Formel E

Nachhaltigkeitsstudie: Formel E zum 3. Mal an der Spitze aller Rennserien, Extreme E auf dem "Podium"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Die Formel-E-Weltmeisterschaft landete auch in der dritten Ausgabe des Sustainable Championship Index (SChI) als einzige von 106 untersuchten Motorsport-Meisterschaften weltweit in der höchsten Kategorie. Die 2014 gegründete Elektromeisterschaft bleibt damit der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Hinter der Formel 1 landet die Extreme E erneut auf dem dritten Rang, den sich die Elektro-Meisterschaft mit der MotoGP teilt.

Die britische Firma Enovation Consulting hat die Ergebnisse einer neuen Studie veröffentlicht, in der anhand von 25 Kriterien die Nachhaltigkeit von Rennserien bewertet wurden. Diese wurden auf Grundlage von Richtlinien und Modellen von UN, EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ermittelt. Die Kriterien werden in sechs Klassen unterteilt: Zertifizierungen, Akkreditierungen und Auszeichnungen, Umweltleistung, soziale Leistung, Engagement und Partnerschaften sowie der Nachhaltigkeitsansatz. Die Datenbasis besteht dabei ausschließlich aus Daten, die im Zeitraum von Januar bis November 2023 aus Veröffentlichungen der Rennserien ermittelt wurden.

Auffällig dabei: Im Vergleich zum Vorjahr haben sehr viele Rennserien einen Sprung nach vorn gemacht. Waren es im Vorjahr noch 25 Rennserien, die keinen einzigen Punkt erzielten, sank die Anzahl nun auf 20. Ganze 26 Serien steigerten ihr Ergebnis im Vergleich zu 2022. Die Zahl der Serien, die in der niedrigsten Kategorie landeten, verringerte sich von 68 auf 58. 26 davon fehlte jedoch nur ein einziger Punkt zum Aufstieg in die nächsthöhere Kategorie.

Nur vier der 106 Serien verfügen über eine Zertifizierung - im Vergleich zu den drei Serien im Vorjahr kam die Ferrari Challenge Trofeo Pirelli North America dazu. Es handelt sich dabei um die Zertifizierung für Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement nach ISO 20121, erstmals hat auch eine Rennserie eine Zertifizierung ihres Qualitätsmanagements. Weiterhin messen jedoch nur zehn Rennserien überhaupt ihren CO2-Fußabdruck. 13 Rennserien verfügen über eine Umweltakkreditierung des Automobil-Weltverbandes FIA oder eine Umweltauszeichnung des Motorrad-Weltverbandes FIM. Drei Meisterschaften haben andere relevante Auszeichnungen erhalten.

Im Bereich der Umweltleistung sind es erneut deutlich mehr Rennserien, die Punkte sammelten: Jeweils 66 (+1) punkteten in den Kriterien Abfallmanagement und Verwendung natürlicher Ressourcen, 64 (+2) im Bereich Transportwesen und Mobilität. Auch im Bereich der sozialen Leistungen haben sich viele Rennserien im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die meisten Rennserien, nämlich 32 (+5), punkten im Bereich der Barrierefreiheit. 2021, bei der ersten Auflage der Studie, waren es sogar nur 19 gewesen.

Partnerschaften im Bereich der Nachhaltigkeit gehen 14 Rennserien ein (+1). 62 Motorsportserien (+2) verfügen über einen Ethikkodex, -Richtlinien oder unterliegen Verpflichtungen des Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

85 von 100 möglichen Punkten: Formel E ist klarer Trendsetter

Zum dritten Mal in Folge erhielt die Formel E die höchste Punktzahl aller Rennserien. Sie ist mit 85 von 100 möglichen Punkten die einzige Meisterschaft, die es in die höchste von fünf Ergebniskategorien schaffte. In 21 der insgesamt 25 Kriterien punktete die Elektroserie, die für ihre WM-Saison 2024 bereits Neuerungen ankündigte, die für ein noch besseres Ergebnis im kommenden Jahr sorgen könnte: Die Zusammenarbeit mit der FIA-Initiative "Girls on Track" wird auf sämtliche Veranstaltungen ausgeweitet, außerdem nimmt an jeder Podiumszeremonie eine Vertreterin des Programms teil.

Auf dem zweiten Platz liegt erneut die Formel 1, die den Rückstand auf die Formel E sogar um einen Punkt verringern konnte. Die "Königsklasse" des Motorsports verbesserte sich stark im Bereich der Einbindung der Anteilseigner und Partnerschaften, gemeinsam mit den Bemühungen, bis zum Jahr 2025 vollständig nachhaltige Veranstaltungen durchzuführen. Einwegplastik soll es dann an den Rennstrecken nicht mehr geben.

Den dritten Platz teilen sich erneut die Extreme E und die MotoGP. Bei der SUV-Elektroserie wird besonders hervorgehoben, dass sie mit der "Count Us In"-Challenge mehr als 1.000 Fans dazu gebracht hat, Nachhaltigkeitszusagen zu machen. Die Motorrad-Serie ging unter anderem Partnerschaften ein, um Wiederaufforstungsprojekte zu unterstützen.

"Der diesjährige Sustainable Championships Index zeigt deutlich das anhaltende Engagement der Motorsportindustrie, ihre Nachhaltigkeitspraktiken zu verbessern und durch transparente und öffentliche Offenlegung ihrer Arbeit Rechenschaft abzulegen", beschreibt Dr. Cristiana Pace, Gründerin von Enovation Consulting. "Mit zwei neuen Meisterschaften, die in den Index aufgenommen wurden, und zehn Meisterschaften, die innerhalb von nur einem Jahr von der (niedrigsten) Kategorie 'Low-Performance' in die Kategorie 'Medium-Low' aufgestiegen sind, sehen wir deutlich den Nutzen der Schaffung eines Systems zur Offenlegung und Einstufung der ESG-Praktiken von Motorsportakteuren."

Julia Palle: "Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema"

"Wir sind stolz darauf, die Messlatte für den globalen Standard für Nachhaltigkeit im Sport immer weiter anzuheben", erklärt Julia Palle, Nachhaltigkeitschefin bei der Formel E. "Nachhaltigkeit ist seit der Gründung unserer Meisterschaft ein zentrales Thema, und wir sind entschlossen, unser Engagement und unsere Fähigkeiten Jahr für Jahr weiter auszubauen. Der Spitzenplatz in der Rangliste unterstreicht einmal mehr, dass Unterhaltung und Nachhaltigkeit kompromisslos nebeneinander bestehen können."

"Es ist großartig für die Extreme E, im 'Sustainable Championship Index' als führend im nachhaltigen Motorsport anerkannt zu werden", freut sich Ali Russell, Managing Director der Extreme E. "Verantwortung für die Umwelt wird im Motorsport immer wichtiger. Als Serie werden wir die Grenzen immer weiter verschieben, um ein aufregendes Rennprodukt zu liefern, während wir uns gleichzeitig unserer Bemühungen um Nachhaltigkeit bewusst sind und das Bewusstsein für die Klimakrise schärfen."

Der SChI wurde vom britischen Unternehmen Enovation Consulting gemeinsam mit Paolo Taticchi, Professor für Strategie und Nachhaltigkeit am University College London, entwickelt. Nach Angabe von Enovation Consulting handelt es sich um "das einzige globale Leistungssystem, das die veröffentlichen Nachhaltigkeitspraktiken misst und im Hinblick auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und das ESG Framework darüber berichtet".

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