Formel E

Sam Bird verpasst Kapstadt-Start nach Unfall, Jaguar schimpft über Formel-E-Rennleitung: "Es gab keine gelben Flaggen!"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Sam-Bird-Edoardo-Mortara-Accident-Cape-Town

Nach guten Ergebnissen in den Freien Trainings endete das Formel-E-Qualifying in Kapstadt für Edoardo Mortara (Maserati) und Sam Bird (Jaguar) jäh in der Betonmauer von Kurve 9. Binnen weniger Augenblicke verlor erst Mortara die Kontrolle über sein Auto und krachte in die Streckenbegrenzung, kurz darauf schlug Bird mit hoher Geschwindigkeit seitwärts erst in die Bande, dann in das Maserati-Wrack ein. Beide Piloten sind wohlauf, doch insbesondere Jaguar wundert sich über den Umgang der Rennleitung mit dem Vorfall. Bird wird durch das beschädigte Chassis nicht am Rennen teilnehmen können.

Schon am Teamfunk schimpfte der Brite - nach seinem Einschlag hörbar angeschlagen - über die FIA: "Es gab keine gelben Flaggen!", rief der Brite, "Und dann spricht Scot (Elkins, der Formel-E-Rennleiter der FIA) auch noch mitten in der Kurve mit mir! Das darf nicht wahr sein!"

Der Jaguar-Pilot sei von Elkins' Durchsage, dass sich hinter Kurve 9 ein beschädigtes Fahrzeug befinde, irritiert worden und habe daher die Fahrzeugkontrolle auf einer Bodenwelle verloren. Kurz zuvor hatte derselbe Buckel auf der Strecke das Heck von Mortaras Maserati-Rennwagen ausgehebelt und ihn in die äußere Streckenbegrenzung geworfen.

Einen ähnlichen Unfall hatte bereits das 1. Freie Training von Mortaras Landsmann Sebastien Buemi (Envision) beendet, der am Freitag nach wenigen Minuten in jener Kurve crashte und sein Team vor eine Reparaturaufgabe stellte, die sie erst am späten Abend beenden konnten.

Birds Unmut über die fehlenden gelben Flaggen gab Jaguar-Teamchef James Barclay am Samstagmittag im englischsprachigen TV-Weltsignal weiter. "Sam ist zum Glück wohlauf. Der Unfall macht uns Sorgen, vor allem aber wegen der Umstände unmittelbar davor", so der Südafrikaner. "Er sagte, dass er keine gelben Flaggen sehen konnte. Auf der Streckenkarte ist der Punkt von anderen Fahrern sehr klein, weshalb wir nicht sehen konnten, wo sich Edo befand. Deswegen hatte (Sam Bird) keine Warnung, weder von uns noch durch gelbe Flaggen."

Laut der offiziellen Streckenkarte der FIA befinden sich im Komplex der Kurven 8 und 9 insgesamt drei Posten für Sportwarte sowie eine digitale Anzeige für Flaggensignale. "Auf Straßenkursen mit blinden Kurven ist es ungemein wichtig, dass die Flaggenzeichen korrekt gegeben werden", so Barclay. "Sam hätte verlangsamen können, wenn es doppelt geschwenkte gelbe Flaggen gegeben hätte. Aber als der Renndirektor am Funk war, war es schon zu spät dafür. Das ist echt unglücklich, und wir werden herausfinden müssen, was da mit den fehlenden Flaggen vorgefallen ist."

Unmut über FIA schon in Hyderabad - Bird verpasst Rennstart

Schon nach dem Hyderabad E-Prix äußerten mehrere Fahrer Bedenken über den Umgang der FIA mit Unfällen. Beim Rennen in Indien lag für mehrere Runden ein Trümmerteil unmittelbar neben der Ideallinie, das nach der Meinung vieler Piloten mithilfe einer Full-Course-Yellow- oder einer Safety-Car-Phase vom Kurs hätte geräumt werden müssen. Elkins ließ das Rennen stattdessen laufen und ordnete die Reinigung der Passage erst an, als Jake Hughes (McLaren) unweit des Trümmerteils verunfallte.

Da Birds Chassis beim Unfall beschädigt wurde, kann der Jaguar-Pilot nicht am Rennen in Südafrika teilnehmen. "Die Karosserie müsste gewechselt werden, doch für die Reparaturarbeiten bleibt vor dem Start ins Rennen nicht mehr genügend Zeit", bestätigte das Team über den Kurznachrichtendienst Twitter. Für die Startaufstellung des Kapstadt E-Prix verbleiben nach dem Rückzug aller vier Mahindra-Fahrzeuge somit nur noch 17 Autos - und womöglich sogar nur 16, sollte Maserati Mortaras Wagen nicht rechtzeitig zum Rennbeginn reparieren können. Der Start des E-Prix soll um 15:03 Uhr deutscher Zeit erfolgen.

Video: Der Unfall von Edoardo Mortara & Sam Bird im Kapstadt-Qualifying

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