Formel E

Arabische Nächte: Die XXL-Vorschau zum Formel-E-Saisonstart 2021 in Diriyya

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Diriyah-Formula-E-Track-City-Portrait

Es geht wieder los: Exakt 197 Tage nach dem Berlin E-Prix 2020 startet die Formel E am kommenden Freitag in ihre Saison 2021. Erstmals vergibt die FIA am Ende des siebten Meisterschaftsjahres einen offiziellen Weltmeister-Titel. Schon der Saisonauftakt in Saudi-Arabien verspricht Hochspannung, schließlich stehen am Freitag und Samstag (26./27. Februar) die ersten beiden Nachtrennen der Formel-E-Geschichte auf dem Programm. Zudem scheint das Teilnehmerfeld stärker denn je...

Bereits die vergangenen beiden Saisons startete die Formel E mit einem E-Prix auf der Arabischen Halbinsel in die Meisterschaft. In diesem Jahr springt Diriyya, ein Vorort der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, jedoch mehr oder weniger zufällig als Auftaktveranstaltung ein: Der ursprünglich geplante Saisonstart im Januar in Chile musste verlegt werden, nachdem die dortige Regierung neue Corona-Einreisesperren verhängt hatte. Der Santiago E-Prix soll im Juni nachgeholt werden.

Das Rennen in Diriyya dürfte einige Überraschungen bereithalten. Nicht zuletzt die besonderen COVID-19-Umstände des diesjährigen Events stellen die Teams vor neue Herausforderungen. Auch wird die Formel E in Saudi-Arabien die ersten Nachtrennen ihrer Geschichte auszutragen. Die Strecke wird durch energiesparende LED-Flutlichtanlagen ausgeleuchtet, die vom Verantwortlichen des Formel-1-Rennens in Singapur bereitgestellt werden. Die benötigte Energie soll ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammen.

Was du vor dem Diriyya E-Prix 2021 wissen musst, und wie die Teams in die neue Saison starten, erfährst du auch in diesem Jahr wie gewohnt in unserer großen Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zählte Diriyya zu den einflussreichsten Städten auf der Arabischen Halbinsel. Als Machtzentrum und Hauptstadt des ersten Saudi-Staates überstrahlte sie sogar die heutige Metropole Riad. Nach einer Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1818 wurde das historische Diriyya jedoch beinahe komplett zerstört.

Die historische Altstadt ist heute eine archäologisch wertvolle Ausgrabungsstätte. Der Stadtteil At-Turaif gehört seit 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das moderne Diriyya, in dem die Formel E am Wochenende gastiert, entstand erst in den 1970er-Jahren. Die Rennveranstaltung gehört zu den größten Events des Jahres in der 30.000-Einwohner-Stadt.

Was in der Saisonpause passierte

Auf dem Fahrermarkt der Formel E geschah in der Pause zwischen den Saisons 2019/20 und 2021 jede Menge. Einer der verheißungsvollsten Transfers: Sam Birds Wechsel zu Jaguar. Den Platz des langjährigen Virgin-Fahrers übernahm Nick Cassidy, der nach einigen erfolgreichen Jahren in Japan sein Talent im elektrischen Motorsport zeigen will.

Alexander Sims verließ zwischen den Saisons BMW für einen neuen Job bei Mahindra, wo er Jerome d'Ambrosio (inzwischen Co-Teamchef bei Venturi) ersetzt. Sims' bisheriges BMW-Cockpit ging überraschend an den britischen Youngster Jake Dennis. Neue Arbeitgeber haben zudem Pascal Wehrlein (Porsche), Norman Nato (Venturi) und Tom Blomqvist (Nio).

Der deutsche Publikumsliebling Daniel Abt, der in der letzten Saison für Audi und Nio startete, unterstützt fortan das deutschsprachige TV-Team von "ran racing", das ab diesem Jahr bei ProSieben Maxx und Sat.1 die Elektroserie begleiten wird.

In der Herbstpause nahmen zudem die Pläne für die dritte Fahrzeuggeneration der Formel E immer mehr Gestalt an. Die ersten Hersteller bestätigten ihre Teilnahme in der "Gen3"-Ära, darunter DS Automobiles und Mahindra. Künftig nicht mehr dabei sind hingegen Audi und BMW: Die bayerischen Werksteams gaben Ende des vergangenen Jahres bekannt, dass sie 2021 letztmalig an einer Formel-E-Saison teilnehmen werden.

Der Zeitplan zum Formel-E-Saisonstart in Saudi-Arabien

Entgegen dem üblichen Formel-E-Zeitplan startet der Diriyya E-Prix in diesem Jahr bereits am Donnerstag. Grund hierfür ist das in islamisch geprägten Ländern übliche Wochenende mit einem arbeitsfreien Freitag. Neu sind auch die Startzeiten der Sessions, denn in Saudi-Arabien sollen die ersten zwei Nachtrennen der Formel-E-Geschichte stattfinden.

Alle Trainings- und Qualifying-Sessions des Events werden deshalb um einige Stunden nach hinten verlegt. Die einzige Ausnahme ist das 1. Freie Training, das bereits am Donnerstagnachmittag abgehalten wird.

Session

Donnerstag (25.02)

Freitag (26.02.)

Samstag (27.02.)

Shakedown

13:30-13:45 Uhr

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1. Training

16:15-17:00 Uhr

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2. Training

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12:00-12:30 Uhr

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3. Training

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11:45-12:30 Uhr

Qualifikation

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14:30-15:00 Uhr

14:00-14:30 Uhr

Rennen
(45 min + 1 Rnd)

-

18:03-19:00 Uhr

18:00-19:00 Uhr

* alle Zeiten in MEZ

"High risk, high reward": Die Strecke

In Diriyya erwartet die 24 Formel-E-Fahrer ein regelrechter Tanz zwischen den Mauern. Auf 2,495 Kilometern und in 21 Kurven verlangt der Straßenkurs Mensch und Maschine jede Menge ab. Besonders anspruchsvoll sind die ersten zwei Streckendrittel, in denen zahlreiche enge und geschwungene S-Kurven einen gekonnten Umgang mit dem Strompedal fordern. Die abschüssigen "Esses" erinnern an Strecken wie Suzuka, Silverstone oder Bathurst.

Vor dem Saisonstart 2021 wurden weite Teile der Strecke neu asphaltiert sowie der Radius von Kurve 9 verändert. Die Anpassungen dürften nicht nur Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben, sondern auch die Energiemanagement-Strategien verändern, wie uns Antonio Felix da Costa verriet.

Die beste Überholmöglichkeit bietet weiterhin die 90-Grad-Rechtskurve (Kurve 18) am Ende der Startgeraden. Auf der Außenseite von Kurve 19 befindet sich wie im Vorjahr die Attack-Zone, in der die Fahrer ihren 235-kW-Modus aktivieren können.

Freitags ProSieben Maxx, samstags Sat.1: Der Formel-E-Saisonstart 2021 im TV & Livestream

Für die Saison 2021 begrüßt die Formel E einen neuen TV-Partner in Deutschland. Nachdem bislang vorrangig Eurosport für die Übertragungen der Rennen verantwortlich zeichnete, übernimmt ab dem Diriyya E-Prix die Sendergruppe ProSiebenSat.1 die Ausstrahlung der Formel E. Im Programm von "ran racing" ist das Freitagsrennen somit erstmals bei ProSieben Maxx zu sehen. Der zweite Lauf der neuen Saison läuft dann in Sat.1, wo auch alle weiteren Saisonläufe kommen sollen.

Alle anderen Sessions können Formel-E-Fans im Livestream verfolgen: e-Formel.de bietet zu allen Freien Trainings und Qualifyings einen kostenlosen Stream an - kommentiert unter anderem von Eddie Mielke. Wir begleiten das Rennwochenende außerdem in unserem eigenen Live-Ticker, der sich ideal als "Second Screen" für zusätzliche Informationen oder als Lösung für unterwegs anbietet.

>>> zur ausführlichen TV- und Livestream-Übersicht zum Formel-E-Rennen in Saudi-Arabien

Formel-E-Fans in Österreich schauen beim Qualifying voraussichtlich "in die Röhre". Die Rennen hingegen strahlt auch in diesem Jahr ORF Sport+ aus. In der Schweiz übernimmt MySports weiterhin die Übertragungen der Formel E: Die Trainings und Qualifikationen laufen bei MySports Pro, die Rennen hingegen bei MySports One.

Übersicht: Die Qualifying-Gruppen für Diriyya

In der Formel E werden alle Fahrer für die Qualifikation in vier Gruppen eingeteilt. Somit soll gewährleistet werden, dass jeder der 24 Fahrer (zumindest in der Theorie) eine "freie Runde" auf dem engen Kurs drehen kann. Die Zuteilung der Gruppen ergibt sich aus dem "aktuellen" Meisterschaftsstand, in diesem Fall also aus dem Gesamtergebnis der vergangenen Saison.

Den Piloten jeder Gruppe stehen ab sofort nur noch vier Minuten zur Verfügung, um ihre Qualifying-Zeit zu setzen - zwei Minuten weniger als im letzten Jahr. Für den Diriyya E-Prix ergeben sich folgende Gruppen.

Wettervorhersage: Milde Temperaturen & wolkenloser Himmel

Bei der ersten Ausgabe des Diriyya E-Prix im November 2018 spielte das Wetter verrückt: Statt heißen Temperaturen und Wüstensand begrüßte Saudi-Arabien die Elektroserie mit heftigen Regenfällen, die sogar zur Absage von zwei Trainingssessions und einem veränderten Qualifying-Format ohne Super-Pole führten.

Mit solchen extremen Bedingungen ist in diesem Jahr allerdings nicht zu rechnen. Zwar dürften im Verlauf der Woche noch einige Wolken die Sonne verdecken. Pünktlich zum Freitagsrennen erwarten Meteorologen allerdings heiteres Wetter. Die Temperaturen sollen am Wochenende auf bis zu 21 Grad Celsius klettern, wenngleich die Werte nach Sonnenuntergang schnell sinken könnten. Der Rennstart ist für 20 Uhr Ortszeit angesetzt, die Sonne geht jedoch schon rund zwei Stunden vorher um 17:53 Uhr (Freitag) beziehungsweise 17:54 Uhr (Samstag) unter. Entsprechend wird der Kurs zum Rennen hin abkühlen.

Diriyya: Fast Facts

  • Die Zeitspanne zwischen dem Saisonfinale 2020 und dem Auftaktrennen 2021 war die größte Pause zwischen zwei Formel-E-Rennen in der Geschichte: 197 Tage! Der vorherige Rekord datiert aus der vergangenen Saison, als durch die Corona-Zwangspause zwischen den Läufen in Marrakesch und Berlin insgesamt 158 Tage lagen.
  • DS, Nissan und Dragon werden dank neuer Homologationsvorgaben der FIA erst ab dem 5. April mit ihren neuen Motoren in der Formel E antreten. Sie vertrauen in Saudi-Arabien noch auf die Aggregate aus 2020. Alle anderen Teams setzen bereits ihre neuen Antriebe ein.
  • Vier Piloten traten in der Formel-E-Geschichte bislang zu jedem Rennen an - nach dem Diriyya E-Prix werden es nur noch zwei sein. Weil Daniel Abt (jetzt TV-Experte) und Jerome d'Ambrosio (jetzt Co-Teamchef bei Venturi) nicht an den Start gehen werden, werden sich diesen Rekord ab nächster Woche nur noch Lucas di Grassi (Audi) und Sam Bird (Jaguar) teilen.
  • Die Länge der Meeresküste Saudi-Arabiens beträgt 7.572 Kilometer. Um diese Distanz zurückzulegen, müsste ein Formel-E-Auto 3.035 Runden auf dem Kurs in Diriyya absolvieren. Bei einer konstanten Spitzengeschwindigkeit von 280 km/h bräuchte es für diese Strecke - ohne Ladestopps - rund 27 Stunden.
  • Die Spitzenleistung eines Formel-E-Rennwagens beträgt im Qualifying-Modus 250 kW, was der Power von circa 327 Kamelen entspricht.

Rückblick: Der Diriyya E-Prix 2019

Schon in der Saison 2019/20 eröffnete Diriyya mit einem sogenannten Double-Header, also zwei Rennen an einem Wochenende, die Saison. Fans von Mercedes oder Porsche dürfte der E-Prix noch in guter Erinnerung sein: Stoffel Vandoorne und Andre Lotterer schafften es gleich beim ersten Rennen der damals neuen Werksteams aufs Podium. An beiden Tagen sicherte sich Alexander Sims für BMW die Pole-Position, konnte die erste Position aber erst im zweiten Rennen in einen Sieg ummünzen. Die ersten 25 Punkte der Saison waren an Sam Bird gegangen, damals noch im Virgin.

Für Verwirrung sorgte im Samstagsrennen ein spätes Safety-Car. Einige Fahrer nutzten die Gelegenheit des Neustarts für die Aktivierung ihres Attack-Modes, wodurch unmittelbar vor dem Ende der Rennunterbrechung einige Fahrer ihre Rivalen überholten. Unter anderem gewann Maximilian Günther (BMW) auf diese Weise zwei Positionen und konnte sich auf dem Podium feiern lassen. Wenig später sprach die Rennleitung jedoch eine Strafe wegen unerlaubten Überholens aus und setzte den Deutschen auf Rang 11 zurück.

Video: Die Highlights des Diriyya E-Prix 2019

Spektakel unter Flutlicht: Unsere Prognose

Die Vorsaison-Testfahrten in Valencia geben Teams, Fahrern, Fans und Journalisten in jedem Jahr einen ersten Vorgeschmack auf die bevorstehende Saison. Dennoch gilt auch in diesem Jahr: Obacht bei der Interpretation der Bestzeiten. Der Rundkurs in Spanien ist schlicht zu wenig repräsentativ für die üblichen Formel-E-Strecken, um ein klares Bild der Kräfteverhältnisse vermitteln zu können. Wie konkurrenzfähig die Fahrzeuge sind, hängt maßgeblich von der Effizienz der Boliden ab. Und diese lässt sich frühestens nach dem Ende des ersten Diriyya-Rennens abschätzen.

Zumindest auf einer schnellen Runde scheint BMW derzeit einen marginalen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. Schon beim Diriyya E-Prix 2019 lobte das Fahrerlager die Münchner für die gute Leistung in der kurvenreichen ersten Hälfte der Strecke. Ob die Valencia-Bestzeit und die zwei Pole-Positions aus der Vorsaison erneut Erfolge für BMW versprechen? Wie reagiert das Audi-Werksteam auf die durchwachsenen Valencia-Testresultate? Und wie konkurrenzfähig ist das amtierende Meister-Team DS Techeetah mit dem alten Antriebsstrang? Viele Fragen, die sich aktuell kaum beantworten lassen - aber das ist ja das Schöne an der Formel E.

Wir freuen uns auf ein spannendes Rennwochenende in der Nacht von Diriyya. e-Formel.de begleitet den Saisonstart 2021 wie gewohnt in aller Ausführlichkeit für dich. Neben Berichten, Analysen und aktuellen Meldungen von der Rennstrecke bieten wir auch dieses Jahr für alle Trainings, Qualifyings und Rennen unseren beliebten LGT Formel E Live-Ticker an, in dem wir dich mit Echtzeit-Updates aus Saudi-Arabien versorgen.

Übrigens: Auch in diesem Jahr haben unsere Leser eine kostenlose Community-Tippspiel-Runde organisiert. Wer mitmachen möchte, hat noch bis Freitag Zeit, die ersten Tipps abzugeben oder sich neu anzumelden!

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