobern können, aber nicht genug, um in die Punkte zu fahren. Das Rennen war trotzdem positiv, denn es gab einige positive Aspekte in Bezug auf das Energiesparen. Uns sind auch einige gute Überholmanöver gelungen."

"Das Gute ist, dass wir jetzt zwei Tage vor den letzten beiden Rennen der Saison frei haben und die Saison dann hoffentlich auf einem Hoch beenden können", so der Mercedes-Pilot weiter. "Einmal abwarten, was die neue Streckenkonfiguration bringt: Der erste Teil der Runde ist gleich, aber ab Kurve 6 gibt es große Veränderungen. Alle Teams haben ihre Hausaufgaben gemacht, das Feld wird also nah beieinander sein. Das gibt uns aber auch Möglichkeiten. Wenn wir alles zusammenbringen, können wir mit unserer aktuellen Pace noch mehr starke Resultate erreichen."

Ian James: "Das Team hat einen sehr guten Job gemacht"

Teamchef Ian James resümiert den Tag positiv: "Für unsere Fahrer war der heutige Tag wirklich intensiv. Stoffel verteidigte seine Position in der ersten Hälfte des Rennens gut, sodass er gegen Ende angreifen und auf Platz 12 ins Ziel kommen konnte. Nyck schaffte es vom Start weg, seine Position in der Spitzengruppe zu halten, und hat einen hervorragenden Job gemacht, um die Dinge durchgehend unter Kontrolle zu halten. Ich freue mich, dass es ihm gelungen ist, seine Startposition zu verbessern und in der letzten Runde Platz 4 zu erobern. Alles in allem hat das Team einen sehr guten Job gemacht und blieb während des gesamten Rennens cool und konzentriert."

"Wir haben nun zwei Tage Zeit vor dem letzten 'Double-Header'. Das neue Streckenlayout wird für die Rennen interessant sein, und wir streben eine gute Vorstellung an, die unsere erste Saison stilvoll abschließt", so der Brite weiter.

In der Teamwertung liegt Mercedes-Benz EQ zwei Rennen vor dem Saisonende mit 99 Punkten auf dem vierten Platz. In der Fahrerwertung rangiert Vandoorne auf Rang 8, de Vries hat sich durch seinen vierten Platz auf Position 12 verbessert. Das bedeutet, dass beide Fahrer am Mittwoch in der zweiten Qualifying-Gruppe antreten werden, wenn der abschließende "Double-Header" des Berlin E-Prix auf einer vollkommen neuen Streckenkonfiguration über die Bühne geht. Wir berichten wie gewohnt den ganzen Tag hindurch ausführlich über alle Sessions.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

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