Formel E

Nachhaltigkeitsstudie: Formel E gewinnt zum 5. Mal in Folge, Extreme E/H bleibt hinter MotoGP

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Die Formel E hat ihre Führungsrolle im Sustainable Championship Index (SChI) nicht nur verteidigt, sondern deutlich ausgebaut. Nach zwei Jahren Stagnation verbesserte sich die Elektro-Weltmeisterschaft auf 97 von 100 Punkten und bleibt zum fünften Mal in Folge die nachhaltigste Motorsportserie der Welt. Die Extreme E bzw. Extreme H bleibt dagegen außerhalb der Top 3: Die Serie liegt weiter hinter der Formel 1 und der MotoGP. Die Motorrad-WM baute ihren Vorsprung auf vier Punkte aus.

Die britische Firma Enovation Consulting hat die Ergebnisse einer neuen Studie veröffentlicht, in der anhand von 25 Kriterien die Nachhaltigkeit von Rennserien bewertet wurde. Diese orientieren sich an Richtlinien und Modellen der UN, EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die Kriterien werden in sechs Klassen unterteilt: Zertifizierungen, Akkreditierungen und Auszeichnungen, Umweltleistung, soziale Leistung, Engagement und Partnerschaften sowie Nachhaltigkeitsansatz. Die Datenbasis besteht dabei ausschließlich aus Daten, die im Zeitraum von 1. Januar bis 31. Dezember 2025 aus Veröffentlichungen der Rennserien ermittelt wurden.

Die Formel E belegte dabei zum fünften Mal nacheinander die Spitzenposition und erreichte 97 von 100 Punkten - eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den beiden Vorjahren, in denen sie jeweils 85 Punkte erzielte. Auch 29 weitere Serien steigerten ihr Ergebnis im Jahr 2025.

Neben der Formel E hat nur die Formel 1 die höchste Auszeichnung erreicht - jedoch ist mit 77 Punkten trotz einer Steigerung um vier Zähler der Rückstand auf die Formel E stark angewachsen. Dahinter liegt weiterhin die MotoGP vor der Extreme E bzw. Extreme H, die erneut den vierten Platz belegt. Die Zahl der Serien, die in der niedrigsten Kategorie landeten, verringerte sich von 54 auf 38. Bei der ersten Ausgabe der Studie waren es sogar 72 Meisterschaften, die in der untersten Kategorie landeten.

Zertifizierungen und Barrierefreiheit mit Fortschritten

Besonders im Bereich der Zertifizierungen gibt es einige Fortschritte: Insgesamt zählte der SChI 2025 18 Zertifizierungen, nach zwölf im Vorjahr. Besonders stark verbreitet ist ISO 20121 (nachhaltige Veranstaltungsplanung): Die Zahl der öffentlich gemeldeten Zertifizierungen nach diesem Standard stieg von zwölf auf 14. Besonders die Formel E sticht hier heraus, da sie erneut nach ISO 20121 und ISO 9001 (Qualitätsmanagement) zertifiziert wurde. Neu hinzu kam ISO 14064 für die Bilanzierung von Treibhausgasen und die Net Zero Pathway der British Standards Institution (BSI) zertifiziert ist. 15 Rennserien kalkulieren zudem ihren CO2-Fußabdruck.

Im Bereich der Umweltleistung lagen die Ergebnisse im Bereich des Vorjahres. Bei den Kriterien Verwendung natürlicher Ressourcen (53), Transportwesen und Mobilität (52) sowie Abfallmanagement (52) punkteten wie im Vorjahr mehr als die Hälfte der Rennserien. Im Bereich der sozialen Leistungen stieg die Anzahl der Rennserien beim Hauptpunkt Barrierefreiheit leicht: 33 statt 32 Serien.

Partnerschaften im Bereich der Nachhaltigkeit gehen 23 Rennserien ein (+3). Mit 53 verfügt mehr als die Hälfte der untersuchten Motorsportserien über einen Ethikkodex, -Richtlinien, oder sie unterliegen Verpflichtungen des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

Formel E: Perfektes Ergebnis in Reichweite

Viel Verbesserungspotenzial hat die Formel E nicht mehr: Lediglich in den Bereichen Soziale Kriterien (8 von 10) und Zertifizierungen (9 von 10) wurde das perfekte Ergebnis verfehlt.

Die Rennserie kündigte eine Reduzierung der Scope-1- und Scope-2-Emissionen um 55 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert in Saison 5 an. Positiv wirkte sich zudem die Einführung des Gen3-Evo-Rennwagens zur elften Saison aus, der neue Maßstäbe in Sachen Effizienz setzte: Teile des Fahrzeugs bestehen aus recycelter Kohlefaser, zudem wurde für die Produktion des überarbeiteten Hankook-Reifen 35 Prozent recyceltes Material verwendet.

"Im Laufe des Jahres hat die Formel E ihr ökologisches Engagement gestärkt, indem sie neue Betriebsabläufe zur Emissionsreduzierung einführte, den Umfang ihrer Programme für gesellschaftliches Engagement ausweitete, nachhaltige Renntechnologien vorantrieb und ihre Plattform weiterhin nutzte, um weltweit für Klimaschutz und soziales Engagement zu werben", so der Bericht.

Und weiter: "Eine verbesserte Logistikplanung – einschließlich der Seetransporte mit Biokraftstoff, eines neuen, strategisch günstig gelegenen Betriebszentrums in Valencia und des verstärkten Einsatzes von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) – trug zur Senkung der transportbedingten Emissionen bei. Die Rennen wurden zudem geografisch gebündelt, um Transportwege und CO₂-Ausstoß zu reduzieren."

"Soziale Projekte erreichten über 32.000 Menschen in den Austragungsstädten. Das Programm 'FIA Girls on Track' wurde zudem auf alle 11 Rennmärkte ausgeweitet und die Teilnehmerzahl auf 2.000 verdoppelt. Das 'Driving Force'-STEM-Bildungsprogramm – das Themen wie Luftverschmutzung, Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energien abdeckt – verzeichnete ein deutliches Wachstum."

SChI als Gradmesser für nachhaltigen Motorsport

Der SChI wurde vom britischen Unternehmen Enovation Consulting gemeinsam mit Paolo Taticchi, Professor für Strategie und Nachhaltigkeit am University College London, entwickelt. Nach eigenen Angaben ist es das einzige globale Bewertungssystem, das die öffentlich kommunizierten Nachhaltigkeitspraktiken von Motorsportserien auf Basis der UN-Nachhaltigkeitsziele und des ESG-Rahmenwerks vergleicht.

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