Formel E

Money, Money, Money: So viel verdienen die Formel-E-Teams

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Es ist das Thema, über das niemand wirklich gerne redet: Geld. Insbesondere im Motorsport ist die Veröffentlichung von Zahlen und Summen ein unausgesprochenes Tabu. Niemand möchte unnötig viele Informationen an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Bislang waren auch die Prämien in der Formel E ein weitgehend gut gehütetes Geheimnis. Nun sind durch unsere Kollegen von 'Current E' einige aktuelle Zahlen an die Öffentlichkeit gedrungen, die beeindrucken. Wir hatten bereits vor zwei Jahren exklusiv veröffentlicht, dass ein Punkt in der Formel E 3.500 Euro wert ist. Die Punkteprämie wurde seitdem offenbar leicht angehoben.

So prämiert die Formel E jeden einzelnen Meisterschaftspunkt dem Bericht zufolge mit über 3.700 Euro. Wie diese Summe aufgeteilt wird, überlässt der Veranstalter den Teams. Teilweise bekommen die Fahrer sogar mehr als 50 Prozent der Einnahmen durch Punkte - zusätzlich zum eigentlichen Gehalt.

Aktuell wäre ein Rennsieg also ganze 92.500 Euro für ein Team wert. Dieses Geld fließt zu einem Großteil in die Fahrzeugentwicklung für die folgende Saison. Ein besonders erfolgreicher Rennstall erhält also für das nachfolgende Jahr das größte Budget und kann somit seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz theoretisch ausbauen.

Die ursprüngliche Beitrittsgebühr von 50.000 Euro in der ersten Saison wäre damit nach nur zwei Podestplätzen abbezahlt. Zum Vergleich: Für den zwölften Teamslot ab Saison fünf (2018/19) erwartet die Formel E aktuell rund 25 Millionen Euro. Wie viel Mercedes für seine Reservierung bezahlt hat, ist nicht bekannt.

Zusätzlich zu den Punkte-Preisgeldern verteilt die FIA außerdem am Ende einer Saison weitere Gelder an die Top 3: Eine Million Euro gehen an den Team-Meister, 600.000 an das zweit- und 400.000 Euro an das drittplatzierte Team. Kein Wunder also, dass sich Dragon Racing nach dem Saisonfinale von Saison zwei in London an das FIA-Berufungsgericht gewendet hat. Denn wäre das Rennergebnis im Nachhinein korrigiert worden, wäre das Budget der US-Drachen für Saison drei ganze 400.000 Euro größer gewesen.

Anhand dieser Daten kann verglichen werden, wie viel die Formel-E-Teams in der vergangenen Saison eingenommen haben:

Team

Punkte

Punkteprämie (€)

Total (€)

e.dams

270

999.000

1.999.000

ABT

221

817.700

1.417.700

Virgin

144

532.800

932.800

Dragon

143

529.100

529.100

Mahindra

105

388.500

388.500

Venturi

77

284.900

284.900

Andretti

49

181.300

181.300

Aguri

32

118.400

118.400

NextEV

19

70.300

70.300

Nichtsdestotrotz ist dieses Preisgeld bei Weitem noch nicht genug, um ganz vorn in der Formel E ein Wörtchen mitzureden. Laut Medienberichten gab Renault e.dams beispielsweise mehr als acht Millionen Euro für die Entwicklung und Herstellung des erfolgreichen Antriebsstranges aus Saison zwei aus - auch wenn Renault bislang beteuerte, "nur" vier Millionen Euro investiert zu haben.

Das Problem liegt auf der Hand: In Kombination mit den Betriebskosten, die sich im aktuellen Jahr auf schätzungsweise zehn Millionen Euro belaufen werden, würde selbst Renault noch einige Millionen Euro Minus machen. Diese Summe müssen die Teams entweder durch Sponsoren eintreiben oder - was bei Renault wohl der Fall sein wird - aus den eigenen Taschen des Konzerns bezahlen. Es wird vermutet, dass gerade einmal eine Million Euro durch den Motoren-Deal mit Techeetah eingenommen wird. Der chinesische Rennstall lässt sich in der aktuellen Saison als Kundenteam mit Renault-Aggregaten beliefern.

Droht eine Kostenexplosion ab Saison 5?

Obwohl die Antriebsstränge aktuell vergleichsweise ähnlich wie die Aggregate aus Saison zwei sind, droht der Formel E in Zukunft womöglich eine regelrechte Kostenexplosion. Nach den aus technologischer Sicht recht ähnlichen Saisons drei und vier kommt der lang erwartete große Sprung in Saison fünf: Mit dem neuen Batteriehersteller McLaren soll der häufig von Herstellern kritisierte Fahrzeugwechsel zur Rennhalbzeit wegfallen.

Das neue Batteriedesign zwingt die Hersteller förmlich zu Innovationen und neuen Wegen, das Antriebspaket im Fahrzeug unterzubringen. Selbstverständlich ist dies genau das Richtige für große Hersteller wie Renault, Jaguar, BMW oder Audi, die so in der Formel E neue Technologien für ihre eigenen Straßenfahrzeuge erproben können. Das Problem jedoch: Die Weiterentwicklungen ziehen horrende Kosten nach sich.

Ab Saison fünf gilt es also umso mehr, die Teams an ein Regelwerk zu binden, das eng an die Formel-E-Philosophie angelehnt ist, die Kosten im Rahmen zu halten. Dazu gehören auch eine eingefrorene Aerodynamik, ein Einheitschassis und ein Entwicklungsverbot für mehrere Stellen des Autos. Nur so können die Kosten halbwegs gedeckelt werden. Schließlich kann nicht einmal die aktuelle Kostengrenze ein Wettrüsten zwischen den großen Herstellern verhindern, denn sie unterstützen die Teams lediglich.

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