Formel E

Mit GenBETA-Fahrzeug: Formel E bricht Beschleunigungsrekord der Formel 1

Timo Pape

Timo Pape

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Die Formel E hat den Beschleunigungsrekord für Einsitzer-Rennwagen gebrochen und damit die Formel 1 geschlagen. Während die "Königsklasse" in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, gelang es der saudischen Rennfahrerin Reem Al Aboud mit einem modifizierten GENBETA-Auto in 2,49 Sekunden.

Für den Rekordversuch hatte die Formel E mit ihren Partnern einen Gen3-Rennwagen überarbeitet - ähnlich wie beim Indoor-Rekord vergangenen Sommer in London. Die Elektroserie spricht bei ihrem "GENBETA" von einem Innovations- und Entwicklungsprogramm. Durch eine Leistungssteigerung auf 400 kW (sonst 350 kW) und Modifikationen von SABIC und Reifenhersteller Hankook sei der Rekord ermöglicht worden. Eine generative KI - angetrieben von Google Cloud - habe Echtzeit-Telemetriedaten geliefert.

Am Steuer saß die saudi-arabische Rennfahrerin Reem Al Aboud. Ihre Beziehungen zur Formel E gehen auf das Jahr 2018 zurück, als sie die erste und jüngste saudische Frau war, die damals in einem Nissan Gen2-Rennwagen im Rahmen des Diriyah E-Prix Runden auf einer Formel-E-Strecke drehte.

Video: Formel E bricht Beschleunigungsrekord der Formel 1

 

"Teil dieses bahnbrechenden Moments zu sein, ist wie ein Traum, der wahr wird", wird Al Aboud in einer Pressemitteilung der Formel E zitiert. "Die Formel E hat mir die Plattform gegeben, um ein Zeichen zu setzen, und ich fühle mich geehrt, ein Teil dieser Reise in Richtung Gleichberechtigung im Rennsport zu sein."

Formel-E-CEO Jeff Dodds erklärt: "Die von Reem erreichte Benchmark ist ein Beweis dafür, wofür wir in der Formel E stehen: Innovation, Gleichberechtigung und Wettbewerb. Ihr Erfolg ist nicht nur ein Gewinn für die Formel E, sondern ein Sprung nach vorn für die Gleichberechtigung im Rennsport. Wir alle freuen uns mit ihr über diesen Meilenstein, besonders im Vorfeld des Internationalen Frauentags."

Kommentar von Timo Pape: Warum die starke Botschaft verwässern?

Als ich am Mittwoch die Überschrift der Pressemitteilung las, war ich begeistert. Im nächsten Moment dachte ich: Bestimmt saß eine Frau aus Saudi-Arabien am Steuer. Tja. Der Beschleunigungsrekord ist für mich wahrhaftig ein Meilenstein, von dem unter anderem Lucas di Grassi seit vielen Jahren träumt: Die F1 hinsichtlich der Beschleunigung schlagen! Endlich mal wieder eine sportliche News, die das Potenzial hat, in der Motorsport-Branche ernst genommen zu werden.

Aber anstatt einen hochdekorierten Rennfahrer ans Steuer zu setzen, der auch anderen gewichtigen Piloten Respekt abverlangt, entschied sich die Formel E für eine weitgehend unbekannte Fahrerin aus dem geliebten Wüstenstaat. Wozu? Um die starke Aussage zu verwässern und möglichst viele Botschaften in eine Pressemitteilung zu packen, die sich die Formel E gern auf die Fahnen schreibt. Fakt ist allerdings auch, dass seit Saison 2 - vor fast neun Jahren - keine Frau mehr in der Formel E an den Start gegangen ist.

Ich feiere also die sportliche Errungenschaft der Formel E und freue mich schon sehr auf das Gen3.5-Auto mit Allradantrieb, das im nächsten Jahr kommen wird, und vor allem auf den Leistungssprung mit dem Gen4-Auto in der Saison 2026/27. Dann dürfte die Formel E auch in der Motorsport-Blase noch ernster genommen werden.

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3 Kommentare

Luca ·

Die Formel E hat das Potenzial schneller als die Formel 1 zu werden und die beste Rennserie der Welt zu werden. Die rennen sind jetzt schon deutlich unterhaltsamer und spannender.

Chris ·

Wenn der Formel E diese Hass-Liebe zur Formel 1 nicht noch zum Verhängnis wird. Klar, PR-technisch ergibt es Sinn, ist aber leider sehr einseitig und zeigt, dass die FE den ständigen Sch***zvergleich immernoch nötig hat um im kollektiven Bewusstsein zu bleiben. Wäre vielleicht weniger notwendig, wenn es einen ordentlichen Rennkalender gäbe. Warum nicht an einem Strang ziehen und gemeinsam in die Zukunft schreiten? Wo diese Meldung mit Abstand am meisten Wirkung entfaltet hätte, wäre dieses Wochenende beim Grand Prix in Saudi Arabien gewesen. Aber dafür scheint die FE zu stolz zu ein.

Denn ich stimme voll und ganz zu, die Formel E ist sehr spannend, unterhaltsam und innovativ. Warum nicht das Ansehen des großen Bruders nutzen, anstatt ständig gegen ihn zu rebellieren? Ich glaube es wäre im Interesse aller gewesen, die Formel E zumindest teilweise, vielleicht die Hälfte der Rennen, als Rahmenserie der F1 zu integrieren. Hoffentlich laufen ihr die Formel Green (und was Frauen im Motorsport angeht, die Formel 1 Academy) nicht bald den Rang ab.

EffEll ·

@Luca: Die Formel E wird nie schneller als die Formel 1 sein, da weder die Reifen ein ähnliches Gripniveau bieten, noch ein vergleichbarer aerodynamischer Abtrieb erzeugt wird. Als die Formel E 2022 erstmals das F1-Layout in Monaco fuhr, wurde sie im Internet von zahlreichen “Motorsportfans” regelrecht vorgeführt, da der Zeitunterschied so erheblich war.

Im Zeitalter der E-Mobilität haben diese 0-100-Zeiten nicht mehr die gleiche Bedeutung wie noch vor etwa 10 Jahren, da viele straßenzugelassene BEVs (Lucid Air Sapphire, Tesla S Plaid, Porsche Taycan Turbo GT usw.) diesen Wert locker unterbieten. Daher reicht es meiner Meinung nach hier nur für eine Randnotiz und ich glaube, daran hätte auch ein Formel E Weltmeister am Volant nichts geändert.

Die Formel 1 holt ihren erheblichen Zeitvorsprung nicht hauptsächlich durch schiere straight line speed oder Beschleunigung, sondern durch extrem hohe Kurvengeschwindigkeit und Bremsleistung, die durch ihre ausgefeilte und ständig weiterentwickelte Aerodynamik/deren Ground Effect ermöglicht werden. Allein dadurch wird die Formel E der F1 in Sachen Leistung nie den Rang ablaufen. Zumindest nicht, wenn man bei den aktuellen Regeln im Sinne der Nachhaltigkeit bleibt.

Ich liebe die spektakulären Rennen der Formel 1. Aber das liegt hauptsächlich an den unglaublichen Geschwindigkeiten, die dort erreicht werden, und weniger am Rennverlauf. Denn im Vergleich zur Formel E ist dieser generell eher langweilig. Deshalb möchte ich auch nicht, dass sich die FE der F1 zu stark angleicht. Denn dann würden die Rennen aus Sicherheits- und Platzgründen vermutlich ebenfalls auf weiten GP-Strecken ausgetragen werden und Überholmanöver und Positionswechsel wären wohl ebenso selten wie beim Vorbild und das will sicherlich keiner.

Ich freue mich auch auf den Leistungszuwachs der Gen4. Aber aufgrund der fehlenden Aerodynamik und des geringeren Reifengrips wird diese Generation wahrscheinlich genauso ereignisreich sein wie bisher. Zumindest hoffe ich das.

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