Formel E

Mercedes-Teamchef James sieht Formel-E-Neuerungen 2022 als "fantastische Gelegenheit, um volles Potenzial zu zeigen"

Timo Pape

Timo Pape

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Mercedes-EQ steht kurz vor seiner vorerst letzten Formel-E-Saison mit Werkseinsatz. Der Stuttgarter Hersteller vertraut auch im Jahr 2022 auf seine verdiente Fahrerpaarung aus Nyck de Vries - amtierender Weltmeister - und Stoffel Vandoorne. Dennoch erwartet Teamchef Ian James einige neue Herausforderungen in Saison 8 und hoffentlich auch einen Schritt zurück in Richtung Normalität.

Kurz vor der Ausstiegsankündigung in vergangenen August hatte das Mercedes-Formel-E-Team sein operatives Geschäft von Affalterbach nach Großbritannien verlagert, wo auch das erfolgreiche Formel-1-Team ansässig ist. Ob und welche Zukunft die Einsatzmannschaft nach dem Werksausstieg in der Formel E haben wird, ist noch unklar. Fakt ist derzeit nur, dass sich für Mercedes in der anstehenden Saison einiges an den Abläufen ändern wird.

"Auf der einen Seite haben wir an unseren Plänen festgehalten, uns hier in Großbritannien in Brackley und Brixworth zu konsolidieren und sicherzustellen, dass wir hier die notwendigen Synergien erreichen, die wir benötigen, um Leistung abzuliefern", erklärt Ian James und rechtfertigt damit auch sein Fahrer-Line-up: "Das müssen wir auch mit einer gewissen Stabilität ausgleichen, und es ist fantastisch, dass das Kernstück des Teams auch in Saison 8 weiterhin bestehen bleibt. Nyck und Stoffel spielen dabei eine entscheidende Rolle."

Mercedes gewann beim Berlin E-Prix vor rund fünf Monaten sowohl die Fahrer- als auch die Team-WM. Mit diesen Erfolgen im Gepäck zählen die "Silberpfeile" auch 2022 zu den Titelfavoriten, da alle Teams mit denselben Autos antreten wie im Vorjahr. Dennoch gibt es für James immer noch Luft nach oben: "Es gibt es die alte Weisheit, dass Erfolg zu haben nicht automatisch bedeutet, dass man nichts mehr verbessern könne."

Qualifying- & Leistungsanpassungen als neue Herausforderung

Die wohl größte Regelanpassung für die Saison 2022 ist die Modus-Anpassung in der Qualifikation - für James ein "Schritt in die richtige Richtung". "Das neue Qualifying-Format wird faszinierend", ist sich der Brite sicher. "Es wird den Fans noch mehr Spannung bieten. Und für die Fahrer und Teams wird es frische Herausforderungen mit sich bringen. Davon abgesehen glaube ich, dass es wieder mehr Augenmerk auf die Leistung (und nicht mehr so stark auf die Quali-Gruppen) legen wird, was wir uns alle in dieser Saison gewünscht haben."

Darüber hinaus erhöht sich die Leistung der Autos, und die neue "Nachspielzeit" kann zum Tragen kommen. Dadurch spielt auch das Energie-Management eine noch größere Rolle als bislang. "Die Grundlagen bleiben unverändert, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Es wird sicherlich Auswirkungen auf unsere Strategie haben", meint James.

"Unsere Ingenieure - egal ob die Renningenieure, die Performance-Ingenieure oder die Strategie-Ingenieure - sehen sich jedes Element an und versuchen, die verschiedenen Szenarien vorherzusagen, die uns im Laufe des Jahres erwarten könnten."

Dennoch sei es unmöglich, jede einzelne Variante vorherzusagen. "Deshalb spielen die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität eine Schlüsselrolle. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Team besitzen, das wir benötigen, um diese Herausforderung zu meistern", so James.

"Pandemie hat Formel-E-Entwicklung eingebremst" - zurück zur Normalität?

Für James ist 2022 nicht nur ein Jahr, in dem es um den Erfolg von Mercedes geht. Auch die Formel E selbst könnte nach zwei schwierigen Corona-Jahren mit Rennabsagen und ohne Fans einigermaßen zur Normalität zurückkehren. "Seit der Einführung der Formel E haben wir im Laufe der Jahre gesehen, dass die Serie und das Wettbewerbsniveau immer besser geworden sind. Die Pandemie hat diese Entwicklung zu einem gewissen Grad eingebremst", erklärt James.

"Es war eine enorme Herausforderung, überhaupt Veranstaltungen durchzuführen. Der FIA, FEO und allen Beteiligten gebührt eine riesige Anerkennung dafür, dass sie den Fortbestand sichergestellt haben. Jetzt kommen wir hoffentlich in eine Phase, in der bei der Austragung der Events wieder mehr Normalität herrscht. Dabei ist es aber wichtig, zu akzeptieren, dass wir noch weit davon weg sind, die Herausforderungen der Pandemie gänzlich hinter uns zu lassen", gibt James zu bedenken.

"Wir müssen bei unserer Herangehensweise weiterhin vorsichtig sein, gleichzeitig können wir jedoch überall auf der Welt spüren, dass wir kleine Schritte in die richtige Richtung machen", so der Mercedes-Teamchef weiter. "So gesehen hoffe ich, dass wir in der Saison 8 wieder näher dahin kommen, wo wir mit Blick auf die Veranstaltungen sowie die Bindung zu den Fans sein möchten. Wir freuen uns sehr darauf, die Formel E wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört. So können wir den Aufwärtstrend wieder fortsetzen."

James überrascht: "Dürfen auch Zukunft mit Gen3 nicht aus den Augen verlieren"

Auch sportlich betrachtet ist James heiß darauf, in knapp zwei Wochen beim Formel-E-Saisonstart in Saudi-Arabien (28./29. Januar) endlich wieder auf die Strecke zu gehen. "Das neue Reglement für Saison 8 dreht die 'Gen2'(-Autos) noch einmal voll auf, und das ist großartig für diese Saison. Das gibt uns eine fantastische Gelegenheit, um unser volles Potenzial zu zeigen."

Bemerkenswert ist, dass sich James nicht ohne einen Kommentar zur Zukunft verabschiedet - wenn Mercedes schon nicht mehr an Bord sein wird: "Wir dürfen auch die Zukunft mit Gen3 (ab Saison 2022/23) nicht aus den Augen verlieren. Uns stehen unheimlich spannende (…) Monate bevor, und das gesamte Team freut sich darauf, diese Aufgabe anzugehen."

Ob und in welcher Form das aktuelle Mercedes-Einsatzteam nach Saison 8 in der Formel E weitermachen wird, ist noch nicht bekannt. In unserer Analyse zum kürzlich verkündeten Maserati-Einstieg diskutierten wir bereits die Option, dass sich die Italiener womöglich mit der Mannschaft aus Brackley zusammentun könnten. Auch ein potenzieller Einstieg von Aston Martin mit Hilfe von Toto Wolff wäre denkbar. Bis zum gestrigen Samstag mussten alle Gen3-Teams ihren Hersteller für Saison 9 benennen. Wir werden also bald erfahren, ob die Crew von Ian James weiterhin an Bord bleibt.

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