Formel E

Mitch Evans schießt nach "Save of the Season" gegen aggressiven Nyck de Vries: "Ein dummes Manöver"

Timo Pape

Timo Pape

Mitch-Evans-Sunglasses-New-York

Mitch Evans reist nach dem New York City E-Prix der Formel E durchaus zufrieden ab: Der Jaguar-Pilot arbeitete sich im Sonntagsrennen bis auf den dritten Platz vor und bewahrte somit seine Chancen im WM-Titelkampf 2022. Rückblickend beschreibt er sein bemerkenswertes Rettungsmanöver auf der Gegengeraden und die harte Gangart seines Kontrahenten Nyck de Vries.

Von Startplatz 6 aus kämpfte sich Evans über den Rennverlauf hinweg stetig voran. Früh wurde die starke Pace des Jaguar deutlich. "Wir hatten heute offensichtlich ein Auto, mit dem wir um den Sieg hätten kämpfen sollen", fand Evans nach dem E-Prix. Über weite Strecken rieb sich der Neuseeländer im Zweikampf mit Mercedes-Pilot Nyck de Vries auf. Einen ersten Angriff vereitelte der amtierende Formel-E-Champion noch.

Beim Herausbeschleunigen aus Kurve 5 leistete sich de Vries schließlich einen kleinen Fehler, den Evans gnadenlos ausnutzte: Am Ende der Gegengeraden ging er am Niederländer vorbei. Nach rund 26 Minuten schlug de Vries jedoch überraschend zurück: In der Haarnadelkurve zog er spät und aggressiv auf die Innenbahn neben Evans und zwängte sich vorbei. Dabei schob er leicht Sims an, der sich beinahe drehte, sein Auto jedoch noch abfangen konnte.

"Ich musste ein ziemlich billiges Manöver von Nyck hinnehmen, der versucht hat, mich zu überholen - natürlich, um seinem Teamkollegen (im WM-Kampf) zu helfen. Das war einer dieser Angriffe, wo du entweder aus dem Weg gehst, oder es kommt zum Kontakt. Dann hat er auch noch beinahe Alexander rausgeworfen. Am Ende ist das alles Strategie und Taktik, aber nicht wirklich nach meinem Geschmack. Für mich war das einfach ein dummes Manöver."

Evans über Rettungsmanöver des Jahres: "Es war ein glücklicher Moment"

Evans setzte den Mercedes-Fahrer anschließend unter Druck, um sich seine Position zurückzuholen. Auf der Gegengeraden versuchte er es auf der Innenseite, wo ihm de Vries wenig Platz ließ. Er fuhr über eine Bodenwelle, hob kurzzeitig ab, kam ins Schlingern und touchierte dabei auch die Mauer. Mit rauchenden Rädern kam er gerade noch rechtzeitig zum Stehen und konnte direkt ohne größeren Schaden auf die Strecke zurückfahren - sogar ohne einen Platz zu verlieren.

Sein "Rettungsmanöver des Jahres" erlebte er wie folgt: "Ich habe versucht, Nyck zu überholen, doch er hat mir keinen Platz gelassen. Das war ein sehr merkwürdiges Manöver. Ich habe ihn getroffen. Das war schon ganz schön wild. Ich dachte: Jetzt ist alles aus."

"Ungefähr auf halber Strecke des Bremsweges habe ich zum ersten Mal gedacht, vielleicht kann ich es schaffen. Ich wusste aber nicht, wie weit die anderen Jungs hinter mir waren. Dann habe ich versucht, wieder auf die Strecke zu kommen und keine Position zu verlieren. Zum Glück war die Lücke (zu den anderen hinter mir) groß genug. Das Auto war leicht beschädigt, ich hatte mehrere Bremsplatten, aber es ging. Es war ein glücklicher Moment."

De Vries fast mit identischer Rallye-Einlage

De Vries erlebte wenige Minuten später eine fast identische Aktion: Bei seinem Überholversuch gegen Alexander Sims wurde auch er von der Bodenwelle abseits der Ideallinie ausgehebelt. Und auch er kam schlitternd gerade noch so vor der Auslaufzone zum Stehen. Dabei büßte er allerdings wieder Position 4 gegen Evans ein.

Während de Vries nun eher in die Rückspiegel schauen musste, orientierte sich der Jaguar-Pilot nach vorn und schaffte es wenige Minuten vor Schluss auch noch an Sims vorbei. Über sein sechstes Podiumsergebnis der Saison konnte er sich nach dem Rennen durchaus freuen: "Leider hat es heute nicht zum Sieg gereicht, aber die Pace war wirklich gut. Das ist ermutigend. Ich bin glücklich mit Platz 3, aber es war mehr drin."

Beeindruckende Aufholjagd von Sam Bird

Auch sein Teamkollege Sam Bird holte nach einem verkorksten Qualifying das Maximum aus seinem Jaguar heraus. Von Startplatz 16 aus fuhr er - ohne fremde Hilfe oder glückliche Zufälle - bis auf die fünfte Position vor. Die wahnsinnige Aufholjagd des Briten wurde demnach mit zehn Punkten belohnt. Auch Bird war auf seinem Weg in die Top 5 mit Crash-Kid de Vries kollidiert, als er versuchte, den Mercedes-Fahrer zu überholen. Am Ende wurde de Vries Siebter hinter Landsmann Robin Frijns.

Bird sprach nach dem Rennen trotz gutem Ergebnis von einer verpassten Chance: "Wir wussten, dass wir gerade hier ein wirklich gutes Auto haben würden. Im Qualifying hatte ich jedoch kein Glück, weil JEV (Jean-Eric Vergne) vor mir gecrasht ist. Von Platz 16 auf Platz 5 vorzukommen, war mega. Ich werde morgen vermutlich aufwachen und stolz darauf sein. Aber ich sehe dieses Wochenende eher als verpasste Gelegenheit, um ehrlich zu sein. Einfach mit Blick auf den Speed, den wir hatten. Doch es war eine ordentliche Fahrt."

Beim London E-Prix in zwei Wochen will Jaguar erneut angreifen und das Potenzial des Autos in ein gutes Ergebnis ummünzen. Mitch Evans fehlen vier Rennen vor Schluss 16 Punkte auf WM-Spitzenreiter Stoffel Vandoorne. In der Teamwertung rangiert Jaguar auf Position 4 hinter Mercedes, DS und Venturi.

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