Nach Formel-E-Finale: Weltmeister Pascal Wehrlein will Strecke, auf der Teamtaktiken nicht funktionieren
Jasmin Fromm
FIA Formula E
Formel-E-Weltmeister Pascal Wehrlein wünscht sich für künftige Saisonfinals eine Strecke, auf der sich Teamtaktiken weniger effektiv einsetzen lassen. Beim Titel-Showdown in London hatten die Herstellerlager von Porsche und Jaguar ihre Fahrzeuge gezielt taktisch eingesetzt, um die jeweiligen WM-Chancen zu maximieren. Für Wehrlein war dabei gerade die Streckencharakteristik ein entscheidender Faktor.
Beim Saisonfinale in London spielten solche taktischen Manöver eine zentrale Rolle im Titelkampf. Porsche und Jaguar nutzten dabei auch weitere Fahrzeuge mit ihren jeweiligen Antrieben, um Konkurrenten aufzuhalten und die eigenen WM-Chancen zu verbessern. Besonders im Sonntagsrennen sorgte das für Diskussionen. Wehrlein sprach anschließend vom "Unfairsten", das er je erlebt habe.
Wehrlein sieht Streckenlayout als entscheidenden Faktor
Im Rahmen einer Medienrunde, an der auch e-Formel.de teilnahm, äußerte Wehrlein nun den Wunsch, das letzte Rennwochenende nicht auf einer so engen Strecke stattfinden zu lassen, auf der Teamtaktiken sich so effektiv umsetzen lassen.
"Es könnte für die Zukunft von Vorteil sein, wenn das letzte Wochenende auf einer großen Strecke stattfinden würde, auf der Teamtaktiken nicht möglich wären oder nicht funktionieren würden", so der Porsche-Pilot. "Aber aufgrund der Beschaffenheit Londons und der dortigen Strecke ist es natürlich sehr verlockend, genau das zu tun."
London war kein Einzelfall
Dabei kritisiert Wehrlein Teamtaktiken keineswegs grundsätzlich. Vielmehr sieht er vor allem die Streckencharakteristik als entscheidend an. Als Beispiel verweist der Porsche-Pilot auf Monaco 2024, als Jaguar das enge Layout erfolgreich für taktische Zusammenarbeit nutzte. "Ich erinnere mich daran, wie Jaguar in Monaco das Rennen gewonnen hat", sagt Wehrlein. Auch dort hatten sich die beiden Jaguar-Teamkollegen gegenseitig Lücken herausgearbeitet, damit sie ihre Attack-Mode-Aktivierungen absolvieren konnten, ohne zu viele Positionen zu verlieren.
"Es gibt bestimmte Strecken, auf denen es einfach Sinn ergibt, als Team zusammenzuarbeiten, wenn man versucht, das eigene Ergebnis und die eigenen Positionen zu maximieren, und das Überholen schwierig ist." Diese Chance nutzte in London auch Wehrleins Team. Porsche hatte sich in beiden Rennen eine Ausgangslage geschaffen, die es den Porsche-angetriebenen Fahrzeugen ermöglichte, gemeinsam gegen die Konkurrenz zu arbeiten.
Wehrlein stellt damit weniger die Teamtaktiken selbst infrage als die Frage, welche Strecken sich für ein Saisonfinale eignen. Wenn taktische Zusammenarbeit auf engen Kursen besonders wirkungsvoll ist, könnte aus seiner Sicht ein anderes Streckenprofil geeigneter sein.
Die Diskussion könnte bereits beim nächsten Saisonfinale wieder aktuell werden. Am 24. und 25. Juli 2027 entscheidet die Formel E ihre Meisterschaft in Tokio. Auch der dortige Straßenkurs bietet zahlreiche enge Passagen und könnte strategische Zusammenarbeit zwischen Teamkollegen und Herstellerpartnern begünstigen.
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