Formel E

Mercedes-Teamchef Ian James: "Versuche, die Sache so anzugehen wie Toto"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

In der Formel 1 ist Mercedes seit Jahren das Team, das es zu schlagen gilt: Toto Wolff führte die Stuttgarter zu sechs Fahrer- und Konstrukteurstiteln in Folge. Seit dieser Saison gehen die "Silberpfeile" auch in der Formel E an den Start. Auch hier will Teamchef Ian James mittelfristig um die Meisterschaft kämpfen - und orientiert sich an seinem Chef.

Obwohl Torger Christian Wolff, so der volle Name des Österreichers, als Teamchef und CEO beim Formel-1-Team von Mercedes sicherlich schon genug Arbeit haben dürfte, ist er als Motorsportchef bei Mercedes-Benz übergeordnet auch für das Engagement in der Formel E verantwortlich. Hier arbeitet er eng mit den Schlüsselfiguren - allen voran Teamchef Ian James - zusammen. Der Brite leitet zum ersten Mal ein Rennteam, arbeitet aber schon seit 2005 in unterschiedlichen Positionen für Mercedes-Benz.

"Ich bin ein Alleskönner, der aber kein Fachgebiet wirklich beherrscht", erklärt James mit einer gewissen Selbstironie gegenüber dem Nachrichtensender 'CNN'. "Ich bin ein gelernter Ingenieur, aber ein wirklich schlechter. Ich habe Zeit im Finanz- und Marketingbereich und im Programm-Management verbracht. Das war eine bunte Mischung."

Mit dem Motorsport kam James dabei auch in Berührung. So war er von 2011 bis 2015 Leiter des Programm-Managements bei Mercedes-AMG High Performance Powertrains im britischen Brixworth. In dieser Zeit verantwortete er in der Formel 1 die Einführung des Hybridsystems KERS und die Entwicklung des 2014 eingeführten 1,6-Liter-Turbomotors, mit dem das Mercedes-Werksteam die folgenden Jahre dominieren sollte. In diesen Hallen wurde im vergangenen Jahr auch der Formel-E-Antrieb des Silver Arrow 01 entwickelt.

Als Wolff nach einem Teamchef für das neue Formel-E-Projekt von Mercedes suchte, war bei James keine große Überzeugungsarbeit notwendig: "Es (das Angebot) war wirklich zu gut, um es abzulehnen. Nicht nur, um wieder in den Motorsport einzusteigen, der eine Leidenschaft von mir ist, sondern auch die Möglichkeit, ein neues Unternehmen zu gründen", erinnert sich James.

Kein allzu großer Druck von oben

Die Aufgabe ist eine große Herausforderung für James - dessen ist er sich vollkommen bewusst: "Von all den Dingen, die ich getan habe, wird dies nur sehr schwer zu übertreffen sein. Wir stehen am Anfang dieser Reise und stellen sicher, dass wir die Ergebnisse bringen und das Team so aufbauen, dass es für die Zukunft bereit ist."

Für seinen Chef hat er dabei viele lobende Worte übrig. "Es ist großartig, mit jemandem wie Toto zu arbeiten", so James. "An einem Rennwochenende unterhalten wir uns regelmäßig. Sein Schwerpunkt ist die Formel 1, aber er ist trotzdem sehr stark in das Formel-E-Programm eingebunden."

"Ich versuche, die Sache so anzugehen wie Toto, nämlich ganzheitlich. Ich habe eine Leidenschaft für den Rennsport und sorge dafür, dass wir uns immer in die richtige Richtung bewegen. Das gelingt ihm in der Formel 1 sehr gut. Er überlässt die Entscheidungen (in der Formel E) uns, aber er gibt großartige Ratschläge, wenn es um Fahrer oder um die Analyse geht, was bei einem Rennen schief gelaufen ist und was man hätte besser machen können."

Großen Druck von seinem Vorgesetzten oder aber der Chefetage bei Mercedes fühlt er dabei nicht. Trotz eines Lernjahres unter dem Label HWA, bei dem große Teile des operativen Teams erste Erfahrungen mit den Abläufen der Elektrorennserie sammeln konnten, ist man sich der Tatsache bewusst, noch viel lernen zu müssen. "Intern bei Mercedes gibt es genug Einsicht und Verständnis dafür, dass die Erwartungen in unserem Anfängerjahr in einer so komplexen Rennserie im Rahmen gehalten werden. Aber nach außen hin sind wir das Team mit dem dreizackigen Stern, das zuvor mit großen Erfolgen in der Formel 1 und DTM verbunden war."

"Es braucht Zeit - schauen Sie sich zum Beispiel die Formel 1 an. Aber wir wollen den Wettbewerb gewinnen, weil wir Racer sind. Das mittelfristige Ziel ist es, in den Kampf um die Meisterschaft einzusteigen, aber wir sind uns bewusst, wie anspruchsvoll das sein wird." Und die Zahlen bestätigen das: Nach fünf Rennen der Debütsaison belegt Mercedes aktuell den fünften Platz in der Teamwertung, Stoffel Vandoorne liegt auf Platz 6 der Fahrerwertung.

Formel-E-Duell zwischen Susie & Toto Wolff eine "einzigartige Situation"

James hat bei seiner Arbeit aber nicht nur mit Toto Wolff zu tun, sondern auch mit dessen Frau Susie. Die ehemalige Rennfahrerin, die Testpilotin beim Formel-1-Team von Williams war und in der DTM antrat, ist Teamchefin und Anteilseignerin bei Venturi. Auf dem Papier ist das monegassische Team einer der elf Mercedes-Konkurrenten in der Formel E. Jedoch tritt Venturi in dieser Saison als Kundenteam mit Mercedes-Antrieben an und arbeitet eng mit den Stuttgartern zusammen.

"Es ist sicherlich eine einzigartige Situation, in der wir uns befinden", sagt James und lacht, als er auf das Duell Wolff gegen Wolff angesprochen wird. "Es ist großartig, Susie an Bord zu haben, da ich mit ihr einen sehr offenen Dialog führen kann. Wir wissen, dass wir beide Teams schneller gemeinsam entwickeln können, wenn wir den richtigen Ansatz wählen und zusammenarbeiten. Und es wäre ein Traum, wenn alle vier Fahrer um die Spitzenplätze kämpfen würden. Dann wird es aber richtig ernst..."

Dezember 2015: Toto Wolff über die Formel E

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