Formel E

Neuer "Attack-Charge" bei ausgewählten Rennen: Formel E beschließt Sportliches Regelwerk für 2023

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Die Formel E hat am Freitagnachmittag ihr Sportliches Reglement für die kommende Saison 2023 bekannt gegeben. Die größte Änderung: Bei ausgewählten Rennen soll es einen neuen "Attack-Charge" geben, bei dem die Fahrer über Schnelllade-Boxenstopps den Attack-Mode freischalten. Außerdem schafft die Formel E den FANBOOST ab, setzt ihre Rennen wieder mit einer festen Rundenzahl an und gibt jungen Fahrern neue Möglichkeiten.

Wie 'e-Formel.de' bereits berichtete, steht die Schnelllade-Technologie für Boxenstopps während der Rennen zum Saisonstart am 14. Januar noch nicht flächendeckend zur Verfügung, sodass die Formel E in den ersten Rennen noch darauf verzichten muss. Später im Saisonverlauf - "bei ausgewählten Rennen" - soll es aber einen vorgeschriebenen Boxenstopp mit einer Länge von 30 Sekunden geben, bei dem rund 4 kWh Energie nachgeladen werden können. Hierfür erhalten die Teams Ladegeräte mit einer Maximalleistung von 600 kW - fast viermal so viel wie die normalen Ladegeräte, die Serienpartner ABB in dieser Woche vorgestellt hat.

Während eines bestimmten Zeitraums im Rennen wird der "Attack-Charge" je Fahrer zwei Attack-Mode-Phasen freischalten. Diese können später im Rennen genutzt werden, um die Leistung der Fahrzeuge für eine bestimmte Zeit von 300 auf 350 kW zu erhöhen. Bei allen Rennen, in denen "Attack-Charge" nicht zum Einsatz kommt, erfolgt die Aktivierung des Attack-Modes - wie bislang üblich - durch das Überfahren von drei im Boden befindlichen Schleifen. Voraussichtlich wird dies vor allem bei den ersten Saisonläufen der Fall sein.

FANBOOST wird abgeschafft

Der in den vergangenen Jahren immer wieder kritisierte FANBOOST wird mit Beginn der Gen3-Ära abgeschafft. Eine Entscheidung, die auch von FANBOOST-Rekordgewinner Stoffel Vandoorne ausdrücklich begrüßt. Und das, obwohl der Belgier in jedem seiner 55 Rennen bei den Fanabstimmungen mit der Zusatzenergie belohnt wurde. Einen ironisch gemeinten Tweet konnte er sich trotzdem nicht verkneifen.

Ein alternatives Feature, mit dem die Formel E Fans in Zukunft ins Renngeschehen mit einbeziehen könnte, wurde bislang nicht thematisiert.

Rückkehr zu festen Renndistanzen, Zusatzrunden statt "Nachspielzeit"

Anstatt über 45 Minuten plus eine Runde werden die Rennen der Formel E in Zukunft wieder über eine feste Renndistanz ausgetragen. Eine feste Rundenzahl gibt es dadurch trotzdem nicht. Denn anstelle der bisherigen "Nachspielzeit" führen Rennunterbrechungen durch Full-Course-Yellow- oder Safety-Car-Phasen nun dazu, dass ein Rennen um zusätzliche Runden verlängert wird. Somit ist auch in Zukunft gewährleistet, dass das Energiemanagement bis zur Ziellinie eine wichtige Rolle spielt.

Mehr Gelegenheiten für Nachwuchsfahrer

Außerdem führt die Formel E eine neue Regelung für Nachwuchspiloten ein: Jedes Team muss während der Saison mindestens zweimal im 1. Freien Training einen Fahrer einsetzen, der noch nie an der Meisterschaft teilgenommen hat. Die Rennserie will somit aufstrebenden Fahrern die Chance geben, die Formel E kennenzulernen. Ob diese Regel auch durch einen neuen Stammfahrer erfüllt werden kann, der sein erstes Rennen in der Formel E bestreitet, ist bislang nicht bekannt.

Auch die Formel 1 hatte mit Beginn des Jahres 2022 eine solche Regel eingeführt: Jedes Team musste seine beiden Fahrzeuge bei je einem Freien Training von einem Piloten steuern lassen, der in der Vergangenheit maximal zwei Grands Prix bestritten hatte.

Longo: "Wir schaffen die perfekten Bedingungen"

"Unser aktualisiertes Sportliches Reglement ist ein Beweis für die kontinuierliche Entwicklung und die positiven Auswirkungen der Formel-E-Weltmeisterschaft für Fahrer, Teams, Partner und Fans in der Welt der Elektroautos", sagt Jamie Reigle, CEO der Formel E. "Die Kombination aus sportlichen Verbesserungen, einem Leistungssprung bei den Autos, modernster Batterietechnologie und der Innovation 'Attack-Charge' wird unsere Rennen wettbewerbsfähiger und unterhaltsamer machen und gleichzeitig die Zukunft der Elektroauto-Entwicklung demonstrieren. Dies ist der Kern dessen, was die Formel E erreichen will, und wir freuen uns darauf, die neue Generation in Saison 9 zum Leben zu erwecken."

"Wir schaffen die perfekten Bedingungen für die besten Rennfahrer und Teams, um erfolgreich zu sein und zu gewinnen", ergänzt Alberto Longo, Mitbegründer und Chief Championship Officer der Formel E. "Die Umstellung von Zeit auf Runden ermöglicht den Teams ein höheres Maß an Planung bei ihrer Rennstrategie. Die Einführung von 'Attack-Charge' bei Rennen im späteren Verlauf der Saison wird der Rennstrategie der Teams und dem Interesse der Fans eine ganz neue Dimension verleihen. Wir bereiten uns auch auf die Zukunft vor, indem wir neuen Fahrern in der Meisterschaft die Möglichkeit geben, sich zu etablieren und zu zeigen, was sie können."

"Aufbauend auf einer erfolgreichen Saison 8 haben wir nun weitere kleine Änderungen am Rennformat vorgenommen, um die Formel-E-Weltmeisterschaft einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen und die Teams zu ermutigen, neue Talente zu testen", erklärt Pablo Martino, FIA-Verantwortlicher für sportliche Belange der Formel E. "Mit der Einführung des mit Spannung erwarteten Gen3-Boliden, einem 22-köpfigen Starterfeld mit bekannten Namen aus der Automobilbranche und einigen der besten Fahrer des Sports bin ich zuversichtlich, dass die neue Ära der Formel E glanzvoll sein wird."

Das erste Rennen unter dem neuen Sportlichen Reglement wird am 14. Januar 2023 in Mexiko-Stadt ausgetragen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es im Rahmen der Vorsaison-Testfahrten in Valencia, die vom 13. bis 16. Dezember stattfinden, einen Testlauf des neuen Rennformates geben wird.

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